Im Samsung-Handy steckt Hightech aus Stäfa

Ein Hightech-KMU aus Stäfa trumpft mit Mini-Sensoren bei Weltkonzernen gross auf. Moritz Lechner, Co-CEO von Sensirion, nennt cash sein Erfolgsrezept. Und er spricht über Innovationen und den starken Franken.
19.08.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Moritz Lechner, Co-CEO von Sensirion, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Wer das neue Smartphone-Modell Galaxy S4 von Samsung kauft, hält unwissentlich auch ein Stück Stäfner Technologie in den Händen. Das KMU von der Zürcher Goldküste liefert dem südkoreanischen Weltkonzern die derzeit kleinsten Sensoren der Welt, die Temperatur und Feuchtigkeit messen. Ein Exemplar dieses Sensors, das im Video-Interview zu sehen ist, misst gerade mal zwei mal zwei Millimeter.

"Dieser Coup brachte uns der Durchbruch im Mobiltelefonmarkt", sagt Moritz Lechner, CO-CEO bei Sensirion, im Gespräch mit cash.

Für eine kleine Firma wie Sensirion ist es schwierig, an Grossaufträge von Weltkonzernen wie Samsung heranzukommen. Die oft gehörte Aussage lautet: "Ihr seid gut, aber wir verhandeln nur mit unseren Standardlieferanten", sagt Lechner. Laut dem 43-Jährigen grenzt es fast schon an ein Wunder, dass der Samsung-Deal unter Dach und Fach geführt werden konnte. Nur dank dem leidenschaftlichen Effort der Entwickler-Teams sei es gelungen, das Projekt zum Erfolg zu führen.

Ob die Mikrosensoren auch in dem auf September angekündigten iPhone 5S oder iPhone 6 genannten Gerät von Apple eingesetzt werden, wollte Lechner nicht verraten.

Innovationen am Start

Lechner gründete vor 15 Jahren zusammen mit dem fünf Jahre älteren Felix Mayer die Firma Sensirion als ETH-Spinoff. 2005 folgte der Umzug von Oerlikon an die Laubisrütistrasse in Stäfa oberhalb des Zürichsees - in unmittelbarer Nähe des Hörgeräteherstellers Sonova. Damals zählte das Unternehmen 50 Mitarbeitern, bis heute hat sich die Belegschaft mehr als verzehnfacht. 

Unternehmen, die sich im Hightech behaupten wollen, müssen fortlaufend neue marktfähiger Produkte lancieren. Sensirion hat denn auch auch einige Innovationen am Start. So schrumpfen die Stäfner ihren weltweit kleinsten Sensor nochmals um das Vierfache, ohne dabei die Leistung zu reduzieren. Der Winzling, der laut Lechner im kommenden Jahr auf den Markt kommt, misst gerade noch rund 0,5 mal 0,5 Millimeter.

Solche Mini-Erfindungen können auch sprichwörtlich ins Auge gehen, so Lechner, dem dazu eine Anekdote einfällt: Während einer Sitzung rieb sich ein Entwickler ständig die Augen. Nach einigen Minuten Augenreiben stellte sich heraus, was den Reiz ausgelöst hatte: Was zuerst wie ein Staubkorn aussah, entpuppte sich als Minisensor der kommenden Generation.

Künstliche Nase als Langfristziel

Sensirions Vision ist es, die Welt "smart" zu machen. Dazu müssen die Sensoren Informationen über die Umgebung liefern, ähnlich wie dies die menschlichen Sinne tun. "Wir verleihen technischen Geräten Ohren, Augen oder Nasen. Gleichzeitig senken unsere Sensoren den Energiebedarf und erhöhen den Lebenskomfort", sagt Lechner.

Das Stäfner Hightech-Unternehmen arbeitet beispielsweise an der Entwicklung einer künstlichen Nase, die Gerüche wahrnehmen kann, wozu ein menschliches Riechorgan nicht fähig ist. Kohlenstoffmonoxid zum Beispiel ist ein Gas, das farb-, geruch- sowie geschmacklos und nicht reizend ist, aber für Menschen ein gefährliches Atemgift darstellt. "Wir rechnen in zwei Jahren mit der Einführung am Markt", sagt der an der ETH ausgebildete Physiker.

Mit dieser Technologie lässt sich zum Beispiel die Luftqualität überwachen. Vor allem in asiatischen Städten sehe er diesbezüglich viel Potenzial, so Lechner. Sensirion tüftelt auch an einem menschlichen Nasenersatz, der dieselbe Riechleistung liefert, wie eine herkömmliche Nase.

Um solche Technologien zu entwickeln, braucht es talentiertes Personal. Und diesbezüglich kann Sensirion aus dem Vollen schöpfen. "Letztes Jahr haben wir auf 200 Stellen über 10'000 Bewerbungen erhalten", sagt Lechner. Derzeit sind noch 30 Vakanzen zu besetzen, primär im Ingenieurbereich.

Lechner führt den Run auf Sensirion auf zwei Faktoren zurück: Zum einen ermögliche man die Mitarbeit an attraktiven Projekten, wie zum Beispiel am Samsung-Projekt. Weiter fänden innovativ denkende Menschen eine Plattform, auf der sich austoben können, so Lechner. Oftmals rekrutiert die Stäfner Hightech-Firma Talente frisch ab der Hochschule.

Starker Franken frisst Einnahmen weg

Wenig Freunde bereitet Sensiron hingegen die Währungssituation. "Der starke Franken ist ein Problem für uns. Dadurch verlieren wir viel Geld, das man für andere Investitionen einsetzen könnte", sagt Lechner.

Vor fünf Jahren wurde sich der Franken zum Euro konstant teurer und kletterte im Sommer 2011 fast auf Parität. Seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Kurs bei 1,20 Franken verteidigt, pendelt er zwischen 1,20 und 1,26 Franken. Derzeit notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,23.

"Es wäre gut für uns, wenn die Schweizerische Nationalbank die Kursuntergrenze auf 1,25 oder 1,30 Franken anheben würde", so Lechner. Nahezu die ganze Produktion wird ins Ausland exportiert. Produktionsverlagerungen stehen aber für Lechner und seinen Geschäftspartner Felix Mayer nicht zur Debatte. "Die Kosten für den Betrieb eines Produktionsstandorts im Euroraum würden das Sparpotenzial auffressen", sagt Lechner. Die Lohnkosten in der Produktion machen bei Sensirion weniger als 10 Prozent des Umsatzes aus.

Lechner will aber nicht jammern: "Uns geht es gut". Per Ende Jahr peilt das Stäfner Unternehmen einen Umsatz von 150 Millionen Franken an, fast doppelt so viel wie im letzten Jahr.

Übernahmeangebote - ein «daily business» 

Einer Firma, die so erfolgreich unterwegs ist wie Sensirion, flattern laufend Übernahmeofferten ins Haus. "Das gehört bei uns zum 'daily business' seit 15 Jahren", sagt Lechner, der zugleich Präsident des Verwaltungsrates von Sensirion ist. An einem Verkauf haben er oder sein Geschäftspartner Felix Mayer aber kein Interesse. "Der Job macht uns Freude, und wir wollen ihn auch in Zukunft ausüben", so Lechner.

Auch bestünden derzeit keine Pläne für einen Börsengang, sagt Lechner. Erst wenn es in Entwicklung passe, sei ein IPO eine Möglichkeit. Bislang konnte die Sensirion ihr Wachstum durch zurückbehaltene Gewinne und mittels Bankkredite finanzieren. Die Eigenkapitalquote beträgt 50 Prozent. "Damit fühlen wir uns wohl", sagt Lechner.

 

Im Video-Interview wird der aktuell kleinste Feuchtsensor der Welt gezeigt. Weiter sagt Moritz Lechner, wo der Sensor überall Verwendung findet und welches die grössten Herausforderungen von Sensirion sind.