Industriekonzern - Georg-Fischer-Aktionäre lehnen Vergütungsbericht ab

Die Aktionäre von Georg Fischer stellen sich gegen das Modell zur Entlöhnung des Managements. Sie lehnten an der Generalversammlung vom Mittwoch in einer konsultativen Abstimmung den Vergütungsbericht ab.
20.04.2017 06:50
Die Teppichetage von Georg Fischer muss über die Bücher.
Die Teppichetage von Georg Fischer muss über die Bücher.
Bild: ZVG

Damit folgten sie den Empfehlungen zweier angelsächsischer Stimmrechtsberater, die das Vergütungsmodell im Vorfeld der GV kritisiert hatten, wie Georg Fischer (GF) am Mittwochabend mitteilte. GF werde erneut das Gespräch mit grösseren Aktionären und den Stimmrechtsberatern aufnehmen, um ein Vergütungsmodell zu präsentieren, welches breite Akzeptanz finde, schrieb der Konzern.

Die maximal möglichen Gesamtbeträge für die Vergütung von Verwaltungsrat und Konzernleitung hingegen hiessen die GF-Eigner wie bereits im Vorjahr gut. Auch allen anderen Anträgen wie der Ausschüttung einer um 2 Franken erhöhten Dividende von 20 Franken pro Aktie stimmten sie zu.

Konzernchef Yves Serra erhielt für 2016 gemäss Vergütungsbericht einen Lohn von knapp 3 Millionen Franken. Für die Entlöhnung der gesamten Konzernleitung bezahlte GF 8,3 Millionen Franken. An Verwaltungsratspräsident Andreas Koopmann gingen 543'000 Franken, an den gesamten Verwaltungsrat 2,5 Millionen Franken.

Boni-System unzureichend

2015 hatte das Vergütungskomitee von GF ein neues Bonisystem genehmigt. Ein Aktionärsvertreter empfahl daraufhin, den Vergütungsbericht 2015 abzulehnen, wie im Geschäftsbericht 2016 festgehalten ist. Er argumentierte, dass die Ziele für die neu eingeführte Leistungskennzahl Gewinn je Aktie keine ausreichende Herausforderung darstelle. Mit dieser Kennzahl sollte die Zuteilung der leistungsabhängigen Aktien bestimmt werden.

Der Verwaltungsrat hingegen zeigte sich im Jahresbericht überzeugt davon, dass das Modell mit leistungsabhängigen Aktien von GF für einen klaren Zusammenhang zwischen dem Bonus und den Aktionärsinteressen sorge und dabei die Unternehmenssituation bestmöglich berücksichtige.

Die Unmutsbekundungen über die Managementlöhne haben jüngst zugenommen. So hatten etwa jüngst 38 Prozent der ABB-Aktionäre gegen die Vergütung für die Geschäftsleitung votiert. Unter Druck von Stimmrechtsberatern und Aktionären ist insbesondere auch die Credit Suisse geraten. Sie verkündete deshalb jüngst eine Boni-Reduktion um 40 Prozent - für die Aktionärsberater allerdings noch immer zu wenig. Die Generalversammlung findet am 28. April statt.

(SDA)