«Industrieaktionär bringt Interessenkonflikte»

Sika ist nicht prinzipiell gegen einen Eigentümerwechsel beim Bauchemiekonzern. Wo aber die Probleme einer Übernahme der Kontrollmehrheit durch Saint-Gobain liegen, sagt Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg.
08.12.2014 13:43
Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg.
Bild: cash

Saint-Gobain will der Familie Burkard für 2,75 Milliarden Franken deren Sika-Paket von 16,1 Prozent abkaufen, wie der französische Baustoffhersteller am Montag mitteilte. Saint-Gobain würde angesichts der Kapitalstruktur von Sika damit gleichzeitig die Stimmrechtsmehrheit von 52,4 Prozent erwerben.

Nach der überraschenden Ankündigung des Verkaufs der Kontrollmehrheit durch die Familie Burkard an den Konkurrenten Saint-Gobain wehrt sich der unabhängige Verwaltungsrat und das Management des Spezialchemieherstellers Sika. Das Management und der Verwaltungsrat könnten ihr Mandat nicht adäquat ausführen, sagt Hälg im Video-Interview.

Widerstand des Managements

Die nicht an die Familie Burkard gebundenen Verwaltungsratsmitglieder kündigten an, bei einem Vollzug der Transaktion zurückzutreten. Dazu gehört auch der Präsident des Gremiums. Die Familie als bisheriger Hauptaktionär trage die gleichen strategischen Interessen mit sich wie die Sika-Führung, sagt Hälg. Bei einen industriellen Anteilseigner wie Saint-Gobain wäre dies nicht unbedingt so. Hälg sieht ganz klar einen Interessenskonflikt.

Ein solcher möglicher strategischer Interessenskonflikt werde mit grosser Wahrscheinlichkeit für Saint-Gobain ausfallen. "Wie kann ich in solch einer Konstellation die Interessen von Sika vertreten, wo wir mit den unabhängigen Verwaltungsräten in der Minderheit sind?" fragt der Sika-Präsident.

Der Verwaltungsrat sträubt sich nicht generell gegen einen Verkauf der Sika-Gruppe. Eine mögliche Lösung für den angesprochenen Interessenkonflikt wäre eine 100-Prozent-Übernahme des Bauchemiespezialisten: "Es muss eine klare Situation bestehen und klare Verhältnisse herrschen, damit Stategien und Synergien adäquat umgesetzt werden können", sagt Hälg.

Familie plante Nachfolgelösung

Eine Auszahlung der Familie Burkard sei noch kein Diskussionspunkt gewesen, sagt der Verwaltungsratspräsident weiter. Die Firmenspitze sei selber überrascht worden von den Plänen des Hauptaktionärs, die Anteile zu verkaufen.

Ein Sprecher der Familie Burkard hat den Verkauf inzwischen damit begründet, dass die Familienmitglieder für das Unternehmen beim Grosskonzern Saint-Gobain die bessere Zukunft sehen. Der Verkauf sei eine logische Folge aus dem Generationenwechsel bei der Gründerfamilie. Mit Urs Burkard sei zwar immer noch ein Mitglied der Gründerfamilie im Verwaltungsrat vertreten, sagte der Sprecher der Familie der Nachrichtenagentur sda.

Doch die nächste Generation sei in ihrem Alter und ihren Ansichten sehr unterschiedlich. Eine nachhaltige Nachfolgeplanung sei aber allen wichtig, darum hätten sie sich für den Verkauf entschieden.

Ob er zudem den Werkplatz Schweiz in Gefahr sieht, sagt Sika-Präsident Hälg im Video-Interview ebenfalls.

(cash/AWP/Reuters/SDA)