Investorentag - Credit Suisse kann nicht bei allen Analysten punkten

Die Vorabinformationen zum diesjährigen Investorentag der Credit Suisse bergen keine grösseren Überraschungen. Gerade die neuen Kostenziele kommen aber gut an. Die Aktie stösst deshalb auf Kaufinteresse.
30.11.2017 13:27
Von Lorenz Burkhalter
Der CEO der Credit Suisse Group, Tidjane Thiam.
Der CEO der Credit Suisse Group, Tidjane Thiam.
Bild: cash

Nachdem der Kurs der Credit-Suisse-Aktie rund um den letztjährigen Investorentag um 20 Prozent nach oben schoss, fragte man sich: Gelingt es der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken auch in diesem Jahr wieder, die Skeptiker im Regen stehen zu lassen?

Seit dem frühen Donnerstagnachmittag lässt sich diese Frage mit einem klaren "Ja" beantworten. In einer Vorabinformation für die Medien gibt sich die Credit Suisse für die Jahre ab 2018 neue Vorgaben für den Vorsteuergewinn für die Bereiche Asien/Pazifik (APAC) und Special Resolution Unit (SRU). Gleichzeitig verschreibt sie sich auf Gruppenebene neuen Rentabilitätszielen und macht zudem Aussagen zur zukünftigen Dividendenpolitik.

Als folge davon wird die Credit-Suisse-Aktie an der Schweizer Börse SIX von Anschlusskäufen erfasst. Zur Stunde gewinnt sie 3,9 Prozent auf 16,98 Franken. Die Tageshöchstkurse liegen gar bei 17,06 Franken.

Der Bankenanalyst von Baader-Helvea erachtet die Informationen zum Investorentag insgesamt als positiv. Die wichtigsten kostenseitigen Ziele für 2017 und 2018 seien bestätigt worden. Ausserdem seien für die Folgejahre weitere Fortschritte zu erwarten, so ergänzt er. Auch den Aussagen zur zukünftigen Ausschüttungspolitik gewinnt der Experte vorwiegend positive Aspekte ab. Er hält deshalb an seiner erst am Vortag ausgesprochenen Kaufempfehlung sowie am 20 Franken lautenden Kursziel fest.

Ambitionierte neue Zielvorgaben für die Kostenbasis

Wie sein für die Zürcher Kantonalbank tätiger Berufskollege schreibt, enthält die Medienmitteilung keine "dramatischen Überraschungen". Er sieht die Grossbank die Gruppenziele viel eher präzisieren und verfeinern. Die vom Unternehmen ab 2019 in Aussicht gestellten Kostensenkungen begrüsst der Experte, genauso wie die zur zukünftigen Dividendenpolitik gemachten Aussagen. Seines Erachtens liegt die Ausschüttungsquote mit 50 Prozent des Jahresgewinns moderat höher als bislang von ihm angenommen. Er stuft die Aktie weiterhin mit "Übergewichten" ein.

In einem Kommentar der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley werden die kommunizierten neuen Kostenziele als eher ambitioniert bezeichnet. Der Autorin zufolge liegt die angestrebte Kostenbasis mit 16,5 bis 17 Milliarden Franken unter den Konsenserwartungen von 17,2 Milliarden Franken. Die zur zukünftigen Dividende gemachten Aussagen versteht sie hingegen als Anhaltspunkt für eine Normalisierung der Ausschüttungspolitik. Die Credit-Suisse-Aktie wird bei Morgan Stanley mit "Overweight" und einem Kursziel von 17 Franken zum Kauf empfohlen.

Der Bankenanalyst der Bank Vontobel begrüsst die Einführung eines Rentabilitätsziels für den Konzern. Er will jedoch zuerst abwarten, wie die Credit Suisse die Ziele erreichen will. Während die Grossbank für 2019 eine Eigenkapitalrendite von 10 bis 11 Prozent anstrebt, ging man bei Vontobel bisweilen von einer Eigenkapitalrendite von unter 10 Prozent aus. Das Anlageurteil lautet weiterhin "Hold" und das Kursziel 15,40 Franken.

Steigende Konsenserwartungen erwartet

Optimistischer gibt sich der Verfasser eines Kommentars aus dem Hause Goldman Sachs. Er erachtet die im Zuge des Investorentages kommunizierten Ziele als durchaus realistisch und hebt die guten Dividendenaussichten hervor. Die Credit-Suisse-Aktie wird bei der wohl mächtigsten Investmentbank der Welt zum Kauf empfohlen.

Auf die Vorabinformationen zum diesjährigen Investorentag angesprochen, gehen Händler von leicht steigenden Konsensschätzungen aus. Das wiederum dürfte der Aktie eine willkommene Stütze geben.