Ifo, Caixin, Tankan und Co.Wirtschaftsindikatoren – und was sie genau bedeuten

Kennen Sie den deutschen Ifo-Index? Oder Caixin? Gehört haben Sie die Namen dieser Wirtschaftsindikatoren sicherlich schon. Hier erfahren Sie, was dahinter steckt und wie die Indikatoren zu deuten sind.
06.02.2017 13:45
Von Marc Forster
Halbleeres oder halbvolles Glas? Indiaktoren geben Aufschluss über die Wirtschaftslage.
Halbleeres oder halbvolles Glas? Indiaktoren geben Aufschluss über die Wirtschaftslage.
Bild: Pixabay

"Ein Augenmerk werden Anleger auch auf die Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA richten." Oder: "Investoren sind enttäuscht von den letzten China-Wirtschaftsdaten, die der Caixin-Index deutlich macht." So oder ähnlich steht es häufig in den unteren Zeilen der Börsenberichte. Anleger schauen sich Konjunkturindikatoren genau an. Teilweise beeinflussen sie massgeblich die Stimmung an den Aktienmärkten, von Fernost bis in die USA.

Doch für was stehen die Indikatoren? Und was bedeuten sie für die Märkte? cash erklärt, nach Ländern sortiert, einige der wichtigen Barometer.

China

Zu den vielbeachtetsten Indizes gehören der Einkaufsmanager-Index bzw. Purchasing Managing Index (PMI). Diese Indikatoren gibt es für viele Volkswirtschaften. Sie messen die Stimmung bei den Unternehmen, wobei nicht jeder Index gleich aufgebaut ist.

Der chinesische Caixin Manufacturing Purchasing Managers‘ Index untersucht die Produktivität von Firmen und wird monatlich veröffentlicht. Caixin selbst ist eine Mediengruppe in Peking und der Name eines Wirtschaftsmagazins. Für den Index werden die Daten von 430 nicht-staatlichen Industrieunternehmen untersucht. In den Index fliessen ein: Neue Aufträge (30 Prozent), Ausstoss (25 Prozent), Beschäftigung (20 Prozent), Zeitspannen für erhaltene Lieferungen (15 Prozent) und Lagerbestände (10 Prozent).

Liegt der Index über dem Wert von 50, wächst der produzierende Sektor, ansonsten schrumpft er. Dem Caixin-Index vertrauen Anleger eher als den offiziellen Daten der chinesischen Regierung, die als ungenau oder gar als manipuliert gelten. Caixins Partner bei der Erstellung des Index‘ ist die britisch-asiatische Grossbank HSBC.

USA

Auch der Philadelphia Fed Index oder einfach Philly Fed Index in den USA ist mit einem Einkaufsmanager-Index vergleichbar. Unternehmen aus den Staaten Pennsylvania, New Jersey und Delaware beantworten dabei freiwillig Fragen zum Geschäftsverlauf. Er zeigt an, wie ausgelastet die Industrie ist und erlaubt daher Annahmen zur Entwicklung der US-Wirtschaft. Der Index-Wert für den Januar 2017 ist 23,6, nach 19,7 im Dezember. Ein Wert über 0 bedeutet Wachstum, unter 0 Rezessionsgefahr. Herausgegeben wird der Index seit 1968 von der Federal Reserve Bank of Philadelphia, also einer der  12 regionalen Reservebanken, die zusammen die Federal Reserve, also die Notenbank der USA bilden.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Jobless Claims) in den USA werden wöchentlich, jeweils an einem Donnerstag, von der Regierungsstelle Department of Labor veröffentlicht. Vergangene Woche betrugen die Zahl 246‘000, im der Vorwoche 260‘000. Interessant für Anleger ist insbesondere der monatliche Durchschnitt. Steigt die Zahl der Anträge über 400‘000, wird dies als Hinweis auf eine Stagnation am Arbeitsmarkt betrachtet.

Arbeitslosigkeitsdaten sind eine wichtiger Leitschnur für die Notenbank Federal Reserve. Das lange Zögern bezüglich einer Zinserhöhung bis Dezember 2015 hatte massgeblich daran gelegen, dass die Fed den Arbeitsmarkt für nicht genug robust hielt. Die Aussicht auf Zinserhöhungen bei Notenbanken generell schreckt wiederum Aktienanleger ab: Das billige Geld der Notenbanken ist jahrelang ein Hauptgrund für steigende Kurse gewesen.

Deutschland

Das Forschungsinstitut Cesifo veröffentlicht monatlich einen Geschäftsklimaindex unter anderem für Deutschland, der auch Ifo-Geschäftsklimaindex genannt wird. Rund 7000 Unternehmen aus der Industrie, des Bauwesens sowie dem Handel teilen den Cesifo-Ökonomen mit, wie sie ihre Geschäftslage beurteilen und was sie für Erwartungen an die bevorstehenden sechs Monate haben. Sie können die Lage als "gut", "befriedigend" oder "schlecht" beurteilen, die Erwartungen als "günstiger", "gleichbleibend" oder "ungünstiger".

Daraus errechnen sich jeweils die Salden. Die Salden von 2005 bilden den Wert 100. Für den Januar 2017 ist der Wert 109,8, für Dezember 2016 war er bei 111. Eine solche (leichte) Eintrübung des Geschäftsklimas gibt Anhaltspunkte zur konjunkturellen Entwicklung und wird an den Börsen genau verfolgt. Cesifo veröffentlicht solche Geschäftsklimaindices nicht nur für Deutschland, sondern unter anderem auch für die Eurozone.

Japan

Der Tankan-Report, der vierteljährlich von der Bank von Japan herausgegeben wird, kombiniert eine Konjukturanalyse mit einer Befragung von Unternehmen. Durchgeführt jeweils zum Beginn eines Quartals bzw. im Dezember, wobei rund 9000 Unternehmen ihre Einschätzungen zu Lagerbeständen, erwarteten Geschäftszahlen, sowie Export, Investitionen und Beschäftigungslage abgeben. Der indizierte Wert von Dezember 2016 lag bei 10, nach 6 im Oktober. Sinkt dieser Wert unter 0, bedeutet dies eine erwartete Konjunktureintrübung.

Speziell beachtet wird die Lage der grossen Industriekonzerne. Der Tankan ist der wichtigste Indikator zur japanischen Wirtschaft. Auf ihm basieren Prognosen zur Konjunkturlage und zur Zinssituation. Der Index beeinflusst die Aktienpreise und prägt auch die Wechselkurse des Yen.

Schweiz

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich KOF veröffentlicht seit den 1970er Jahren einmal im Monat das KOF-Konjunkturbarometer. Im vergangenen Monat erreichte das Barometer 101,7 Punkte, das sind 0,4 Punkte weniger als im Dezember. Das KOF teilt jeweils mit, welche Wirtschaftszweige das Barometer beeinflussten. Im Januar etwa wirkten die Finanzbranche, die Gastronomie und der inländische Konsum negativ. Positiv hingegen waren Bau und Export. Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft auf die nähere Zukunft werden als stabil eingestuft.

Grundlage dieses Barometers, das Annahmen über die kommenden Monate zulässt, sind aktuell nicht weniger als 400 Indikatoren oder Variablen. Dabei verwendet die KOF Daten, die eine Aussage über die Konjunkturentwicklung zulassen. Diese Variablen werden immer wieder überprüft und gegebenenfalls durch andere ausgewechselt. Die KOF sagt, dass das Messverfahren "lernfähig" sei und so flexibler und genauer werde.