Ist der Anstieg des Ölpreises bereits zu Ende?

Mit der Reduktion der Fördermenge hat die Opec die Ölmärkte auf dem falschen Fuss erwischt. Doch längst nicht alle Anlagestrategen halten den jüngsten Höhenflug des Rohöls für gerechtfertigt.
01.12.2016 08:32
Von Lorenz Burkhalter
An der Zapfsäule wird es nach dem Höhenflug der Rohölpreise für Verbraucher wohl wieder teurer werden.
An der Zapfsäule wird es nach dem Höhenflug der Rohölpreise für Verbraucher wohl wieder teurer werden.
Bild: Pixabay

An den Rohölmärkten spielten sich in den vergangenen 24 Stunden teils dramatische Szenen ab. Nachdem sich die Opec-Mitgliedsstaaten am Mittwoch in Wien allen Unkenrufen zum Trotz auf eine Senkung der Fördermenge durchringen konnten, schoss der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent Crude zeitweise um 12 Prozent nach oben. Anschlusskäufe sorgen am Donnerstag früh für eine Fortsetzung dieses Anstiegs. Das vorläufige Tageshoch liegt bei 52,61 Dollar je Fass (159 Liter).

Die 14 für gewöhnlich zerstrittenen Länder einigten sich ab dem 1. Januar 2017 auf eine Fördermengenreduktion um 1,2 Millionen auf 32,5 Millionen Fass pro Tag. Mit Russland erklärte sich zudem ein nicht dem Öl-Kartell angehörendes Förderland bereit, ebenfalls die Produktion zu drosseln. Wie es heisst, waren Leerverkäufer folglich auf dem falschen Fuss erwischt und zu Deckungskäufen gezwungen worden.

Berechtigte Zweifel bleiben

Nicht so stark scheint an den Märkten ins Gewicht zu fallen, dass sich mit Indonesien ein Opec-Mitglied gegen eine Senkung der eigenen Fördermenge sträubt und die Mitgliedschaft in der Organisation deshalb bis auf weiteres ausgesetzt hat.

Wie die für CMC Markets tätigen Rohstoffstrategen zu bedenken geben, entspricht die vereinbarte zukünftige Fördermenge noch immer dem Durchschnitt jener der ersten sechs Monate dieses Jahres. Gleichzeitig liege diese am oberen Ende der Produktionsbandbreite der vergangenen 10 Jahre, so schreiben die Experten weiter.

Berechtigte Zweifel sind auch im Zusammenhang mit der Verweigerung Indonesiens angebracht. CMC Markets zufolge produzierte das südasiatische Land zuletzt 720'000 Fass Rohöl im Tag. Wichtige Signale erhofft man sich nun vom geplanten Treffen mit den Nicht-Opec-Staaten vom 9. Dezember in Doha.

Ist das Ende der Fahnenstange beim Ölpreis erreicht?

Es gibt aber auch andere Einschätzungen für die zukünftige Ölpreisentwicklung. Diese stammen interessanterweise allesamt aus Übersee. Sofern die Opec-Länder die beschlossene Fördermengendrosselung auch wirklich umsetzen, sehen die Strategen der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley den Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent Crude zwischen 50 und 60 Dollar Fuss fassen. Nach dem Anstieg in den vergangenen 24 Stunden liegt dieser bereits in der Mitte dieser Prognosenspannweite.

Die Berufskollegen von Goldman Sachs rechnen hingegen damit, dass sich der Anstieg beim Rohöl kurzfristig fortsetzt. Dem Preis für ein Fass der Sorte WTI trauen sie einen Anstieg in die Region von 55 bis 56 Dollar zu. Vom aktuellen Stand aus entspricht das einem Aufwärtspotenzial um gut 12 Prozent. Anders als die Experten von Morgan Stanley machen die Strategen von Goldman Sachs diese Prognose von keinen Voraussetzungen abhängig.

Wie Händler ergänzen, müssen die Opec-Länder auf Worte nun auch Taten folgen lassen. Eine gewisse Skepsis bleibe, dass nicht alle Mitglieder die Fördermenge im vereinbarten Umfang kürzen werden, so lautet der Tenor.