Industriekonzern aus Winterthur - Sulzer mit Gewinnrückgang - Aktie dennoch gesucht

Sulzer erleidet 2016 überraschend einen Gewinnrückgang. Operativ ist der Industriekonzern jedoch gut unterwegs, wie Analysten finden. Die zuvor schwächelnde Aktie steigt kräftig.
01.03.2017 12:50
Von Lorenz Burkhalter
Sulzer erleidet 2016 nicht nur einen Umsatz-, sondern auch einen Gewinnrückgang.
Sulzer erleidet 2016 nicht nur einen Umsatz-, sondern auch einen Gewinnrückgang.
Bild: ZVG

Auf den ersten Blick ist das von Sulzer vorgelegte Jahresergebnis kein Ruhmesblatt. Der traditionsreiche Industriekonzern aus Winterthur verfehlt die Markterwartungen sowohl beim operativen Gewinn (EBIT) als auch beim Reingewinn ziemlich deutlich.

Experten und Investoren messen dem geringer als befürchtet ausgefallenen Umsatzrückgang und dem vergleichsweise soliden operativen EBITA allerdings ein grösseres Gewicht bei. Auch dem auf den ersten Blick eher vorsichtigen Ausblick für das laufende Jahr gewinnen sie positive Aspekte ab.

Trotz der gemischten Zahlenkranzes gewinnt die in den letzten Tagen eher schwächliche Sulzer-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde noch 4 Prozent auf 108,60 Franken. Beobachter berichten von aggressiven Anlage- und Deckungskäufen, welche die Kursnotierungen im frühen Handel vorübergehend auf 111,70 Franken klettern liessen.

Wie die Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar schreibt, verfehlt der vorliegende Zahlenkranz die Konsenserwartungen sowohl beim EBIT als auch bei der EBIT-Marge deutlich. Dem Autor zufolge fielen insbesondere die Verwaltungs- und Vertriebskosten etwas höher aus. Die Differenz zwischen dem effektiven und dem erwarteten Reingewinn erklärt sich der Experte hingegen mit einem schwächeren Finanzergebnis und einer deutlich höheren Steuerbelastung. Er empfiehlt die Aktie wie bis anhin mit "Untergewichten" zum Verkauf.

Um Sonderfaktoren belastet gut unterwegs 

Versöhnlichere Töne schlägt der für die UBS Investmentbank tätige Analyst an. Seines Erachtens fiel der organische Rückgang weder beim Umsatz, noch beim Bestellungseingang ganz so heftig aus wie von ihm erwartet. Dasselbe gilt für die um Sonderfaktoren bereinigte operative Marge (EBITA).

Allerdings räumt der Experte ein, dass der Zahlenkranz auf Stufe des operativen Gewinns (EBIT) um 11 Prozent und beim Reingewinn sogar um 33 Prozent unter den jeweiligen Markterwartungen liegt. Er stuft die Aktie deshalb weiterhin mit "Neutral" und einem Kursziel von 110 Franken ein.

Auch sein Berufskollege von der Bank Vontobel bezeichnet das Jahresergebnis als solide. Dank Fortschritten auf der Kostenseite sei es Sulzer möglich gewesen, dem herausfordernden Branchenumfeld zu trotzen und Druck auf die Preise aufzufangen, so schreibt er. Bei der Zürcher Traditionsbank wir mit einem weiterhin schwierigen und von anhaltendem Preisdruck geprägten Umfeld gerechnet, weshalb die Aktie nur mit "Hold" und einem Kursziel von 95 Franken eingestuft wird.

Ausblick wird mehrheitlich als erfreulich empfunden

Der für Baader Helvea tätige Analyst findet sogar Gefallen an der auf bereinigter Basis besseren operativen Marge. Er führt diese einerseits auf eine gute Geschäftsumsetzung an andererseits auf kostenseitige Fortschritte zurück. Den deutlichen Gewinnrückgang führt er ebenfalls auf eine höhere Steuerbelastung und ein negatives Finanzergebnis zurück.

Während der ZKB-Experte den von Sulzer für 2017 abgegebenen Ausblick als eher ernüchternd bezeichnet, schreibt sein Kollege von Baader Helvea, dass dieser über den Markterwartungen liege. Er empfiehlt die Aktie deshalb unverändert mit einem Kursziel von 120 Franken zum Kauf. Die UBS Investmentbank schreibt hingegen von einem "zumindest im Rahmen der Erwartungen liegenden Ausblick". Julius Bär erwägt gar eine Heraufstufung der bisweilen mit "Hold" und einem Kursziel von 97 Franken eingestuften Aktie.