Inflation - «Amazon-Effekt» bereitet Japans Notenbank Kopfzerbrechen

Im Kampf gegen die unerwünscht niedrige Inflation in Japan macht die von Amazon und anderen Onlinehändlern angeheizte Preisschlacht der Notenbank das Leben schwer.
19.06.2018 20:05
Nachtleben im Tokioter Stadtteil Shinjuku.
Nachtleben im Tokioter Stadtteil Shinjuku.
Bild: cash

Dieser Effekt sorge dafür, dass die ohne frische Lebensmittel und Energie berechnete Inflationsrate um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte gedrückt werde, teilte die Bank of Japan (BoJ) in einer am Montag veröffentlichten Studie mit. Diese sogenannte Kerninflation war sehr zum Missfallen der Notenbankökonomen im April auf 0,7 Prozent gesunken. Sie ist damit weit entfernt vom Inflationsziel der BoJ von zwei Prozent. Die Währungshüter versuchen seit Jahren, dieser Marke mit Wertpapierkäufen in großem Stil näher zu kommen.

Eine Spirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und stockenden Investitionen hatte das Land in Fernost lange Zeit gelähmt. Die Japaner schoben Käufe in der Hoffnung auf immer niedrigere Preise auf. Die Notenbank will mit ihren Geldspritzen verhindern, dass sich dieses Verhaltensmuster verfestigt. Notenbankchef Haruhiko Kuroda sprach jüngst von einem "Amazon-Effekt" und machte diesen mit dafür verantwortlich, dass in Industriestaaten ein eher gedämpfter Preisdruck vorherrsche.

Sinkende Inflation

Experten gehen davon aus, dass die Zentralbank in Tokio eine Absenkung ihrer Inflationsprognose für die Juli-Sitzung vorbereitet: "Der Einfluss des Online-Shoppings dürfte das nächste Gesprächsthema für die BoJ werden. Doch auf mich wirkt das eher wie eine Ausrede", sagt Ökonom Hiroshi Miyazaki vom Finanzhaus Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Auch dieser Ansatz könne nicht erklären, warum die Preise in Japan langsamer steigen als in anderen Industrieländern.

Die Notenbank verweist darauf, dass der weltgrößte Onlinehändler Amazon die Zahl seiner Versandzentren in Japan in den vergangenen zehn Jahren kräftig aufgestockt hat. Dadurch würden Lieferstrecken verkürzt und Kosten tendenziell verringert. Im Vergleich zum stationären Handel könne der US-Gigant aus Seattle auch deshalb mit niedrigeren Preisen punkten, da keine Kosten für ein Ladennetz anfielen. Viele Händler sehen sich laut BoJ möglicherweise gezwungen, ihre Preise angesichts der Online-Konkurrenz zu senken.

Auch in anderen Währungsräumen - wie den USA und der Euro-Zone - sind die Inflationsraten in den vergangenen Jahren für einen Aufschwung relativ niedrig ausgefallen. Die frühere US-Notenbankchefin Janet Yellen nannte es sogar ein "Rätsel", warum die Preise trotz brummender Wirtschaft nicht kräftiger anzogen.. Da Digitalisierung und Globalisierung die Preise dauerhaft drücken, raten manche Experten dazu, künftig niedrigere Teuerungsraten zu akzeptieren.

(Reuters)