Indien rechnet nach Bargeldreform mit weniger Wachstum

Nach einer umstrittenen Bargeldreform rechnet die indische Regierung mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Im Budgetjahr 2016-2017, das noch bis März läuft, werde das Wachstum voraussichtlich bei 7,1 Prozent liegen, teilte das Statistikministerium am Freitag in Neu Delhi mit. Im vorangegangenen Budgetjahr hatte das Wachstum noch bei 7,6 Prozent gelegen.
06.01.2017 15:09
Inder drängeln sich vor einer Bank – alle wollen nach der Reform das Geld umtauschen.
Inder drängeln sich vor einer Bank – alle wollen nach der Reform das Geld umtauschen.
Bild: Bloomberg

Viele Experten haben eine noch niedrigere Prognose erwartet, nachdem die indische Führung im November die Abschaffung von mehr als vier Fünftel aller Banknoten beschlossen hatte. Mit dem radikalen Schritt will Regierungschef Narendra Modi Schwarzgeld und Korruption bekämpfen. Das Vorgehen hat aber zu viel Verunsicherung in der Bevölkerung und zu Chaos bei Banken geführt. Viele Inder besitzen kein Bankkonto, auf das sie die ungültig gewordenen Banknoten einzahlen könnten.

Fast alle Analysten und Ratingagenturen sind sich einig, dass der plötzliche Bargeldentzug insbesondere den in Indien sehr grossen informellen Wirtschaftssektor ausbremsen dürfte. Langfristig könnte die Reform allerdings auch positive Effekte haben und die Steuereinnahmen ankurbeln, schreibt die Ratingagentur Moody's.

(AWP)