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Ist AFG für die Zukunft gerüstet?

Die Aktie von Arbonia Forster gehört zu den derzeitigen Überfliegern an der Schweizer Börse. Doch wer auf AFG setzt, setzt auf einen langen und wohl holprigen Turnaround.
26.04.2016 14:21
Von Ivo Ruch
Wird in der Schweiz gebaut, sind AFG-Produkte meist nicht weit.
Wird in der Schweiz gebaut, sind AFG-Produkte meist nicht weit.
Bild: Pixabay

Lange galt die Aktie von Arbonia Forster als Sorgenkind. Das Rekordhoch aus dem Jahr 2007 erscheint seit längerem wie eine Fata Morgana. Aber auch in jüngerer Vergangenheit hatten die AFG-Aktionäre wenig zu lachen. Alleine zwischen April und September 2015 halbierte sich der Börsenwert des Bauausrüsters.

Doch seit einigen Wochen erholt sich der Titel stark. Für die letzten vier Wochen beträgt das Plus 14 Prozent, für die letzten drei Monate sind es gar 34 Prozent.

Eindrücklicher Absturz: Die AFG-Aktie seit April 2006, Quelle: cash.ch

AFG gehört somit zu den erfolgreichsten Aktien des laufenden Jahres. Nur eine Handvoll anderer Titel sind bislang besser unterwegs. Der steile Aufstieg von AFG fällt zusammen mit der Ergebnispräsentation zum Geschäftsjahr 2015. Der Umsatz ging um 7,5 Prozent zurück, der EBITDA schrumpfte um 28 Prozent, der Gewinn um 19 Prozent.

Dennoch zogen die Anleger Positives aus dem Zahlenkranz. So gaben Verwaltungsrat und Konzernleitung bekannt, sie würden nach wie vor für 2018 einen Umsatz von einer Milliarde Franken und einen EBITDA von über 100 Millionen erwarten. Im Vergleich zu den aktuellen Zahlen wären das Wachstumsraten von 6 respektive 76 Prozent. Auch der Hinweis, die ersten beiden Monate des laufenden Jahres seien besser ausgefallen sind als im Vorjahr, fand bei den Investoren Anklang.

Investoren-Legende an Bord

Bis dann soll AFG auch wieder in der Lage sein, eine Dividende an die leiderprobten Aktionäre zu zahlen. Momentan stecken die Arboner aber noch mitten in der im Sommer 2015 begonnenen Restrukturierung und Neupositionierung.

Nach den erfolgten Abschreibungen geht Verwaltungsratspräsident und CEO ad interim Alexander von Witzleben davon aus, dass jetzt alles fair bewertet ist. Nun könne sich das Unternehmen operativ weiterentwickeln und sei nach der Kapitalerhöhung gut finanziert, wie er kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AWP sagte.

Neben von Witzleben ist Grossaktionär Michael Pieper der neue starke Mann im Konzern. Er hält 27, 5 Prozent der Aktien und ist über seine Beteiligungsgruppe Artemis auch an weiteren Industrieunternehmen wie Rieter, Autoneum oder Feintool beteiligt. Pieper hat schon andere Unternehmen wieder auf Erfolgskurs gebracht, unter anderem mit der Hilfe von Alexander von Witzleben, welcher auch bei Feintool als operativer Chef zum Einsatz kam.

Auch künftig kein Spaziergang

Auf diesen beiden Köpfen ruht also viel Anleger-Hoffnung. Doch deshalb blindlings auf weitere Kursavancen von AFG zu setzten, wäre falsch. Denn der Weg in Richtung Turnaround wird lang und holprig. Zu den grössten Herausforderungen gehört der hohe Kostenanteil in Schweizer Franken. Bis 2018 sollen deshalb verschiedene Produktionsstätten nach Osteuropa verschoben werden.

Der Importdruck durch günstige Produkte aus dem Euro-Raum dürfte dennoch hoch bleiben. Als Bauausrüster hat sich AFG auf die Gebäudehülle und den Innenraum von Gebäuden spezialisiert. Noch trägt die Schweiz mehr als einen Drittel zum Gesamtumsatz bei, Deutschland macht 30 Prozent aus. Die Erhöhung des internationalen Umsatzes wird vielerorts als grosse Wachstumschance angesehen.

Ein Spaziergang werden AFG-Investments also auch in Zukunft nicht. "In jedem Fall sind die Aktien der AFG keine geeignete Anlage für Witwen und Waisen", schrieb die Neue Helvetische Bank kürzlich lapidar in einem Kommentar. Vielmehr bedürfe es eines Zeithorizonts von zwei bis drei Jahren. Die Aktie nimmt beim heutigen Niveau schon vieles vorweg von dem, was die AFG-Führung verspricht, in Zukunft erreichen zu wollen.