Industriekonzern im Übergangsjahr - ABB enttäuscht nicht - Aktie gefragt

Allen Unkenrufen zum Trotz wartet ABB mit einem soliden Zahlenkranz auf. Obwohl die Analystenreaktionen sehr unterschiedlich ausfallen, legt die arg vernachlässigte Aktie zu.
20.04.2017 11:53
Von Lorenz Burkhalter
Die unter ABB-Chef Ulrich Spiesshofer eingeleiteten Massnahmen scheinen zu greifen.
Die unter ABB-Chef Ulrich Spiesshofer eingeleiteten Massnahmen scheinen zu greifen.
Bild: cash

Bei ABB erweist sich die Angst vor einer weiteren Ergebnisenttäuschung rückblickend als übertrieben. Das vom Industriekonzern aus Zürich am Donnerstag früh veröffentlichte Quartalsergebnis übertrifft die Analystenerwartungen nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim operativen Gewinn (EBITA) sowie beim Reingewinn.

Einzig beim Auftragseingang weiss der Zahlenkranz nicht so recht zu überzeugen. Darüber sehen die Anleger allerdings grosszügig hinweg, konnte das Unternehmen den Umsatz doch aus eigener Kraft um 3 Prozent steigern und die bei gerademal 0,3 Prozent liegenden Erwartungen klar übertreffen.

An der Schweizer Börse SIX erholt sich die ABB-Aktie zur Stunde noch um 1,6 Prozent auf 22,64 Franken. Die Tageshöchstkurse für den seit Mittwoch ex Dividende gehandelten Titel liegen gar bei 22,73 Franken.

Wie einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank zu entnehmen ist, liegt der Umsatz insgesamt etwas über den Erwartungen. Der Autor macht insbesondere den Geschäftszweig Robotics & Motion für das starke organische Umsatzwachstum von 3 Prozent verantwortlich. Enttäuscht zeigt er sich allerdings vom gleichzeitigen Margenrückgang in diesem zukunftsträchtigen Bereich. Wie der Experte weiter schreibt, liegt das bereinigte Quartalsergebnis auf Konzernebene insgesamt im Rahmen der Erwartungen.

Ähnlich äussert sich der für die Deutsche Bank tätige Analyst. Er sieht die bankeigenen Erwartungen zumindest erfüllt. Einzig beim Auftragseingang werden diese leicht verfehlt.

Einmalige Veräusserungsgewinne helfen

Wie er weiter schreibt, seien dem Unternehmen bei der EBITA-Marge trotz höheren Verwaltungskosten leichte Fortschritte gelungen. Doch auch dem ungewöhnlich hohen operativen Cash Flow gewinnt der Experte Positives ab. Dennoch hält sowohl an der "Hold" lautenden Anlageempfehlung als auch am Kursziel von 23 Franken für die Aktie fest.

Etwas vorsichtiger fällt das Urteil bei der UBS Investmentbank aus. Wie diese in einem Kommentar durchblicken lässt, wurde das Resultat auf Stufe operativer EBITA und Reingewinn durch einen einmaligen Veräusserungsgewinn künstlich aufgebläht. Bei der Schweizer Grossbank macht man nach den ersten drei Monaten zwar erste Anhaltspunkte für eine Stabilisierung aus, rechnet auf das gesamte 2017 betrachtet jedoch mit einem weiteren Übergangsjahr für das Unternehmen. Erst vergangene Woche stufte der Analyst der UBS Investmentbank die Aktie von ABB deshalb von "Neutral" auf "Sell" herunter. Das 12-Monats-Kursziel wird weiterhin mit 21 Franken angegeben.

Konsenserwartungen dürften steigen

Versöhnliche Worte findet sein Berufskollege bei der Bank Vontobel. Seines Erachtens schlägt sich ABB operativ sehr gut. Allerdings habe das Unternehmen gleich an mehreren Fronten mit Problemen zu kämpfen, so schreibt er weiter. In Erwartung einer weiteren Konjunkturverbesserung und in Anbetracht der tiefen Kostenbasis verspricht sich der Analyst über die Zeit eine höhere Rentabilität. Obwohl er seine Schätzungen auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes erhöhen will, stuft er die ABB-Aktie vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 22,50 Franken ein.

Mit steigenden Konsenserwartungen rechnet der für die britische Investmentbank Liberum tätige Analyst. Er weist darauf hin, dass das erste Quartal gerade im Stromübertragungsgeschäft als schwächste des ganzen Jahres ist und die Dinge in diesem Geschäftszweig ab jetzt sogar noch besser werden sollten. Deshalb empfiehlt er die Aktie unverändert mit einem Kursziel von 25 Franken zum Kauf.

Auch sein Berufskollege bei Morgan Stanley hält die diesjährigen Konsensschätzungen für zu tief. Dass sich von diesen nur eine gehaltene operative Gewinnentwicklung ableiten lässt, überrascht ihn sichlich. Nach dem soliden ersten Quartal sieht der Experte diesbezüglich nun aber Raum für Aufwärtsrevisionen im tiefen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.

Der für Kepler Cheuvreux tätige Analyst rechnet nicht nur mit steigenden Konsensschätzungen für das laufende Jahr, er sieht auch die Zuversicht in die Markterwartungen für 2018 zunehmen. Vorerst hält er jedoch sowohl am "Hold" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 23 Franken fest.