ImmobilienReferenzzinssatz für Mieten verharrt bei 1,50 Prozent

Die Mieter in der Schweiz können vorerst keine neuen Ansprüche auf eine Senkung ihrer Mieten geltend machen. Der Referenzzinssatz verbleibt auf dem rekordtiefen Stand von 1,5%, auf den er Anfang Juni gefallen war.
01.09.2017 11:29
Der Referenzzinsatz bleibt unverändert - die Mieten damit auch.
Der Referenzzinsatz bleibt unverändert - die Mieten damit auch.
Bild: Pixabay

Aus diesem Grund ergebe sich seit der letzten Bekanntgabe auch kein neuer Senkungs- oder Erhöhungsanspruch, teilte das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) am Freitag mit. Ansprüche könnten nur dann erhoben werden, wenn der Mietzins im einzelnen Mietverhältnis noch nicht auf dem aktuellen Referenzzinssatz basiere.

Angesichts der Zinsentwicklung hatte das BWO den Referenzzinssatz im Juni erstmals seit 2015 auf den Tiefstwert von 1,5% gesenkt. Dadurch ergab sich für die über zwei Millionen Mieterhaushalte in der Schweiz im Grundsatz, dass sie eine Reduktion der Mieten um fast 3% verlangen konnten.

Ein Rechenbeispiel veranschaulicht das Sparpotenzial für die Mieter: Bei einer angenommenen Miete von 2000 CHF würde theoretisch eine monatliche Mietzinsreduktion von gut 58 CHF resultieren. Auf ein ganzes Jahr gerechnet betrüge die Reduktion fast 700 CHF.

Ansturm auf Mietzinsrechner

Die Senkung des Referenzzinssatzes im Juni schlug denn auch hohe Wellen. Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband (SMV) appellierte umgehend an die Vermieter, die Mietzinsen von sich aus zu senken. Werde die Vermieterseite nicht aktiv, müssten die Mieter und Mieterinnen eine Senkung einfordern.

Der Aufruf blieb nicht ungehört. Noch nie hätten so viele Mieterinnen und Mieter die Online-Mietzinsrechner benutzt und ein Senkungsbegehren heruntergeladen wie nach dem 1. Juni, schrieb der SMV am Freitag. Die Besucherzahl auf den SMV-Websites in den drei Sprachregionen habe sich im letzten Quartal mehr als verdoppelt.

Aufgrund der Entwicklung des Referenzzinssatzes sollten die Mieten heute 7 Mrd CHF tiefer sein als 2009. Ungeachtet dessen seien die Mieten aber um 2,5 Mrd CHF angestiegen, beklagt der SMV. Diese Gelder gehörten den Mietern und müssten diesen zukommen.

Der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) geht derweil davon aus, dass der Referenzzins noch einige Zeit auf dem jetzigen Niveau verharrt, wie er am Freitag mitteilte. Dank dem "bereits langjährigen Tiefzinsniveau" gebe es noch immer zahlreiche Mietverhältnisse mit günstigen Mietzinsen - auch in den Städten.

Keine automatische Weitergabe

Vermieter müssen eine Senkung des Referenzzinssatzes nicht automatisch an die Mieter weitergeben. Sie können beispielsweise höhere Unterhaltskosten sowie Wert steigernde Investitionen geltend machen. Zudem können sie 40% der angelaufenen Teuerung anrechnen sowie eine Pauschale für die allgemeinen Kostensteigerungen.

Für die Mietzinsgestaltung wird in der Schweiz seit dem 10. September 2008 auf einen einheitlichen hypothekarischen Referenzzinssatz abgestellt, der sich in Schritten von einem Viertelprozent verändern kann. Dieser ersetzt den in den einzelnen Kantonen früher massgebenden Zinssatz für variable Hypotheken.

Seit seiner Einführung ist der Referenzzinssatz noch nie gestiegen. 2008 lag er noch bei 3,5%, danach sank er immer weiter. Seit Juni 2015 galt der Referenzzinssatz von 1,75%. Die nächste Bekanntgabe ist für den 1. Dezember 2017 vorgesehen.

(AWP)