Indien-Urteil bremst die Novartis-Aktie nicht

Indien verweigert einem Novartis-Medikament den Patentschutz. Was in den Medien für grosse Aufregung sorgte, vermag die Aktie auf dem Weg zu einem neuen Fünf-Jahres-Hoch nicht zu stoppen - zumindest vorläufig.
02.04.2013 15:30
Von Pascal Meisser
Noch kein Lichterlöschen bei Novartis: Die Aktie steigt und steigt.

Das Urteil des Obersten Gerichtshof in Indien vom Ostermontag, dem Krebsmedikament Glivec keine Patentberechtigung anzuerkennen, hatte in den internationalen Medien für grossen Wirbel gesorgt. Ebenfalls für Aufregung sorgt am Dienstag die Kursentwicklung der Novartis-Aktie – allerdings im positiven Sinne. Der Titel klettert am Morgen ein halbes Prozent auf 67,95 Franken, was zugleich der höchste Stand seit über fünf Jahren ist.

Experten überrascht diese Entwicklung nicht. "Der Entscheid von Indien ist keine Überraschung, sondern lediglich eine Bestätigung", sagt Pharmaspezialist Andrew Weiss von der Bank Vontobel zu cash. Zuvor seien schon andere europäische Pharmafirmen auf dem indischen Subkontinent gewissermassen zwangsenteignet worden. So wurde dem deutschen Bayern-Konzern im März ein Patent für das Krebsmittel Nexavar abgesprochen. Auch Novartis-Konkurrent Roche sowie die US-Konzerne Pfizer und Merck sind bislang vor indischen Gerichten gescheitert. 

«Keine kurzfristigen Folgen»

Auch die Analysten der Neuen Helvetischen Bank erwarten nach dem Urteil keine unmittelbaren negativen Folgen für den Aktienkurs des Schweizer Pharmariesen. "Für die Gewinnschätzungen dürfte dies am kurzen Ende keinen signifikanten Einfluss haben", schreiben sie in ihrem morgendlichen Anleger-Wegweiser.

Kurzfristig erwarten die Experten der Neuen Helvetischen Bank keine wesentlichen Auswirkungen – weder auf Novartis noch die Pharmabranche. Langfristig stelle sich indes die Frage, wer für die teure und risikoreiche Entwicklung von Medikamenten aufkomme, wenn aufstrebende Märkte wie Indien nicht daran teilhaben wollten.

Auch Vontobel-Mann Weiss wendet ein: "Man muss damit rechnen, dass auch andere Schwellenmärkte dem Beispiel Indiens folgen." Ähnliche Entwicklungen sieht man bereits in Brasilien, wo Zwangslizenzierungen an lokale Generikahersteller verordnet wurden. In China wurden die Medikamentenpreise in den letzten zwei Jahren zum Teil massiv gesenkt. Der Pharma-Analyst hält – nicht wegen des jüngsten Urteils in Indien – an seinem "Reduce"-Rating für Novartis fest. Das Kursziel: 53 Franken.