InvestorentagDie neuen Nestle-Ziele sind «nicht überambitioniert»

Der neue Nestle-Chef Mark Schneider will den weltgrössten Nahrungsmittelkonzern profitabler machen. Die Aktie am Dienstag fährt Zickzack.
26.09.2017 10:53
Ulf Mark Schneider, seit Anfang Jahr CEO von Nestle.
Ulf Mark Schneider, seit Anfang Jahr CEO von Nestle.
Bild: ZVG

Bis 2020 soll die bereinigte Ergebnismarge des Unternehmens mit Marken wie Maggi oder Nescafe auf 17,5 bis 18,5 Prozent steigen, wie Nestle anlässlich eines Investorentages in London bekanntgab. Im Vorjahr lag sie bei 16 Prozent. Um das neue Ziel zu erreichen, will Schneider Wachstumsbereiche wie Kaffee, Tier- und Säuglingsnahrung und Wasser ausbauen. Zudem setzt der ehemalige Chef des hessischen Fresenius-Konzerns auf das Gesundheitsgeschäft, das Nestle als weiteres Standbein aufbaut. Im Gegenzug will sich das Unternehmen von weniger rentablen Bereichen trennen. "Um den immer rascher werdenden Veränderungen im Markt gerecht zu werden, verschärfen wir unseren Fokus auf Innovation, operative Effizienz und Portfoliomanagement."

Mit dem neuen Ergebnisziel orientiert sich Nestle an wichtigen Konkurrenten: Unilever mit Marken wie Knorr oder Dove strebt bis 2020 eine Rendite von 20 Prozent an, der Joghurthersteller Danone über 16 Prozent. Die Zielvorgabe von Nestle erscheint nach Ansicht von Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy "nicht überambitioniert". Viele Investoren dürften dies aber dennoch als Bestätigung der bisherigen Strategie sehen.

Die Nestle-Aktie steigt an der Schweizer Börse um 0,5 Prozent, nachdem sie zuvor ins Negative gerutscht war. Der Titel hat in den letzten sechs und zwölf Monaten etwa 5 Prozent zugelegt.

Der Druck auf die Konzernleitung bezüglich eines konkreten Margenziels sei im Vorfeld hoch gewesen, heisst es bei der Bank Vontobel weiter. Moniert wird unter den Experten, dass Angaben fehlen, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Nestlé bleibe in der Mitteilung noch ziemlich unkonkret. "Wir erachten das neue Margenziel jedoch als vernünftig, da es Spielraum lässt für Investitionen in die Zukunft und um das unveränderte Ziel eines mittleren einstelligen Umsatzwachstums 2020 zu erreichen", heisst es dagegen im Kommentar der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Rebellischer Investor

Kommentiert wird auch das Update zu dem geplanten Aktienrückkaufprogramm, welches neu gleichmässig auf drei Jahre verteilt werden soll. Ursprünglich sollte das Gewicht stärker auf die Jahre 2019 und 2020 gelegt werden. Für den Experten der ZKB ist dies ein Indiz dafür, dass grössere Akquisitionen nicht kurz bevorstehen. Aus Sicht der Deutschen Bank biete dies Spielraum für 2 bis 3% höhere Gewinnschätzungen (je Aktie).

Einige Experten hatten zuvor vor einer zu ehrgeizigen Gewinnvorgabe gewarnt. Denn Nestle muss investieren, um sich gegen die wachsende Konkurrenz durch kleinere lokale Anbieter zu wappnen und schlecht laufende Bereiche auf Vordermann zu bringen. Dem Konzern machen die veränderten Ernährungsgewohnheiten der Konsumenten zu schaffen, die vorstärkt auf frische Nahrungsmittel setzen.

Bis 2020 will Nestle diese Wachstumsdelle ausmerzen: Das organische Umsatzwachstum soll dann wieder wie in früheren Zeiten im mittleren einstelligen Bereich liegen. Im ersten Halbjahr lag es bei 2,3 Prozent.

Verstärkt wird der Druck auf den neuen Chef durch den Einstieg eines rebellischen Investors vor einigen Monaten: Die von Daniel Loeb geführte Investmentfirma Third Point hatte zu Beginn des Sommers mit Forderungen nach einem Aktienrückkauf, höheren Gewinnen und einem teilweisen Firmenumbau für Schlagzeilen gesorgt. Daraufhin hatte Nestle im Juni für die nächsten drei Jahre ein Aktienrückkaufprogramm für bis zu 20 Milliarden Franken angekündigt. Dieses solle nun gleichmäßig auf drei Jahre verteilt werden und nicht mehr wie zuvor geplant schwerpunktmäßig ab 2019 stattfinden. Ebenso setzt Nestle weiterhin auf Zukäufe. Konkrete Ankündigungen dazu gab es vorerst nicht. 

(Reuters/AWP)