Immobilien-Kollaps wäre Gefahr für britische Banken

Royal Bank of Scotland und Lloyds Banking Group sind die beiden grossen britischen Banken, die am stärksten am Gewerbeimmobilien-Markt engagiert sind. Ein Einbruch am Immobilienmarkt hätte fatale Folgen.
09.07.2016 15:34
Folgt auf den Brexit der Kater am britischen Immobilienmarkt?
Folgt auf den Brexit der Kater am britischen Immobilienmarkt?
Bild: Bloomberg

Das meint ein Analyst von JPMorgan Chase. Er leitet daraus Risiken ab, nachdem gleich mehrere britische Vermögensverwalter Geldabzüge aus Immobilienfonds gestoppt haben. Mit seiner Warnung steht er nicht alleine da.

RBS hat insgesamt 25,2 Mrd. Pfund an Krediten an den Sektor vergeben - was 66 Prozent des materiellen Buchwerts (TNAV) der Bank entspricht, heißt es in der Studie von JPMorgan. Bei Lloyds sind es 18,1 Mrd. Pfund oder rund 46 Prozent des TNAV, schreibt Analyst Raul Sinha weiter. Zwar sei das Risiko für große Banken "handhabbar", doch kleinere Banken könnten größere Verluste verzeichnen.

"Das Abwärtsrisiko aus den britischen Gewerbeimmobilien-Preisen wird wahrscheinlich die Bewertungen von inländischen Banken mit britischem Engagement unter Druck setzen", meint Sinha in seiner Studie. Er verweist darauf, dass kleinere Banken einen relativen hohen Anteil an stärker gehebelten Gewerbeimmobilien-Krediten in den Büchern haben. Bei größeren britischen Banken seien die Underwriting-Standards in den vergangenen Jahren auf breiter Front beibehalten worden.

Mehr Abzüge aus Immobilienfonds denkbar

In dieser Woche haben vier Vermögensverwalter die Geldabflüsse aus Immobilienfonds gestoppt, nachdem Investoren ihr Geld wegen Sorgen zur Zukunft der britischen Wirtschaft auf Grund des Brexit-Votums zurückhaben wollten. Das Pfund stürzte auf ein 31-Jahres-Tief ab. Die Bank von England erklärte am Dienstag, sie beobachte die Bewertungen auf dem Gewerbeimmobilienmarkt genau. Sie leitete zudem Schritte ein, um die Kapitalanforderungen an die Banken zu lockern.

Der Schock, der sich aus dem Einfrieren der Immobilienfonds ergibt, könnte laut Morgan Stanley mehr Abzüge nach sich ziehen und die Fonds weiter unter Druck setzen. Immerhin 45 Prozent der Fonds-Investoren seien nicht aus Großbritannien und würden daher zusätzlich unter dem Wertverlust des Pfunds leiden.

Ein Kollaps der Immobilienpreise würde "Lloyds und RBS besonders hart treffen. Beide haben große Gewerbeimmobilien-Kreditportfolios. Und die bevorstehenden Rückgänge bei den Preis-Indizes für Gewerbeimmobilien werden zu höheren vorgeschriebenen Rückstellungen für Wertberichtigungen dafür führen", schreibt auch Sandy Chen von Cenkos Securities in einer Notiz. Die Aktien beider Banken wurden erneut zum Verkauf empfohlen.

Hohe Risiken vor allem für kleine Banken

Die Branche als Ganzes hat 86 Mrd. Pfund an Gewerbeimmobilien-Krediten vergeben, heißt es bei JPMorgan. Das sei deutlich weniger als die mehr als 150 Mrd. Pfund, die es noch vor fünf Jahren waren. Bei den großen Banken beläuft sich das Engagement den Angaben zufolge auf 69 Mrd. Pfund, die restlichen 17 Mrd. Pfund liegen bei kleineren Geschäftsbanken und Genossenschaftsbanken.

Analysten von Société Générale warnen genauso wie Sinha davor, dass das Risiko bei den kleineren Banken wegen der hohen Fremdverschuldung am größten sei.

Unterm Strich werden die Banken aber von Verlusten in einer Größenordnung wie 2008 und 2009 geschützt sein, weil sie ihr Portfolio geschrumpft haben und der Kreditanteil gegenüber dem Immobilienwert inzwischen geringer ist, schreiben Ivan Zubo und Robin Down, Analysten von HSBC Holding Sie verweisen dabei auf Risiko-Aversion, neue aufsichtsrechtliche Bestimmungen und den jüngsten Anstieg der Immobilienpreise.

JPMorgan hatte bereits in der vergangenen Woche die 2018-Prognose für den Gewinn je Aktien bei britischen Banken um 22 Prozent nach unten korrigiert.

(Bloomberg)