Immobilien - Londons nobelste Häuser stehen trotz sinkender Mieten leer

Der Londoner Luxusimmobilienmarkt leidet unter dem Lockdown. Vermieter sind gezwungen, die Mieten zu senken oder die Objekte leer stehen zu lassen.
24.01.2021 09:40
Luxusimmobilien im vornehmen Londoner Stadteil Chelsea.
Luxusimmobilien im vornehmen Londoner Stadteil Chelsea.
Bild: Pixabay

Häuser in den teuersten Gegenden der britischen Hauptstadt stehen mehr als zwei Monate leer, bevor sie einen Mieter finden. Dies ist laut dem Immobiliendatenunternehmen LonRes die längste Wartezeit seit der letzten Finanzkrise. Auch die Mieten, die mit der stärksten Jahresrate seit einer Dekade fallen, konnten diese Entwicklung nicht stoppen.

Ein Exodus von Büroangestellten und die fehlenden Touristen haben mondäne Viertel wie Mayfair und Knightsbridge getroffen, so dass die Vermieter sich gezwungen sehen, die Mieten zu senken oder die Objekte leer stehen zu lassen. Die Anzahl der Luxusbehausungen, die im Zentrum Londons gemietet werden können, ist gegenüber dem Vorjahr um 75% gestiegen.

Für Besitzer der mehrere Millionen Pfund teuren Immobilien könnte es ein langer Winter werden. Die Beschränkungen, die beim letzten nationalen Lockdown, der in diesem Monat begann, wieder eingeführt oder verschärft wurden, dürften die Mieten noch einige Zeit begrenzen.

“Es wird wahrscheinlich noch ein paar Monate geben, in denen niedrigere Mieten als in der Vergangenheit akzeptiert werden müssen”, sagte Marcus Dixon, Leiter Research bei LonRes. “Die Vermieter müssen dies einfach durchstehen.”

Die Regierung versucht, die Bevölkerung rasch gegen das Virus zu impfen und das Land auf den Weg in Richtung Normalität zu bringen. Vor diesem Hintergrund ist Dixon zuversichtlich, dass eine Erholung in Sicht bleibt. Die folgenden vier Diagramme zeigen, vor welcher Herausforderung das obere Marktsegment in der Hauptstadt steht.

Flut von leerstehenden Häusern kam auf den Markt

Als die Mietverträge im letzten Jahr ausliefen und die Pandemie neue Bewohner fernhielt, kam eine ganze Flut von leerstehenden Häusern auf den Markt. Vermieter haben auch Probleme, kurzfristige Mietobjekte zu füllen, die sowohl bei Touristen als auch bei internationalen Studenten, Arbeitnehmern und Besuchern beliebt waren. Das dürfte sich nicht so schnell bessern, da die Regierung diese Woche alle Reisekorridore schließt.

Die Luxusmieten in London verzeichnen den größten Jahreseinbruch seit den Nachwirkungen der Finanzkrise. Sie sind in der Hauptstadt im Dezember um mehr als 14 Prozent gesunken, verglichen mit einem Jahr zuvor. Es ist nicht nur das Stadtzentrum betroffen, vielmehr verzeichnen die Außenbezirke die stärksten Rückgänge, da wohlhabende Mieter lieber noch weiter weg als in den Vororten leben wollen, berichtet Dixon.

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für Verhandlungen. Mieter, die in Londons nobelsten Häusern einziehen möchten, bekommen fast einen drei Mal so großen Preisnachlass wie vor der Pandemie. Mehr als die Hälfte der Mieter hat es geschafft, den Preis zu drücken. “Vermieter wollen offensichtlich versuchen, Leerstände so weit wie möglich zu begrenzen”, sagte Dixon. “Aber die Realität der derzeitigen Lage sieht so aus, dass es nicht so viele Mieter gibt, und diese Mieter können sich erlauben, wählerischer zu sein.”

Bei den Verkäufen sieht es nicht viel besser aus als bei den Vermietungen. Bevor das Coronavirus London heimsuchte, verzeichnete der Verkaufsmarkt für kurze Zeit zwei Quartale mit Wachstum, bevor die Preise einbrachen und sich der seit Jahren anhaltende Rückgang fortsetzte. Hinsichtlich der Aussichten auf eine Erholung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Laut LonRes ist die Widerstandsfähigkeit des Marktes kurz vor dem Ausbruch ein Grund, optimistisch zu sein.

(Bloomberg)