Investieren in Europa - Diese Europa-Aktien sind für Anleger spannend

US-Aktien sind teuer, deshalb wenden sich viele Anleger Europa zu. Gute Einstiegsmöglichkeiten bieten sich etwa im spanischen oder italienischen Aktienmarkt. cash stellt einige besonders aussichtsreiche Titel vor.
24.04.2017 23:03
Von Pascal Züger
Das berühmte Madrider Geschäftshaus Edificio Metrópolis enthält auch Büros der Banco Santander.
Das berühmte Madrider Geschäftshaus Edificio Metrópolis enthält auch Büros der Banco Santander.
Bild: Pixabay

Europas Aktien sind in diesem Jahr bis anhin flott unterwegs. Der Euro Stoxx 50 - der Index bildet die 50 grössten börsennotierten Unternehmen der Eurozone ab - konnte seit Jahresbeginn 5 Prozent zulegen. Der Swiss Market Index (SMI) und der amerikanische Dow Jones schafften es hingegen "nur" auf plus 4 Prozent.

Und im Vergleich zu den USA (Shiller-KGV 27,5) und zur Schweiz (22,9) sind die Aktienmärkte der meisten Länder Europas deutlich günstiger bewertet. Die Aktien in Tschechien (9,2), Portugal (12,4), Spanien (13,4) oder Italien (13,9) sind richtige Schnäppchen. Selbst Deutschland ist noch verhältnismässig günstig (19,6).

Da erstaunt es wenig, dass der europäische Aktienmarkt für viele Investoren als neuer Trendmarkt gilt. Nicht nur wegen der günstigeren Bewertung, auch wegen der immer deutlicher sichtbaren Erholungstendenzen in Europas Wirtschaft. Eine Umfrage Ende letzter Woche von Merrill Lynch unter 203 Vermögensverwaltern und Fondsmanagern hat gezeigt, dass diese derzeit kräftig von amerikanischen auf europäische Aktien umschichten.

Spanien und Italien mit Potenzial

Doch jetzt blind auf günstig bewertete Aktienmärkte in Europa zu setzen, kann - nicht zuletzt aufgrund der instabilen politischen und wirtschaftlichen Lage in einigen Ländern - gefährlich sein. Aber welche Märkte sind nun eine Investition wert? "Mit Blick auf deren Bewertungen sind in Europa derzeit die Märkte in Italien, Spanien und Grossbritannien am interessantesten", sagt Hartwig Kos, Vize-Anlagechef von Syz Asset Management zu cash.

Wobei Kos den Aktienmarkt in Grossbritannien Anlegern derzeit nicht unbedingt empfiehlt. Die starke Performance britischer Aktien nach dem Brexit-Referendum und die günstigen Bewertungen seien durch ein schwächeres britisches Pfund getrieben worden. "Ein möglicherweise stärkerer Sterling in der Zukunft könnte den britischen Aktien Gegenwind geben", so Kos.

Bleiben noch Spanien und Italien. Das Platzen einer gewaltigen Immobilienblase bescherte Spanien nach 2007 einen Einbruch der Wirtschaft. Doch inzwischen befindet sich das Land in einem Aufschwung. Die Wachstumsraten der Wirtschaft gehören zu den stärksten in Europa (+3 Prozent) - trotz weiterhin sehr hoher Arbeitslosigkeit von 18 Prozent. Entsprechend der positiven Stimmung im Lande hat der IBEX 35 - Spaniens wichtigster Börsenindex - in diesem Jahr bereits 11 Prozent zugelegt.

Harziger verläuft es mit Italiens Erholung. Die jüngsten Daten zeigen ein Wirtschaftswachstum von lediglich knapp einem Prozent. Dem erfolgreichen IBEX in Spanien steht eine Performance von nur plus 3 Prozent an Italiens Leitbörse (FTSE MIB, Financial Times Stock Exchange Milano Italia Borse) gegenüber. Aktienexperte Kos bevorzugt dennoch den italienischen Markt, da dort das Aufholpotenzial höher sei.

Nichtsdestotrotz gibt es in beiden Märkten Aktien, die zum Einstieg locken. cash zeigt einige Investmentideen aus diesen beiden Märkten:

Banco Santander

Das Flagschiff unter den spanischen Banken ist die Banco Santander, die mit 15 Prozent Gewichtung das grösste Schwergewicht im Leitindex darstellt. Mit einem Börsenwert von umgerechnet 88 Milliarden Franken ist Santander an der Börse derzeit ungefähr so gross wie die UBS und Credit Suisse zusammen.

Die Bank gilt eher als "langweilig", da sie vor allem auf das krisensichere Privatkundengeschäft anstatt auf das Investment-Banking setzt. Das ist als positiv zu werten. Hinzu kommt eine attraktive Dividendenrendite von 4,6 Prozent. Allerdings ist die Santander-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten bereits um 28 Prozent angestiegen. Das Aufwärtspotenzial ist dadurch etwas limitiert. Nichtsdestotrotz trauen zahlreiche Analysten der Aktie einen weiteren Anstieg zu.

Anima und Banca Sistema

Wer es eine Spur risikoreicher mag, kann auf italienische Bankentitel setzen. Diese besitzen derzeit nicht gerade den besten Ruf. Was auch nicht erstaunlich ist: Ende letztes Jahr musste die italienische Regierung einen Bankenhilfsfonds im Gesamtvolumen von 20 Milliarden Euro auflegen, da sich Italien in einer grösseren Bankenkrise befindet. Damit Griff der Staat etwa der kriselnden Monte dei Paschi di Siena - das älteste Finanzinstitut der Welt - unter die Arme.

Für Mike Clement, Aktienchef Europa bei Syz Asset Management, ist genau diese negative Stimmung gegenüber italienischen Banken eine Einstiegsmöglichkeit, da sie "übertrieben" sei. Sobald die Europäische Zentralbank die Zinsen anhebt, würden die europäischen Finanztitel im Allgemeinen und italienische Banken im Speziellen davon profitieren, da sie noch über viel Aufholpotenzial verfügten. Clements empfiehlt konkret die eher unbekannten italienischen Finanztitel Anima und Banca Sistema zum Kauf.

Beide Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Mailand. Der Asset Manager Anima verwaltet ein Vermögen von rund 73 Milliarden Euro und besticht durch die hohe Dividendenrendite (aktuell 4,5 Prozent). Beim erst 2011 gegründeten Anleihenverwalter Banca Sistema (verwaltetes Vermögen von knapp 2 Milliarden Euro) handelt es sich um eine mögliche Wachstumsstory.

Melià Hotels International

Spaniens Tourismus boomt. Im letzten Jahr verzeichnete das Land gemäss dem nationalen Statistikinstitut Spaniens einen neuen Besucherrekord, der auch in diesem Jahr wieder geknackt werden könnte. Aufgrund politischer Unsicherheiten in Griechenland, Türkei, Nordafrika und anderswo zieht es viele Leute in die Badeferien oder für Städtetrips ins vergleichsweise sichere Spanien. Den Boom spüren auch die Hotelanbieter. Wie etwa Spaniens Marktführer im Bereich Hotels und Resort, Melià Hotels International.

2016 konnte der Gewinn verdreifacht werden,  was sich in diesem Jahr bei der  Melià-Aktie mit einem Anstieg von bereits  17 Prozent bemerkbar macht. Aber auch die weiteren Aussichten sind gut: Sollte die Tourismus-Welle in Spanien nachlassen, dann kann das Unternehmen auf eine gute Diversifizierung zählen. Mélia ist global tätig und investiert unter anderem auch in China, den Arabischen Emiraten oder in den USA.

Als weiterer Profiteur des Tourismus-Geschäfts gilt Aena, welcher mehrheitlich dem Staat gehört und gerechnet an der Anzahl Passagiere der weltweit grösste Flughafenbetreiber ist. Mit einem Kursanstieg von fast 30 Prozent in den letzten 12 Monaten ist die Aktie inzwischen aber bereits teuer bewertet. Gleiches gilt für die International Airlines Group, den in Spanien kotierten Mutterkonzern von British Airways und Iberia, mit plus 26 Prozent alleine in diesem Jahr.