Investoren setzen auf Europa-Infrastrukturfonds

Vermögensverwalter von Carlyle über KKR bis hin zu BlackRock stellen Fonds für Infrastrukturinvestments in Europa auf die Beine.
06.01.2013 01:45

Sie wollen von dem geplanten 460 Mrd. Euro schweren Infrastrukturprogramm profitieren, mit dem die EU-Politiker der Region aus der Rezession heraushelfen wollen.

Mit dem Geld aus dem mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) sollen in den Jahren 2014 bis 2020 Straßen, Brücken und Tunnel gebaut werden. Die Verhandlungen über den MFR werden voraussichtlich Anfang 2013 abgeschlossen. Das Programm umfasst auch 41 Mrd. Euro für den Ausbau der Transport-, Energie- und digitalen Netze - eine Aufstockung gegenüber den 13 Mrd. Euro, die von 2007 bis 2013 für solche Maßnahmen vorgesehen sind.

Carlyle, die zweitgrößte Private-Equity-Gesellschaft, hat im November 1,38 Mrd. Dollar für Energieprojekte eingeworben. KKR sammelte im Juni mehr als eine Milliarde Dollar für ihren ersten Infrastrukturfonds ein. BlackRock Inc., der weltgrößte Fondsmanager mit einem Anlagevolumen von 3,67 Billionen Dollar, heuerte im November ein Team von Blackstone an und will mit seiner ersten europäische Anlageberatung für die Branche an den Start gehen.

Zu Zeiten rekordniedriger Zinsen und einer reduzierten Finanzierung durch Banken bieten solche Projekte den Anleiheinvestoren höhere Erträge. “Investoren beginnen, Kredite für Infrastruktur als eine etablierte Anlageklasse zu sehen und bringen sich in Position, um attraktive Erträge mitzunehmen”, sagt Philippe Benaroya, Managing Director bei BlackRock in London. “Sie werden nicht den Platz der Banken einnehmen, aber der Rückzug der Kreditinstitute schafft Gelegenheiten für die Fondsmanager”, fügt er an. Die Banken bereiten sich auf höhere Eigenkapitalanforderungen vor und haben teilweise die Kreditvergabe zurückgefahren.

Erträge von zehn bis 15 Prozent

Die Bankkredite für Infrastrukturprojekte in Europa, dem Nahen Osten und Afrika sind dieses Jahr auf 38 Mrd. Dollar gesunken, nach 82 Mrd. Dollar 2011 und 156 Mrd. Dollar im Jahr 2007. Das zeigen Zahlen des “Infrastructure Journal”. Weltweit sind die entsprechenden Bankkredite auf 111 Mrd. Dollar zurückgegangen, nach 205 Mrd. Dollar 2011 und 264 Mrd. Dollar 2007.

“Viele kleine Energie- und Stromfirmen sind von den Banken vorm Traualtar stehen gelassen worden”, sagt David Albert, Co- Leiter der Sparte für Energy-Credit-Investments bei Carlyle in New York.

Der eine Mrd. Dollar schwere Infrastrukturfonds von KKR strebt nach Angaben von Direktor Vincent Policard in London jährliche Erträge von zehn bis 15 Prozent an. Zum Vergleich: Staatsanleihen weltweit haben dieses Jahr 4,4 Prozent eingebracht und Euro-denominierte Unternehmensanleihen zehn Prozent, wie Indizes von Bank of America Merrill Lynch zeigen.

Volumen von 50 Billionen Dollar

Nach einer Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris wird der weltweite Markt für private und staatliche Infrastrukturinvestments bis 2030 ein Volumen von 50 Billionen Dollar erreichen. Anlagen in solchen Anleihen sind für Pensionsfonds bislang noch neu - weniger als ein Prozent dieser Investoren sind nach OECD-Angaben im Markt engagiert.

“Unter den potenziellen neuen Kapitalquellen für Schuldverschreibungen sind Infrastruktur-Anleihefonds die vielversprechendsten”, sagt Policard. “Die Investoren-Gemeinde erkennt nun, dass sie bessere Erträge erzielen kann, wenn sie in die Infrastrukturprojekte eines Landes investiert, statt in die Staatsanleihen des Landes.”

“Infrastruktur bietet institutionellen Investoren ein attraktives, wenig riskantes Rendite-Plus - insbesondere jetzt, da Staatsanleihen mit guter Qualität sehr niedrige oder gar keine realen Erträge abwerfen”, sagt Richard Abadie, weltweiter Leiter Infrastruktur-Finanzierungen bei PricewaterhouseCoopers LLP in London. “Wir sehen eine zunehmende Zahl neuer Marktteilnehmer.”

(Bloomberg)