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Ist der Lauf der Ems-Aktie vorbei?

Der Zuwachs bei der Ems-Aktie war lange Zeit beeindruckend. Seit einem Monat scheint jedoch die Luft etwas draussen zu sein. Wie es mit dem Titel weitergehen könnte.
25.04.2016 14:07
Von Pascal Züger
Ems-Chemie ist in einem spezialisierten Nischenmarkt tätig.
Ems-Chemie ist in einem spezialisierten Nischenmarkt tätig.
Bild: ZVG

Ende März kletterten die Aktien von Ems-Chemie aus Domat/Ems auf ein neues Allzeithoch von 505 Franken. Das bedeutete das vorläufige Ende einer imposanten Bergfahrt, bei welcher der Titel seit Mitte Oktober 2015 um über ein Drittel an Wert dazugewinnen konnte. Der aktuelle Kurs von 475 Franken bedeutet aber eine 6-prozentige Korrektur seit dem Höchststand, während der Gesamtmarkt im selben Zeitraum 5 Prozent dazugewann.

Kursverlauf der EMS-Aktien seit einem Jahr.

Die von Magdalena Martullo-Blocher geleitete Ems-Chemie hat in den letzten Jahren immer wieder mit sehr guten Betriebszahlen für Überraschungen im Markt gesorgt. So auch für das Geschäftsjahr 2015, wo der Reingewinn in einem von der Frankenstärke geprägten Umfeld um 10 Prozent gesteigert werden konnte. Analysten gingen von einem deutlich schlechteren Ergebnis aus, zumal 50 Prozent der Produktionskosten von Ems in der Schweiz anfallen und die Produkte fast ausschliesslich ins Ausland verkauft werden.

Einen Dämpfer gab es nun für einmal aber bei den Anfang April publizierten Umsatzzahlen für das erste Quartal: Zwar wuchs der Spezialchemiekonzern weiter, Analysten erwarteten jedoch mehr. Vor allem das Wachstum in der für Ems wichtigsten Sparte der Hochleistungspolymere – welche für über 85 Prozent des Umsatzes verantwortlich ist – fiel tiefer als erwartet aus. Dieser Bereich beinhaltet Spezialkunststoffe für komplexe technische Anwendungen.

Martullo-Blocher und ihr Management halten aber weiterhin an der Guidance für 2016 fest, welche lautet: Ein Nettoumsatz und EBIT leicht über dem Rekordjahr 2015. Gemäss einem Bericht der Zürcher Kantonalbank (ZKB) meint Ems mit "leicht" ein Wert von bis zu 10 Prozent. Gleichzeitig erwartet der Konsens ein Umsatzwachstum von 5,7 Prozent.

Attraktiv, aber teuer

Ems gilt in der Hochtechnologie-Nische als bestens positioniert. Der Fokus auf hochwertige Spezial-Produkte ermöglicht dem Bündner Unternehmen einen gewissen Spielraum bei der Preissetzung – was  in Zeiten eines starken Frankens sehr willkommen ist. Und es gibt weitere Vorzüge: "Das attraktive Geschäftsmodell, das erfahrene Management, die solide Bilanz, die starke finanzielle Position und die akzeptable Dividendenrendite sprechen für die Aktie", lobt der Analyst von J. Safra Sarasin in einem Bericht die Vorzüge der Ems-Aktie. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei 2,8 Prozent.

Trotzdem setzt er – und viele seiner Berufskollegen auch – den Titel auf "Halten". Ein triftiger Grund dafür ist die Bewertung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 für das Jahr 2016 ist für einen Industrie-Titel doch eine sehr hohe Zahl. Daher kam es im Umfeld der Veröffentlichung der Umsatzzahlen wohl auch zu Gewinnmitnahmen bei der Aktie.

Weiter problematisch ist die hohe Abhängigkeit von Europa. Sollte es - entgegen der gängigen Erwartungen zwar - zu einer Verschlechterung der Konjunktur in der Euro-Zone kommen, könnte dies Ems empfindlich treffen, zumal dieser Markt ungefähr ein Drittel des Umsatzes ausmacht.

Die immer noch tiefen Rohstoffkosten kombiniert mit einem Ems-Management, welches rigoros auf die Kostenbremse tritt, falls notwendig, sprechen allerdings dafür, dass Ems auch 2016 seine Ziele erreichen kann. Sollte es trotzdem zu einer Enttäuschung kommen, so muss auch das für Anleger nicht zwingend schlecht sein: "Vielleicht eröffnet eine temporäre Enttäuschung in Zukunft auch bei der Ems-Chemie einmal die Möglichkeit für ein Engagement in dieser in den seltensten Fällen günstigen Aktie – die aber qualitativ absolut hochstehend ist", ist in einem Kommentar der Neuen Helvetischen Bank zu lesen.