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Ist bei der EMS-Aktie die Luft draussen?

Mit der Ems-Aktie ging es lange Zeit nur bergauf. Doch nun hat die Aktie einen argen Dämpfer erlitten. Der künftige Kursverlauf hängt wesentlich von der Konjuntkurentwicklung in der Eurozone ab.
10.10.2014 11:30
Von Marc Forster
Der gute Ruf der Ems-Gruppe basiert unter anderem auf einer sehr hohen Marge.

Seit dem Allzeithoch im September bei 413 Franken kennt die Ems-Aktie nur eine Richtung: abwärts. Am Freitag notiert der Titel bei 344 Franken - macht ein Minus von 17 Prozent. Eine solch deutliche Korrektur hatte es in den letzten fünf Jahren nicht mehr gegeben.

Kursverlauf der EMS-Aktien in den letzten fünf Jahren

Ems hat jahrelang Erwartungen übertroffen und erreichte mit einer Betriebsmarge von 21,5 Prozent im ersten Halbjahr 2014 für einen Industriekonzern Traumwerte, wobei Ems mit den Spezialkunststoffen auch in einer Hochtechnologie-Nische gut positioniert ist. Anleger und Analysten nahmen dank der sehr innovativen Kultur eine wohlwollende Haltung gegenüber Ems ein. Wenn das Paradepferd Hochleistungspolymere aber langsamer rennt, wie das derzeit der Fall ist, reagiert der Markt empfindlich - mit der Abschwächung in der Automotive-Sparte haben die Experten eher gerechnet.

Analyst Philipp Lienhardt von Julius Bär sieht das Problem vor allem im Wirtschaftsumfeld, im dem Ems operiert: "Nach fast 7 Prozent organischem Wachstum im ersten und im zweiten Quartal blieben im dritten Quartal noch 1,7 Prozent." Strukturelle Probleme sieht Lienhardt im Ems-Konzern derzeit nicht.

Bei der im Vergleich zu anderen Industrieaktien sehr hohen Bewertung (KGV von 24 für 2014) erstaunt ihn die Kurskorrektur angesichts der schwächelnden Märkte indes nicht. Beim Kurs erwartet Lienhardt allerdings keinen Absturz: "Die Euphorie vom ersten Halbjahr ist etwas vorbei, aber der Kurs kann in etwa so bleiben. Ich sehe kein signifikantes Abwärtspotenzial."

Eurozone als Risiko

Empfindlich treffen könnte Ems indessen eine weitere Verschlechterung der Konjunktur in der Euro-Zone, denn die Abhängigkeit von den europäischen Märkten ist mit einem Umsatzbeitrag von über einem Drittel hoch. Nachdem Ems auch beim Ausblick vorsichtig ist, passt die Bank Vontobel die Schätzwerte an: "Die strukturalen Wachstums- und Margentreiber bei EMS - Metallsubstitution durch Hochleistungspolymere -  bleiben intakt, die Endmärkte - Automobil - zeigen jedoch eine Abkühlung. Angesichts der hohen Bewertung und der geringeren Wachstumsdynamik bleiben wir fürs Erste abwartend", heisst es in einem Marktkommentar.

Für die Analysten positiv ist, dass Ems die hohe Marge möglicherweise halten kann. Das Unternehmen ist bekannt dafür, dass es schnell auf die Kostenbremse tritt.