Industriekonzern - ABB übertrifft Umsatz- und Gewinnerwartungen

ABB hat im ersten Quartal 2017 erneut einen Rückgang beim Auftragseingang verzeichnet, vor allem wegen ausgebliebener Grossaufträge. Die Erwartungen bei Umsatz- und Gewinn wurden jedoch übertroffen.
20.04.2017 07:11
ABB hat heute die Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt.
ABB hat heute die Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt.
Bild: Bloomberg

Der Umsatz ging in der Berichtswährung ebenfalls leicht zurück, nahm aber auf vergleichbarer Basis etwas zu. Der Reingewinn wurde von der Veräusserung des Hochspannungskabelgeschäfts positiv beeinflusst.

Der Auftragseingang reduzierte sich um 9% auf 8,40 Mrd USD. Bereinigt um Währungs- und Konsolidierungseinflüsse ergab sich noch ein Minus auf vergleichbarer Basis von 3%. Dies ist insbesondere auf die rückläufigen Grossaufträge in den Divisionen Industrieautomation und Stromnetze zurückzuführen, wie ABB am Donnerstag mitteilt. Die Basisaufträge reduzierten sich in US-Dollar um 1%, legten dagegen auf vergleichbarer Basis um 2% zu.

Das Book-to-Bill-Verhältnis ging auf 1,07x von 1,17x im Vorjahresquartal zurück. Der Umsatz reduzierte sich gleichzeitig um 1% auf 7,85 Mrd (vergleichbar +3%). Mit Blick auf die vergleichbare Basis betont ABB, dass der Umsatz nun das zweite Quartal in Folge gestiegen sei.

Anzeichen von Stabilisierung

"Wir sehen erste Anzeichen einer Marktstabilisierung in Teilen der Prozessindustrie und auch einige Wachstumssignale in frühzyklischen Geschäften", lässt sich CEO Ulrich Spiesshofer in der Mitteilung zitieren. "Der geringere Auftragseingang in der Division Stromnetze erklärt sich durch ein Grossprojekt in China, das im ersten Quartal 2016 gebucht worden ist. Insgesamt bleibt die Nachfragesituation in China positiv", so der CEO weiter.

Mit Blick auf die drei Hauptkundensegmente heisst es, dass Versorgungsunternehmen erneut Investitionen zur Modernisierung alternder Energieinfrastruktur und zur Netzintegration von erneuerbaren Energien vorgenommen hätten. In der Industrie seien die Investitionen in Robotik und in Leichtindustrien wie der Automobil-, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie positiv geblieben, während die Nachfrage in der Prozessindustrie, vor allem im Öl- und Gassektor, weiter gedämpft gewesen sei. Der Transport- und Infrastrukturmarkt habe ein uneinheitliches Bild geboten, mit einer starken Nachfrage in der Gebäudeautomationstechnik und im Schienenverkehr sowie einer schwachen im Bereich Marine mit Ausnahme der Kreuzfahrtschiffe.

Der operative EBITA ging um 1% auf 943 Mio USD zurück, während sich auf vergleichbarer Basis ein Plus von 2% ergab. Die entsprechende Marge blieb bei 12,1% stabil. Berücksichtigt um die im letzten Jahr kommunizierte Berichtigung von versicherungstechnischen Rückstellungen, habe sich auch die operative Performance weiter verbessert, heisst es dazu.

Gewinn profitiert von Devestition

Der Reingewinn schliesslich kletterte um 45% auf 724 Mio USD in die Höhe. In diesem Anstieg sind Effekte aus dem Veräusserungsgewinn des Hochspannungskabelgeschäfts und aus Belastungen zur Anpassung von Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit zurückbehaltenen Verpflichtungen dieses Geschäfts enthalten. Akquisitionsbezogene Aufwendungen und bestimmte nicht-operative Posten haben den Konzerngewinn nachteilig beeinflusst, während zeitliche Differenzen in Bezug auf Wechselkurse und Rohstoffe einen positiven Effekt hatten.

Damit hat ABB die Erwartungen der Analysten mit dem Auftragseingang verpasst, mit dem Umsatz und den Gewinnziffern dagegen übertroffen.

Eine konkrete Prognose für das Geschäftsjahr 2017 gibt es nicht. Im kurzfristigen Ausblick wird wie üblich auf die anhaltenden Unsicherheiten oder die geopolitischen Spannungen verwiesen. Einige makroökonomische Signale in den USA seien weiter positiv und in China dürfte sich das Wachstum fortsetzen, heisst es. Der Ölpreis und Effekte aus der Währungsumrechnung dürften das Unternehmensergebnis voraussichtlich weiterhin beeinflussen. ABB bestätigt, dass 2017 für den Konzern ein Übergangsjahr wird.

Untersuchung zu Südkorea schreitet gut voran

Bezüglich der im Februar bekannt gemachten kriminellen Handlungen in der Niederlassung in Südkorea schreibt ABB, dass die Untersuchung gut voranschreite. Der Konzern arbeite sowohl mit der örtlichen Polizei als auch mit Interpol zusammen. ABB habe die Kontostände der weltweiten Bankverbindungen überprüft und könne bestätigen, dass sich die Unregelmässigkeiten auf Südkorea beschränken. Disziplinarmassnahmen seien eingeleitet und würden in gegebenem Umfang fortgesetzt, so die Mitteilung weiter.

In diesem Zusammenhang fällt die Verdoppelung des Cashflows aus Geschäftstätigkeit auf 509 Mio USD auf. Dies spiegle den Aufschub von Bonuszahlungen aufgrund der Vorfälle in Südkorea, so ABB.

(AWP)