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Ist Arbonia eine schnelle Wette wert?

Arbonia braucht Geld. Eine Kapitalerhöhung soll Abhilfe schaffen. Legt diese den Grundstein für eine mehrwöchige Kurserholung?
24.08.2015 08:06
Von Lorenz Burkhalter
Ganz so wolkenlos ist der Himmel über Arbonia-Forster nicht mehr: Die kreditgebenden Banken verlangen eine Stärkung der Eigenkapitalbasis.
Ganz so wolkenlos ist der Himmel über Arbonia-Forster nicht mehr: Die kreditgebenden Banken verlangen eine Stärkung der Eigenkapitalbasis.
Bild: www.afg.ch

Das hatte sich Michael Pieper vermutlich anders vorgestellt, als er dem langjährigen Arbonia-Forster-Aktionär Edgar Oehler Anfang Dezember seine Beteiligung abkaufte. Zwar befand sich die Ostschweizer Firmengruppe schon damals in einer nicht einfachen Lage. Allerdings war diese bei weitem nicht so ernst wie in diesen Tagen.

Zeuge ist die geplante Kapitalerhöhung im Umfang von 200 Millionen Franken. Diese wurde notwendig, nachdem die Nettoverschuldung in Folge millionenschwerer Verluste in der Kreditvereinbarung definierte Schwellenwerte verletzt hatte.

Zum fehlenden Glück kommt Pech hinzu

Der Zeitpunkt für die von den Banken erzwungene Stärkung der Eigenkapitalbasis kommt für die bisherigen Aktionäre zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, liegt der Kurs der Aktie mit 14,50 Franken doch auf dem tiefsten Stand seit dem Frühsommer 2009. Alleine seit Anfang August hat das Unternehmen 14 Prozent seines Börsenwerts eingebüsst.

Schon am 4. März schrieb die Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar, dass bei Arbonia-Forster zum fehlenden Glück auch noch Pech hinzukomme. Schon damals warnte der Autor vor den Folgen des starken Frankens sowie von Preisdruck, insbesondere im Fenstergeschäft.

Gegen den Analystenstrom schwimmen

Der Analyst ist einer der wenigen, der die Aktie nicht zum Verkauf empfiehlt. Sein Anlageurteil lautet schon seit einiger Zeit "Marktgewichten". Von vier Banken empfehlen nicht weniger als zwei die Aktie zum Verkauf - Kepler Cheuvreux mit einem Kursziel von 15 Franken und die MainFirst Bank mit einem Kursziel von 16 Franken. Im Zusammenhang mit der geplanten Kapitalerhöhung drohen Kurszielkürzungen. Auch die UBS Investmentbank hatte bis vor ein paar Wochen eine Verkaufsempfehlung ausstehend. Da die Grossbank jedoch in beratender Funktion für Arbonia-Forster tätig ist, hat sie die Mitverfolgung bis auf weiteres eingestellt.

Eine Wette auf die Aktie von Arbonia-Forster heisst deshalb aus Anlegersicht auch ein bisschen gegen den Analystenstrom zu schwimmen. Ausserdem lässt das Unternehmen keinen Zweifel daran, dass die Aktionäre bis auf weiteres auf eine Dividende verzichten müssen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Einstieg?

Zumindest dürfen die Publikumsaktionäre auf Michael Pieper zählen. Mit seiner Beteiligung im Umfang von 26,7 Prozent will der Grossaktionär im Rahmen seiner Bezugsrechte vollumfänglich an der geplanten Kapitalerhöhung mitmachen. Diese ist übrigens von den involvierten Banken garantiert, was die Risiken aus Anlegersicht überschaubar macht.

Am 11. September soll anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung über die Kapitalerhöhung abgestimmt werden. An diesem Tag wird das Thurgauer Unternehmen die Öffentlichkeit über den genauen Fahrplan für die Stärkung der Eigenkapitalbasis informieren.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Aktien die kursseitige Talsohle für gewöhnlich wenige Tage vor Ausübung der Bezugsrechte durchschreiten und danach zu einer mehrwöchigen Gegenbewegung ansetzen. Grundvoraussetzung dafür ist natürlich, dass der Gesamtmarkt mitspielt.

Noch scheint der Zeitpunkt für einen Einstieg bei Arbonia-Forster nicht günstig. Anleger sollten die Aktie im Hinblick auf die geplante Kapitalerhöhung dennoch auf ihrem Radar behalten - denn eine schnelle Wette ist sie zu gegebener Zeit durchaus wert.

Schliesslich hat Michael Pieper schon andere Unternehmen wieder auf den Erfolgskurs gebracht, unter anderem mit der Hilfe von Alexander von Witzleben, welcher auch bei Feintool als operativer Chef zum Einsatz kam.