IndustriekonzernABB-Aktie nach Zahlen unter Druck

ABB kommt nicht auf Touren. Höhere Rohstoffpreise und Überkapazitäten in der Branche drückten den operativen Gewinn im zweiten Quartal 2017. Die Aktie verliert fast 3 Prozent.
20.07.2017 09:08
Historisches Gebäude beim ABB-Hauptsitz in Oerlikon ZH.
Historisches Gebäude beim ABB-Hauptsitz in Oerlikon ZH.
Bild: cash

Der Auftragseingang blieb gegenüber dem Vorjahresquartal unverändert bei 8,35 Milliarden Dollar, bereinigt um Währungs- und Konsolidierungseinflüsse ergab sich ein Plus auf vergleichbarer Basis (lfl) von 3%. Die beträchtlichen Zuwächse in den Divisionen Robotik und Antriebe sowie Industrieautomation hätten den Rückgang in den Divisionen Elektrifizierungsprodukte und Stromnetze mehr als ausgeglichen, teilt ABB am Donnerstag mit. Die Basisaufträge erhöhten sich dabei auf vergleichbarer Basis um 3%, während die volatileren Grossaufträge um 5% über dem Vorjahresniveau lagen.

Kurz nach Handelsstart an der Schweizer Börse steht die ABB-Aktie mit knapp 3 Prozent im Minus bei 23,22 Franken. Das ist der tiefste Stand seit fast einem Monat.

Das Book-to-Bill-Verhältnis ging im Vergleich zum ersten Quartal 2017 auf 0,99 (Q1: 1,07) zurück. Der Umsatz nahm gleichzeitig um 3% auf 8,45 Milliarden ab (lfl +1%).

"Im zweiten Quartal haben wir konsequent unseren Wachstumskurs fortgesetzt. Dank unserer fokussierten Massnahmen haben wir den Auftragseingang in allen Regionen gesteigert", lässt sich CEO Ulrich Spiesshofer in der Mitteilung zitieren. Das Digitalangebot ABB Ability werde zudem im Markt "hervorragend" aufgenommen und erweise sich als vielversprechender Wachstumstreiber.

Der operative EBITA ging um 7% auf 1'042 Millionen Dollar zurück, während sich auf vergleichbarer Basis ein Minus von 5% ergab. Die entsprechende Marge reduzierte sich um 50 Basispunkte auf 12,4%. Der Wert sei durch gestiegene Rohstoffpreise und Überkapazitäten in einigen Geschäften beeinflusst worden, was von den positiven Nettoeinsparungen nicht habe kompensiert werden können.

Der Reingewinn legte dagegen kräftig um 29% auf 525 Millionen Dollar zu. Allerdings war das Vorjahr von Restrukturierungskosten und restrukturierungsnahen Aufwendungen in der Höhe von 367 Millionen belastet.

Analystenerwartungen mehrheitlich verfehlt

Damit hat ABB die Erwartungen der Analysten ausser mit dem Auftragseingang verfehlt. Der AWP-Konsens für den Auftragseingang lag bei 8,25 Milliarden, für den Umsatz bei 8,54 Milliarden, für den EBITA bei 1'103 Millionen und für den Reingewinn bei 597 Millionen Dollar.

Mit Blick nach vorne bleibt ABB weiter vorsichtig. Makroökonomische und geopolitische Entwicklungen würden ein durchwachsenes Szenario mit anhaltenden Unsicherheiten signalisieren, wiederholt die Gruppe frühere Aussagen. In den USA werden weiterhin einige positive makroökonomische Signale geortet und für China wird fortgesetztes Wachstum erwartet. Allerdings würden die globalen Märkte durch das verhaltene Wachstum und erhöhte Unsicherheiten, zum Beispiel durch den Brexit in Europa und geopolitische Spannungen in verschiedenen Teilen der Welt, weiter belastet.

Der Ölpreis und Effekte aus der Währungsumrechnung werden das Unternehmensergebnis voraussichtlich weiterhin beeinflussen, so die Mitteilung weiter. Angesichts dieser Entwicklungen und der laufenden Transformation bekräftigt die ABB-Führung, dass 2017 für den Konzern ein Übergangsjahr wird.

(cash/AWP/Reuters)