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Informatiksysteme - Können Anleger der Also-Aktie noch trauen?

Die Aktie des IT-Ausrüsters Also Holding steigt seit rund zwei Jahren deutlich. Für den Erfolg in einem schwierigen Markt gibt es spezifische Gründe. Und damit stellt sich die Frage nach der künftigen Kursentwicklung.
26.06.2017 15:35
Von Marc Forster
Bei Also hat sich Grossaktionär Schilder fast ganz zurückgezogen.
Bei Also hat sich Grossaktionär Schilder fast ganz zurückgezogen.
Bild: iNg

Wer vor zwei Jahren in Also-Aktien investiert hat, konnte sich in der Zwischenzeit über einen Gewinnzuwachs von 120 Prozent freuen. Die Aktie kennt seit längerem fast nur noch die Richtung nach oben. Richtig Schub bekommen hat der Kurs des IT-Ausrüsters im November: Allein in den vergangenen acht Monaten stieg der Wert um fast die Hälfte. Bei aktuell 126,40 Franken bewegt sich die Aktie auf einen Stand zu, der zuletzt vor der Dotcom-Krise im Jahr 2000 verzeichnet wurde. Damals war die Also-Aktie 138,9 Franken wert.

Kurs der Also-Aktie innerhalb der vergangenen 24 Monate (Grafik: cash.ch)

Das Innerschweizer Unternehmen rüstet Kunden mit Grosssystemen aus der Informationstechnologie, der Unterhaltungseletronik und der Telekommunikation aus. Das heisst, Also liefert beispielsweise Desktop-Computer, Smartphones oder Drucker aus. Ein Bereich, in dem Unternehmen relativ schnell den Sparstift ansetzen und Investitionen hinausschieben. Zudem eine Branche, in dem die Kunden rasch den Anbieter wechseln. Das grösste Problem für Also ist aber, dass sich mit diesem Geschäft nur wenig Marge erwirtschaften lässt.

Operative Steigerung

Weswegen dann dieser Kursanstieg? Die Investoren honorierten in den vergangenen Monaten noch verstärkt, dass das Also-Management die Bemühungen intensiver auf das margenträchtigere Dienstleistungsgeschäft ausrichtet und ein besonderes Augenmerk auf die lukrativen Cloud-Services legt. Bei 3D-Druckern baut Also ebenfalls aus. Die Sparte Supply, also das traditionelle Ausrüstergeschäft, machte Ende des vergangenen Jahres zwar noch 78 Prozent des Umsatzes aus. Künftig soll der Anteil an den Verkäufen aber nur noch 60 bis 75 Prozent des Umsatzes betragen.

Also gelingt es, sich operativ zu steigern. Im Jahresergebnis, das gegen Ende Februar vorgestellt worden war, erhöhten sich sowohl Umsatz, Betriebs- und Reingewinn. Das Vertrauen der Investoren festigte sich durch die Erhöhung des Margenziels auf dem EBITDA (operativer Gewinn vor Zinsen, Steuern, Wertminderungen und Abschreibungen) von 1,8 auf 2,5 Prozent.

Ausserdem wurde die Dividende von 1,90 auf 2,25 Franken erhöht. Dies macht Also mit einer Rendite auf der Ausschüttung von 1,8 Prozent noch nicht zur Dividendenperle. Schon schätzt der Markt aber, dass Also den Aktionären nächstes Jahr 2,40 Franken ausrichten wird.

Positive Einschätzungen

Die beiden Schweizer Finanzdienstleister, die Also beurteilen, sind weiter optimistisch für die Firma. Das unabhängige Analyseunternehmen Research Partners setzt das Kursziel bei 150 Franken fest und gibt eine Kauf-Empfehlung heraus. Auch die Bank Vontobel rät zum Kauf und erwartet gar eine Kursbewegung bis 155 Franken. Erst diesen Monat haben sich die Hersteller Microsoft und Hewlett Packard positiv über die Vertriebsaktivitäten von Also gezeigt; Laut der Bank Vontobel ist dies umso bemerkenswerter, als dass Also nur in Europa agiert, währenddessen die grösseren Konkurrenten Ingram Micro und Tech Data weltweit tätig sind.

Der Konjunkturaufschwung in Europa nützt Also ebenfalls, auch wenn der immer noch hohe Anteil des traditionellen Distributionsgeschäfts den Zykliker nach wie vor verwundbar macht. Solange Also die Rebalancierung des Portefeuilles überzeugend weitertreibt, steht dem Kursanstieg in nächster Zeit aber nichts im Wege. Stützend wirkt neben der operativen Weiterentwicklung nicht zuletzt die Vergrösserung des Free Floats, nachdem sich der frühere Besitzer, die Schindler Holding, fast ganz aus dem Aktionariat zurückgezogen hat. Schliesslich ist Also mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 nicht übermässig hoch bewertet.