Investmentbanken nehmen harte Einschnitte bei Vergütungen vor

Drei der grössten Investmentbanken der Wall Street haben den Vergütungs-Pool für ihre Mitarbeiter im ersten Halbjahr so stark zusammengestrichen wie seit mindestens vier Jahre nicht mehr.
24.07.2016 14:15
Bei Goldman Sachs schrumpfte die durchschnittliche Vergütung pro Person im ersten Halbjahr um 29 Prozent.
Bei Goldman Sachs schrumpfte die durchschnittliche Vergütung pro Person im ersten Halbjahr um 29 Prozent.
Bild: Bloomberg

Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley senkten zusammengenommen die Geldsumme, die sie für die Vergütung ihrer Mitarbeiter im ersten und im zweiten Quartal zur Seite legten, um 17 Prozent - auf damit 19 Mrd. Dollar. Das geht aus Pflichtmitteilungen der Finanzdienstleister hervor, die von Bloomberg ausgewertet wurden. Dahinter stehen Bemühungen, die Gewinne zu stützen.

Die 19 Mrd. Dollar sind ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum vergangenen Jahr. Damals hatten die Investmentbankenbereiche der drei Konzerne die Vergütungssumme für das erste Halbjahr noch um 4 Prozent auf 22,9 Mrd. Dollar angehoben.

Goldman Sachs ging bei den Reduzierungen am stärksten vor. Die Bank reduzierte die Summe, die für die Vergütung der Mitarbeiter bis zum 30. Juni zur Seite gelegt wurde, um 28 Prozent auf 5,99 Mrd. Dollar. Morgan Stanley verkleinerte den Pool um 14 Prozent auf 7,7 Mrd. Dollar, während JPMorgan Chase ihn um 6 Prozent auf 5,3 Mrd. Dollar beschnitt.

Kostensenkungen im Fokus

Citigroup und Bank of America veröffentlichen keine Daten dazu, wie viel Geld sie für die Vergütungen innerhalb ihrer Investmentbankenbereiche zurücklegen.

Die grossen Banken hatten sich zuletzt darauf konzentriert, die Kosten zu senken - während Turbulenzen an den Märkten einige Investoren zum Rückzug bewegte und Übernahmen weniger attraktiv machten. zudem drücken dauerhaft niedrige Zinsen und eine strengere Regulierung auf die Erträge.

Zwar hatten JPMorgan und Goldman Sachs einen Anstieg ihrer Handelserträge im ersten Halbjahr verzeichnet. Doch andere Bereiche des Investmentbanking - etwa Konsortialgeschäft und Beratung bei Fusionen und Akquisitionen - hinkten hinterher.

Morgan Stanley verringerte in den ersten sechs Monaten die Anzahl der Mitarbeiter um 2 Prozent und kam damit zum 30. Juni auf insgesamt noch 54.529 Personen. Keiner der Wettbewerber strich so viele Jobs. Die Bank hatten die Bereiche Rohstoffe und Bonds-Handel verkleinert. Unter den fünf grössten Wall-Street-Banken war Morgan Stanley die einzige, die im jüngsten Quartal im gesamten Wertpapierhandelsgeschäft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum keinen Anstieg verzeichnete.

Goldman Sachs mit höchster Vergütungskürzung

Zwar können grössere Stellenstreichungen für die verbleibenden Mitarbeiter zu einer höheren Vergütung führen. Doch die starke Verkleinerung des Pools für die ersten sechs Monate des Jahres bedeutet, dass auch der Umfang der Vergütung pro Mitarbeiter zurückgegangen ist.

Bei Goldman Sachs schrumpfte die durchschnittliche Vergütung pro Person im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 168.650 Dollar. Bei Morgan Stanley ging es um 12 Prozent abwärts auf 140.865 Dollar. Etwas geringer fiel der Einschnitt im Investmentbankenbereich von JPMorgan aus. Hier sank die Vergütung um 3,7 Prozent auf 109.069 Dollar.

Bei allen drei Banken zusammengenommen sank die Vergütung im Durchschnitt um 16 Prozent auf 137.750 Dollar.

Für die Berechnungen wurde die Grösse der Pools durch die Anzahl der Mitarbeiter geteilt. Die Vergütung einzelner Mitarbeiter kann allerdings stark von den Durchschnittswerten abweichen.

(Bloomberg)