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«Im besten Fall dieses Jahr ein Zukauf»

Ascom könnte noch dieses Jahr eine Akquisition tätigen, sagt Konzernchef Fritz Mumenthaler im cash-Interview. Zudem äussert er sich zum Geschäftsverlauf 2013 und den hoch gesteckten Mittelfristzielen.
17.12.2013 01:00
Interview: Pascal Meisser
Ascom-Konzernchef Fritz Mumenthaler im cash-Video-Interview.
Bild: cash

cash: Herr Mumenthaler, Ascom  ist der Turnaround geglückt, das Unternehmen ist auf dem Weg zum besten Jahr in seiner Firmengeschichte. Trotzdem mussten Sie im Herbst die Erwartungen nach unten revidieren. Waren Sie zu ambitioniert?

Fritz Mumenthaler: Die Vorgaben waren tatsächlich am oberen Ende. Nach einem hervorragenden Ergebnis 2012 und einem guten ersten Quartal 2013 gingen wir davon aus, dass eine etwas höhere Ebitda-Marge von 15 bis 16 Prozent drin liege. Allerdings mussten wir einsehen, dass die Ziele doch zu hoch gesteckt waren, weshalb wir die Guidance um 1 Prozent zurück nahmen. Die Reaktion des Marktes auf die Anpassung war unerheblich, da der Schritt von den Analysten erwartet worden war.

Ist das Unternehmen nun auf Kurs?

Das Unternehmen wird ein sehr gutes Ergebnis für 2013 abliefern und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die angestrebte Ebitda-Marge von 14 bis 15 Prozent erreichen.

Der Dezember ist für Ascom traditionellerweise einer der wichtigsten Monate. Wie laufen die Geschäfte zum Jahresschluss?

Im Hinblick auf unsere Ziele sind wir gut unterwegs.

Das Ziel bis 2015 ist eine Ebitda-Marge von 17 bis 18 Prozent. Wie soll dies erreicht werden?

Sowohl organisch wie auch mit kleineren Akquisitionen wollen wir insgesamt ein Umsatzwachstum von fünf bis zehn Prozent pro Jahr erreichen. Das ist zugleich die Voraussetzung für eine weitere Steigerung der Ebitda-Marge. Unser Mittelfristziel ist sicherlich ambitioniert. Aber wir wollen und müssen wachsen und sind überzeugt, dass der Markt dieses Potenzial auch hergibt.

Im November ist Bewegung ins Aktionariat von Ascom gekommen. Die Hauptaktionärin, die Zürcher Kantonalbank, hat ihre 26-Prozent-Beteiligung verkauft. Was heisst das für Ascom?

Es hat mich gefreut und ich bin als CEO auch stolz, dass in den letzten Wochen zahlreiche neue und bisherige Aktionäre in Ascom investiert haben. Über ein Viertel aller Aktien haben im Rahmen einer Privatplatzierung innerhalb von kurzer Zeit die Hand gewechselt, wobei der Preisabschlag nur minim war. Die neuen Aktionäre haben Vertrauen in unsere Strategie und unsere operative Performance. Wir haben nun einen Streubesitz von hundert Prozent. Die Nachfrage nach unseren Aktien hat zugenommen. Auch das Interesse der Investoren und Analysten ist deutlich gestiegen.

Werden die neuen Aktionäre die Strategie beeinflussen?

Das Aktienpaket der Zürcher Kantonalbank ist grösstenteils unter institutionellen Investoren aus dem In- und Ausland aufgeteilt worden und die Aktien sind nun breit gestreut. Wir werden sehen, inwieweit sich die bisherigen und neuen Aktionäre einbringen wollen.

2012 erzielte Ascom einen Umsatz von 449 Millionen Franken. Wann gelingt der Sprung über die 500-Millionen-Schwelle?

Dieses Jahr sicher noch nicht. Unser Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren jeweils fünf bis zehn Prozent zu wachsen, und das nicht nur organisch. Im Hinblick auf Akquisitionen sind wir gut unterwegs. Es ist deshalb nicht unrealistisch, die 500-Millionen-Franken-Schwelle für das nächste Jahr anzupeilen.

Wie ist der Stand bezüglich Akquisitionen?

Wir prüfen Akquisitionsprojekte für beide Divisionen und sind auch in Gesprächen. Die Priorität liegt bei Wireless Solutions, wo wir in erster Linie Marktanteile hinzukaufen möchten. Bei der Division Network Testing liegt der Schwerpunkt auf Zukäufe im Bereich Analytics. Da sehen wir interessante Möglichkeiten.

Steht also eine Akquisition kurz bevor?

In einem Projekt sind wir weit fortgeschritten. Im besten Fall  können wir sogar noch dieses Jahr eine Akquisition ankünden. 

Der US-Shutdown und die Obamacare-Vorlage haben das Geschäft mit Kommunikationslösungen in Spitälern behindert. Hat sich die Auftragslage wieder erholt?

Obamacare hat die Investitionsbereitschaft lediglich verschoben, da die vorhandenen Mittel der Spitäler vorwiegend für  Electronic Medical Records verwendet werden.  Es ist aber bloss eine Frage der Zeit, bis die Aufträge für Mobility wieder zunehmen, da die  Krankenhäuser auf integrierte Kommunikationslösungen angewiesen sind. Die Nachfrage beim Schwesternruf entwickelt sich derzeit über Erwarten gut. 

Dividenden sind bei Anlegern weiterhin gefragt. Ist eine Erhöhung der Gewinnausschüttung ein Thema?

Für das Jahr 2013 erwarten wir einen gegenüber dem Vorjahr deutlich höheren Reingewinn. Es ist aber das Privileg der Generalversammlung, über die Dividende zu entscheiden. Der Verwaltungsrat wird nach Vorlage des endgültigen Jahresergebnisses einen Antrag stellen. In der Vergangenheit war Ascom gegenüber den Aktionären stets grosszügig. 2012 betrug die Payout-Ratio sogar 60 Prozent.

Die Division Network Testing hinkt bezüglich Margen dem Kerngeschäft Wireless Solutions hinterher. Wie sehen Sie die Zukunft?

Wir sehen bei Network Testing weiterhin Potenzial. 2013 wird die Division ein gutes Ergebnis abliefern, und für 2014 erwarten wir ein Wachstumsjahr. Die Reorganisation und Restrukturierung im letzten Jahr, als wir die Kosten um 20 Millionen Franken gesenkt hatten, zahlen sich nun aus. Der verstärkte Fokus auf die Bereiche Analytics und Reporting macht die Division zudem weniger abhängig von technologischen Veränderungen im Mobilfunkmarkt. Ein hoher Softwareanteil unterstützt zudem die Margen.

Einzelne Analysten fordern den Verkauf der Division Network Testing wegen den tieferen Margen als im Hauptgeschäft. Ist das ein Thema?

Aus unserer Sicht nicht. Ich bin überzeugt, dass Ascom ein guter Owner für Network Testing ist und wir das Geschäft optimal weiter entwickeln können.  Andererseits sind wir als Publikumsgesellschaft selbstverständlich verpflichtet, jedes Angebot seriös zu prüfen.  

Welchen Nutzen bringen die von Ascom angebotenen Analysen den Telekomanbietern?

Sie verstehen dadurch besser, wie man mit ihren Netzen Mehrwert für den Kunden schafft. Sie können aber auch ihre Investitionen besser planen. So helfen wir mit unserer Analyse, wie man bestehende Standards besser ausreizen kann.

Seit diesem Jahr wird stark in den neuen Mobilfunkstandard LTE investiert. Wie partizipiert Ascom daran?

Wir profitieren vor allem von den Investitionen in Europa. Auch in anderen Regionen wie dem Mittleren Osten, Nord- und Südamerika laufen die Geschäfte gut. Einziger Schwachpunkt ist Asien/Pazifik. In China gab es Verzögerungen bei den Lizenzierungen, in Indien hemmen regulatorische Probleme. Aber in drei Vierteln der Welt läuft es gut.

Ihr Ausblick für 2014?

Wie die meisten Experten gehe ich davon aus, dass sich nächstes Jahr die Eurozone weiter erholen wird und auch ein positiver Einfluss der amerikanischen Wirtschaft zu erwarten ist. Die Zeichen stehen insgesamt gut für eine Belebung der Nachfrage, weshalb wir für 2014 verhalten positiv sind.

Im Video-Interview äussert sich Mumenthaler zur Weltneuheit des Unternehmens und zur Entwicklung des Mobilfunkmarkts.