Investmentbanken droht weiteres Ungemach

Der Brexit hat den Investmentbanken gerade noch gefehlt. Ihnen stehen schwere Zeiten bevor.
03.07.2016 14:55
Barclays-Filiale in London.
Barclays-Filiale in London.
Bild: cash

Die Kurseinbrüche bei Pfund und Euro sowie an den Aktienmärkten am Freitag vor einer Woche, ausgelöst durch die Entscheidung der Briten, aus der Europäischen Union auszutreten, sind Vorboten für noch schwerere Zeiten für die Investmentbanken. Während einige Handelsabteilungen die anfänglichen Turbulenzen für Gewinne nutzen konnte, würde eine über Monate anhaltende Volatilität an den Märkten die Handelsgewinne der Institute bedrohen. Zudem drohen den Unternehmen, die Banken mit der Beratung bei Übernahmen und Kapitalmaßnahmen beauftragen, Jahre der Unsicherheit, während Großbritannien seine neue Beziehung mit der EU aushandelt.

Zahlreiche Analysten auf beiden Seiten des Atlantiks haben ihre Prognosen für die Gewinne bei den größten Investmentbanken gesenkt. Sie gehen davon aus, dass die wirtschaftliche und politische Unsicherheit sowie starke Schwankungen an den Devisenmärkten Aktien- und Anleiheplatzierungen sowie größere Übernahmen bremsen werden. Die Einnahmen aus diesem Geschäft dürften "abstürzen" und in diesem Jahr bei europäischen Banken um 30 Prozent niedriger ausfallen, schrieb Analyst Chirantan Barua von Sanford C. Bernstein. Analysten bei Citigroup und JPMorgan rechnen mit geringeren Volumina im Konsortialgeschäft in Großbritannien und Europa.

"Angesichts dieser Unsicherheit werden eine Reihe von Platzierungen im Aktien- und Anleihebereich auf Eis gelegt werden", sagte Analyst Joseph Dickerson von Jefferies International Ltd. in London.

Bankaktien weiteten am Montag ihre Verluste aus, belastet von der Aussicht auf niedrigere Gewinne. Barclays, deren Investmentbank sich bereits seit knapp einem Jahrzehnt in der Umstrukturierung befindet, sackte in London bis zu 11,5 Prozent ab, nach einem Kurseinbruch um 18 Prozent am Freitag zuvor. Die Aktie wurde bei mindestens vier Brokern herabgestuft, Citigroup bewertet die Titel jetzt mit "Verkaufen". Für die Deutsche Bank ging es in Frankfurt bis zu acht Prozent abwärts. Am Freitag vor einer Woche war der Kurs um 14 Prozent eingebrochen. Auch US-Banken wurden in Mitleidenschaft gezogen, so büßten Morgan Stanley am am Tag des Brexit zehn Prozent ein.

Volatile Märkte machen den Banken zu schaffen

"Die künftige Struktur, Profitabilität und sogar die Existenz der Investmentbank bei Barclays steht in Frage", schrieb Dickerson am Montag in einer Mitteilung an Kunden. "Wir erwarten teure Auswirkungen des Abstimmungsergebnisses auf die Investmentbank, nicht nur aufgrund geringerer Erträge an den Anleihekapitalmärkten, sondern auch durch die Verstärkung von Tochtergesellschaften in EU-Städten wie Frankfurt und Dublin."

Schon vor dem Brexit-Votum sah es für die Investmentbanken nicht besonders gut aus. Weltweit haben Banken Personal abgebaut und sich aus manchen Bereichen im Investmentbanking zurückgezogen, nachdem die Erträge einbrachen und neue Vorschriften höhere Kapitalpflichten für die Bereiche brachten. Die Erträge aus dem Handel mit Festverzinslichen bei den größten Banken weltweit sind über die vergangenen fünf Jahre um 36 Prozent eingebrochen, wie Daten von Coalition Development Ltd. zeigen. 

Volatile Märkte machen es den Banken schwerer, Anleihe- und Aktienplatzierungen zu arrangieren. Das betrifft nicht nur die Märkte in Europa: Der japanische Internetdienstleister Line Corp. verschob am Montag die Festlegung der Zeichnungsspanne für seinen Börsengang in Tokio und New York um einen Tag, nachdem die britische Abstimmung für einen EU-Ausstieg die Märkte weltweit erschüttert hatte.

Viele Stellenverlagerungen angekündigt

Besonders betroffen sein könnten Banken, die aus dem Londoner Finanzbezirk heraus operieren, falls Großbritannien das Recht auf eine EU-weite Zulassung verliert, mit der Banken mit Sitz in Großbritannien ihre Produkte und Dienstleistungen in der gesamten EU anbieten können. Einige internationale Banken, darunter Morgan Stanley und JPMorgan, haben bereits signalisiert, dass sie Tausende von Stellen an andere Standorte in Europa verlagern würden, um die Unsicherheit zu vermeiden.

Das könnte die Position Londons als wichtigstes Handelszentrum für Devisen in Europa in Frage stellen, warnen Analysten der UBS. Banken wie Barclays und Deutsche Bank, deren Betriebsstätten in London "übergroß" seien und die eine Rolle beim Handel mit Euro spielten, dürften am stärksten getroffen werden, so die Analysten.

(Bloomberg)