Implenia-CEO: «Kapitalpuffer betrifft uns nur indirekt»

Implenia-CEO Anton Affentranger gibt sich gelassen bezüglich der Auswirkungen des antizyklischen Kapitalpuffers auf die Bautätigkeit. Im Video-Interview sagt er zudem, welche Auslandmärkte erobert werden sollen.
26.02.2013 15:22
Von Frédéric Papp
Implenia-CEO Anton Affentranger im Video-Interview.
Bild: cash

Der Betriebsgewinn 2012 des Baukonzerns Implenia kletterte ein Jahr früher als erwartet auf einen Rekordwert von rund 104 Millionen Franken. Sowohl die Sparte Real Estate (Generalunternehmung, Dienstleistungen und Immobilien) als auch die Bausparte Infra erzielten das beste Resultat ihrer Geschichte, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. In der Folge kann die Implenia-Aktie deutliche Zugewinne verbuchen.

Auch für das Gesamtjahr 2013 gibt sich Implenia zuversichtlich: Mit einem Auftragsbestand von 3,1 Milliarden Franken sei man gut ins laufende Jahr gestartet. Gelassen gibt sich die Konzernspitze bezüglich des vor genau zwei Wochen vom Bundesrat angekündigten antizyklischen Kapitalpuffers.

"Der Kapitalpuffer tangiert uns nur indirekt", sagt Implenia-CEO Anton Affentranger im Video-Interview. Die tiefen Zinsen, der stabile Zustrom von Immigranten und die nach wie vor tiefen Leerstandsquoten bei den Wohnungen würden den Schweizer Baumarkt weiterhin stützen, sagt Affentranger.

Weniger Bauinvestitionen wegen Kapitalpuffer erwartet

Diesen Optimismus teilen aber nicht alle Experten, wie zum Beispiel ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis. Er geht davon aus, dass als Folge des Kapitalpuffers die Dynamik bei den Bauinvestitionen nachlassen wird. "Die direkten Folgen auf das Bruttoinlandprodukt beziffere ich auf 0,1 bis 0,2 Prozent", sagte Frangulidis vor zwei Wochen.

Ab dem 30. September 2013 sind die Banken verpflichtet, zusätzliche anrechenbare Eigenmittel in der Höhe von 1 Prozent ihrer grundpfandgesicherten risikogewichteten Positionen zu halten. Die Aktivierung zielt dabei nur auf Hypothekarkredite für Wohneigentum ab. Andere Kredite, insbesondere solche an Unternehmungen, sind von der Massnahme nicht betroffen.

Expansion in den Mittleren Osten  

Der Zürcher Baukonzern, der primär in der Schweiz tätig ist, will seine Expansionsstrategie vorwärtstreiben, vor allem in Norwegen. Dort hat Implenia im Oktober des letzten Jahres eine zweite Spezialistenfirma übernommen. "Mittelfristig wollen wir in Norwegen zu den Top vier aufsteigen", sagt Affentranger.

Neben Norwegen will Implenia ihre Geschäftstätigkeit auch auf den Mittleren Osten ausdehnen. Im vergangenen Herbst bewarb sich der Konzern für den Bau der U-Bahn in Doha (Katar). Es geht um einen Auftrag über 1,5 Milliarden Dollar. Den Auftrag in der Hauptstadt Katars gehen die Schweizer im Rahmen eines Konsortiums an. Diesen Frühling soll der Vorentscheid für die Endverhandlungen fallen, heisst es aus informierten Kreisen.

 

Im Video-Interview äussert sich Affentranger zum Ausscheiden von Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger aus dem Verwaltungsrat und zur Haftungsfrage rund um das Zürcher Letzigrundstadion.