«Ich bin lieber in Ems als in Bern»

Einmal mehr überrascht Ems-Chemie die Finanzmärkte im positiven Sinne. CEO Magdalena Martullo äussert sich im Video-Interview zur Autoindustrie und zu ihrer Doppelrolle als Unternehmerin und Politikerin.
15.07.2016 15:39
Von Ivo Ruch
Magdalena Martullo-Blocher ist Ems-Chefin und Nationalrätin.
Bild: cash

Zum sehr profitablen ersten Halbjahr trugen ein deutliches Wachstum im hochmargigen Spezialitätengeschäft und unterproportional steigende Kosten bei. Zudem wird nicht nur die Gewinnprognose für das laufende Jahr angehoben, auch gibt es für die Aktionäre von Ems-Chemie eine höhere Dividende als ursprünglich angenommen.

All das wird an der Börse sehr wohlwollend aufgenommen. Die Ems-Aktie gewinnt in einem negativen Gesamtmarkt rund 1,5 Prozent dazu und klettert auf einen neuen Rekordstand. Alleine im laufenden Jahr hat der Titel 20 Prozent dazugewonnen.

Von diesem Ergebnis wurde auch Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher überrascht. "Das Ergebnis fiel ein bisschen besser aus als erwartet. Die Rohstoffpreise und die Veränderungen bei den Währungen kamen uns entgegen", sagt sie im Video-Interview. Das Wachstum sei vor allem auf die Automobilindustrie zurückzuführen.

VW-Skandal kaum spürbar

Dabei profitiert Ems auch von den positiven Entwicklungen auf dem europäischen Automarkt. Dieser brummt wieder wie vor der Finanzkrise. Mit 1,46 Millionen Fahrzeugen wurden in der Europäischen Union im Juni 6,9 Prozent mehr zugelassen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, teilte der Branchenverband Acea am Freitag mit.

Unter den Herstellern büsste Volkswagen im Sog der Abgas-Affäre zwar Marktanteile ein. Bei Ems schlug sich das aber nicht nieder, wie Martullo im Video-Interview sagt: "Der VW-Abgasskandal hatte praktischen keinen Einfluss. VW hat sich gut entwickelt und wir sind bei vielen Marken vertreten."

Bern ist intensiv, aber nicht immer produktiv

Beim Halbjahresumsatz knackte der Konzern erstmals die Milliarden-Grenze: Die Verkäufe stiegen von Januar bis Juni um 3,7 Prozent auf 1,002 Milliarden Franken. Auf höhere Verkaufsvolumen entfielen 6,0 Prozent und auf vorteilhafte Währungseffekte 1,1 Prozent. Allerdings musste Ems auch rohstoffbedingte Verkaufspreisnachlässe von 1,9 Prozent gewähren.

Der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA und EBIT nahm um 15 respektive 16,6 Prozent zu – mehr als von Analysten erwartet wurde. Somit kann Ems seine Aktionäre verwöhnen. Die Dividende wird um weiter 1,50 Franken auf 15 Franken pro Aktie erhöht. Diese steht am Freitagnachmittag bei 523,50 Franken.

Angesprochen auf ihre Doppelrolle als Unternehmerin und Nationalrätin, sagt Martullo: "Man muss sich gut organisieren und Prioritäten setzen." Die Zeit in Bern sei intensiv, aber nicht immer so produktiv. "Deshalb bin ich lieber bei Ems tätig. Hier kann ich noch schneller noch mehr erreichen", so Martullo, die seit letztem Herbst für den Kanton Graubünden im Parlament sitzt.

(mit Material von AWP)