Industriekonzern - ABB-Chef Spiesshofer kann etwas aufatmen

ABB blickt auf ein solides erstes Quartal zurück. Analysten sind positiv überrascht, stolpern beim Zahlenkranz aber auch über gewisse Schwachstellen. Dennoch erholt sich die Aktie kräftig.
19.04.2018 13:12
Von Lorenz Burkhalter
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer kann auf ein solides erstes Quartal zurückblicken.
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer kann auf ein solides erstes Quartal zurückblicken.
Bild: cash

Das könnte die Gemüter im Grossaktionariat von ABB etwas beruhigen: Der schweizerisch-schwedische Industriekonzern übertrifft zwischen Januar und März selbst die optimistischsten Analystenerwartungen. Die befürchtete Ergebnisenttäuschung bleibt aus.  

Und auch CEO Ulrich Spiesshofer dürfte etwas aufatmen. Angesichts der seit vier Jahren stagnierenden Umsätze und des schleppenden ABB-Aktienkurses steht er unter Druck der Aktionäre, bessere Zahlen zu liefern.

Beim Auftragseingang, Umsatz und operativen Gewinn (EBITA) wuchs das Unternehmen im ersten Quartal sogar prozentual zweistellig. Einzig der Reingewinn fällt insgesamt etwas tiefer als erwartet aus.

An der Schweizer Börse SIX kommt die ABB-Aktie in den Genuss einer kräftigen Kurserholung. Zur Stunde gewinnt sie noch 4,7 Prozent auf 23,62 Franken. Die Tageshöchstkurse liegen gar bei 23,81 Franken.

Auftragslage hellt sich endlich auf

Analysten begrüssen die im ersten Quartal beobachtete Wachstumsbelebung. Mit einem organischen Umsatzwachstum von 1 Prozent gebe es allerdings noch keinen Grund, um gleich in Euphorie zu verfallen, so der Tenor.

Gut kommt hingegen die deutlich bessere Auftragslage an. Mit einem organisch um 6 Prozent höheren Auftragseingang stellt das Unternehmen die bei 3,5 Prozent liegenden Erwartungen in den Schatten. Dazu trugen insbesondere die beiden Divisionen Industrial Automation und Robotics & Motion bei.

Während die Divisionen Power Grids, Electrification Products und Robotics & Motion stärker als erwartet zum operativen Gruppengewinn (EBIT) beitrugen, blieb der Gewinnbeitrag aus der Division Industrial Automation etwas dahinter zurück.

Robotics & Motion der eigentliche Lichtblick

In einem Kommentar aus dem Hause Baader-Helvea ist von einem "soliden Start" ins neue Geschäftsjahr die Rede. Der Autor führt den höher als erwartet ausgefallenen operativen Gewinn auf eine starke Nachfrage aus Asien und dem Mittleren Osten zurück. Das gilt insbesondere für die Division Robotics & Motion. Doch auch auf Gruppenebene seien der Umsatz und die Margen im Jahresvergleich gesteigert worden, so heisst es weiter. Die ABB-Aktie wird bei Baader-Helvea mit "Hold" und einem Kursziel von 24 Franken eingestuft.

Auch für die Bank Vontobel ist der Ergebnisbeitrag seitens von Robotics & Motion der eigentliche Lichtblick im ersten Quartal. Allerdings lässt man bei der Zürcher Bank durchblicken, dass ABB noch immer auf Grossaufträge warte. Solche seien notwendig, wolle das Unternehmen eine Wachstumsbeschleunigung sowie Margenverbesserungen erzielen. Das Anlageurteil lautet wie bis anhin "Hold" und das Kursziel 25,50 Franken.

Wo Licht, da ist auch Schatten

Der Zürcher Kantonalbank zufolge liegt die Geschäftsentwicklung nach drei Monaten in grossen Teilen über den Erwartungen. Dies jedoch vor allem dank positiven Währungseinflüssen, welche die Zuwachsratenoptisch als dynamisch darstellen. Der verantwortliche Analyst geht in der zweiten Jahreshälfte von mehr Dynamik aus. Gefallen findet er unter anderem am etwas positiveren Ausblick. Die ABB-Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank mit "Markgewichten" eingestuft.

Neben den erwähnten Währungseinflüssen stolpern Experten beim vorliegenden Zahlenkranz über weitere Schwachstellen. So zeigt man sich bei Baader-Helvea in etwa enttäuscht von der operativen Barmittelgenerierung. Bei anderen Banken wird hingegen darauf verwiesen, dass die Konsensschätzungen im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung teilweise deutlich nach unten genommen worden seien.