Investoren sind vorsichtig - Geopolitische Risiken bereiten Private Equity Kopfzerbrechen

Mehrere hundert Vertreter von Private Equity Investoren aus allen Teilen der Welt trafen sich vergangene Woche in Berlin bei der jährlich stattfindenden Konferenz SuperReturn International.
05.03.2017 03:09
In Berlin traf sich letzte Woche die «Crème de la Crème» der Private-Equity-Szene (Bild: Brandenburger Tor).
In Berlin traf sich letzte Woche die «Crème de la Crème» der Private-Equity-Szene (Bild: Brandenburger Tor).
Bild: youtube

Und der Unterschied im Vergleich zum Vorjahr fällt auf. Die Finanzwelt hat es mit geopolitischen Verwerfungen in beträchtlichem Umfang zu tun. Zusätzlich befinden sich die Aktienmärkte im Aufwind, und die entsprechend hohen Aktienbewertungen machen die Anlageentscheidung nur noch komplizierter. Dabei wartet Kapital im Umfang von 1,47 Billionen Dollar darauf, investiert zu werden, wie eine letzte Woche veröffentlichte Studie von Bain & Co. für das Jahr 2017 belegt.

Finanzinvestoren in den USA wägen nach dem ersten Monat des neuen Präsidenten Donald Trump im Amt bedeutende Veränderungen bei Regulierung und im Steuersystem der USA ab. Derweil verfolgen Investoren in Europa weiter die Auswirkungen des britischen Brexit-Votums und haben gleichzeitig entscheidende Wahlen in der Region im Blick. In Asien, vor allem in China, nimmt der Wettbewerb zwischen Private Equity Gesellschaften zu.

“Die Unsicherheit in Europa ist kaum gebremst", stellte Generaldirektor Tim Hames von der Branchenlobbyvereinigung British Private Equity & Venture Capital Association fest. Es gebe derzeit gute Gründe für Vorsicht vor Ereignissen in den USA, dem Nahen und dem Fernen Osten, sagte er: "Aber zugleich müssen die Investoren irgendwo hin mit ihrem Kapital".

Zum Thema fallen aber einigen Marktteilnehmern durchaus bedeutende Weltgegenden ein. Darunter Bernd Egbers, Partner bei Ashurst LLP. Das vom Brexit-Votum geschwächte Grossbritannien und die politischen Umbrüche in den USA lassen einige europäische Länder geradezu als Inseln der Ruhe im Sturm wirken. "Insbesondere Deutschland wird profitieren", sagte Egbers, denn es warten grosse Mengen Kapital darauf, investiert zu werden. Fonds mit Anlagehorizont in Europa werden auf Deutschland als einen der stabilsten und stärksten Märkte setzen".

Ist nächste Rezession unvermeidbar?

Ist die Frage nach der Anlagegegend womöglich weitgehend geklärt, so kommt die Bewertung ins Spiel. Private Equity Gesellschaften haben 2016 laut der Jahresstudie von Bain & Co. mehr als das Zehnfache des Cashflow für Unternehmen aus den USA und Europa gezahlt. Zudem sei es bei Investitionsentscheidungen weniger möglich, auf Wirtschaftswachstum zu vertrauen, da eine ’nächste Rezession unvermeidbar" sei, so die Berater von Bain & Co.

“Wegen der Kombination aus hohen Preisen und einem unsicheren Ausblick liegt derzeit die Schwelle für Investmententscheidungen ziemlich hoch", sagte Graham Elton von Bain Private Equity Practice in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Gesetzt werde auf Unternehmen mit wachsenden Margen oder zumindest der Aussicht darauf. In diesem Umfeld werde die Strategie vermehrt vor einem Kauf festgelegt.

Für den leitenden Juristen der Blackstone Group LP, der weltweit grössten Private-Equity-Gesellschaft, sind damit offene Gespräche mit den Firmen das wichtigste der viertägigen Berliner Finanzinvestorenmesse. Zu Unrecht werde der Branche der Vorwurf der Intransparenz gemacht, sagte der Blackstone-CLO John Finley. Die Branche sei auf Vertrauen zu den institutionellen Anlegern aufgebaut.

Trotz geopolitischer Unsicherheiten und wachsendem Preisdruck sei er insgesamt für den Rest des Jahres optimistisch, sagte Elton von Bain. "Vielleicht kommen andere Weltgegenden in Betracht, und die Investoren mögen auch andere Fragen stellen. Aber der Wettbewerb wird die Preise hoch halten und damit auch Verkäufer an den Tisch bringen", sagte er.

(Bloomberg)