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Industriegruppe - Kommt nun die Zeit der Sulzer-Aktie?

Der Winterthurer Industriekonzern Sulzer kommt an der Börse in den letzten Jahren nicht so recht vom Fleck. Doch Experten trauen der Aktie einen deutlichen Anstieg zu.
22.11.2017 15:24
Von Ivo Ruch
Sulzer, ein Konzern mit langer Tradition auf globaler Ebene.
Sulzer, ein Konzern mit langer Tradition auf globaler Ebene.
Bild: ZVG

Wer an Sulzer denkt, denkt in erster Linie an die Erdöl- und Erdgasbranche, weniger aber an die Gesundheits- oder die Schönheitsindustrie. Doch genau in diese Richtung hat sich das Unternehmen aus Winterthur entwickelt. Sulzer hat in den vergangenen Monaten mehrere entsprechende Zukäufe getätigt, zuletzt mit Transcodent einen Anbieter von Applikationssystemen für den Dentalmarkt.

An der Börse werden solche Zukäufe immer wieder mit Kursgewinnen für die Sulzer-Aktie honoriert. Doch unter dem Strich kommt der Titel nicht so recht auf Touren: Selbst ein Plus von 13 Prozent in diesem Jahr ist deutlich weniger als der Anstieg des Gesamtmarktes (Swiss Performance Index 2017: plus 20 Prozent). Vom Allzeithoch bei 192 Franken im November 2007 ist die Sulzer-Aktie (aktuell 119 Franken) ein gutes Stück entfernt.

Die Sulzer-Aktie in den letzten zwölf Monaten (Quelle: cash.ch)

Doch der Investment Case ist hier ein langfristiger, sind viele Marktbeobachter überzeugt. Dazu gehört zum Beispiel die Stärkung der Sparte Applicator Systems (APS). Sulzer stellt Systeme her zum Mischen, Dosieren und Auftragen von Klebstoffen oder Verbindungsstoffen für eben jene wachstumsstarken Gesundheits- und Schönheitsbranchen.

Der APS-Umsatz hat sich zwischen dem zweiten Halbjahr 2016 und 2017 praktisch verdoppelt – in erster Linie aufgrund von Übernahmen. Analysten betonen, dass in dieser Division besonders hohes Wachstum und attraktive Margen zu erwarten sind. Am letzten Dienstag musste zwar die Akquisition einer neuseeländischen Firma abgeblasen werden, die Verabreichungssysteme für Tiermedikamente herstellt. Doch Marktbeobachter erwarten in den kommenden Monaten weitere Transaktionen.

Neuer CEO im Fokus

Dass Transaktionen erfolgreich ablaufen und sich für die involvierten Unternehmen auch lohnen, dazu braucht es einiges an Management-Geschick. Dem CEO, Grégoire Poux-Guillaume, der Sulzer seit Dezember 2015 führt, wird das gemeinhin zugetraut. Er habe wertvolle Erfahrung in den Konzern gebracht, schrieb die Privatbank Lombard Odier kürzlich in einem Investmentkommentar.

Lombard Odier fügt zudem an, dass das eingeleitete Sparprogramm 200 Millionen Franken freisetzen werde, was 2018 voll sichtbar werde. Dieses Geld wiederum dürfte die Einkaufskraft stärken und Wachstumspotenzial für die Zukunft schaffen. Die Privatbank traut der Sulzer-Aktie einen Anstieg bis auf 140 Franken zu.

Rohstoffe bleiben zentral

Trotz der neu geschaffenen Division APS ist die Öl- und Gasindustrie für Sulzer nach wie vor wichtig. 44 Prozent beträgt der Anteil dieses Marktsegments am Gesamtumsatz. Doch der Rohstoffsektor befand sich über weite Strecken des letzten Jahres im Abschwung. Erst kürzlich haben die Ölpreise wieder deutlich zugelegt und sind gar auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren geklettert.

Die Bank Vontobel glaubt, Sulzer sei gut positioniert, von dieser Erholung zu profitieren. Die jüngste Belebung im Aktienkurs ereignete sich denn auch, nachdem Sulzer den Ausblick für den Bestellungseingang angehoben hatte. Wird wieder mehr Geld in die Rohstoffförderung investiert, treibt das auch die Nachfrage nach Sulzer-Produkten. Auch Vontobel hat ein Kursziel von 140 Franken ausstehend. In der jüngeren Vergangenheit hat sich aber auch gezeigt, dass es wenig braucht, um die Preise für Rohöl wieder deutlich sinken zu lassen.

Ein weiteres Risiko für Sulzer-Anleger ist der Grossaktionär Viktor Vekselberg. Der russische Milliardär besitzt noch rund 60 Prozent der Aktien, nachdem er sich eben erst von einer Million Aktien getrennt hat. Sein Ausstieg steht zwar nicht bevor. Ein Klumpenrisiko ist ein solcher Grossaktionär aber allemal.