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Ist der «Prügelknabe» SGS jetzt ein Kauf?

Mit der SGS-Aktie liess sich in den letzten Monaten kein Geld verdienen. Die hohe Dividende versüsst den Aktionären jedoch das Warten auf bessere Zeiten.
02.06.2015 01:04
Von Lorenz Burkhalter
Bei SGS beträgt die Dividendenrendite vier Prozent.

Das sind unübliche Zeiten für die ansonsten erfolgsverwöhnten Aktionäre von SGS: Schon seit Monaten zeigt die Kursentwicklung beim Genfer Warenprüfkonzern nach unten. Mit einem Minus von 12 Prozent seit anfangs Jahr belegt das Unternehmen im Swiss Market Index den zweitletzten Rang. Nur beim Schlusslicht Swatch Group ist die Kursentwicklung noch schlechter.

Analysten mehrheitlich skeptisch

Nach wachstumsreichen Jahren harzt das Geschäft bei SGS. Nach einem bescheidenen Umsatzwachstum von 0,9 Prozent im vergangenen Jahr erwarten Analysten für dieses Jahr einen Umsatzrückgang von gut 3 Prozent. Schuld ist der starke Franken – aber eben nicht nur. Die zuvor ausgabefreudigen Kunden aus dem Bergbau und der Öl- und Gasindustrie sind zum Sparen gezwungen. Das bekommen auch die Genfer schmerzhaft zu spüren.

Bei den Banken kommt diese Stagnation gar nicht gut an. Gemäss Erhebungen der Nachrichtenagentur awp empfehlen vier von 19 Aktienanalysten die Aktie zum Verkauf. Weitere 12 von ihnen führen bestenfalls ein neutrales Anlageurteil. Einer von ihnen arbeitet für die Deutsche Bank. Erst vor knapp einer Woche nahm er eine Studie zum europäisch Warenprüfsektor zum Anlass, um die Aktie von SGS mit einem neu 1975 (1610) Franken lautenden Kursziel von "Halten" auf "Kaufen" hochzustufen.

Das Unternehmen verfüge über einen guten Leistungsausweis bei der Integration kleinerer Firmenakquisitionen. Noch bis vor wenigen Monaten war dieser Markt so ausgetrocknet, dass sich die drei europäischen Marktführer selbst um die kleinsten Firmen prügeln mussten. Gerade bei Anbietern mit einem hohen Gewinnbeitrag aus dem Bergbau oder der Öl- und Gasindustrie hat sich dieser Knoten seither gelöst.

Aktie eine verkannte «Dividendenperle»

Der Analyst der Deutschen Bank macht denn auch keinen Hehl daraus, dass 2015 zu einem Übergangsjahr für SGS wird. Ab dem Folgejahr rechnet er jedoch mit einer organischen Wachstumsbelebung. Sichtlich Gefallen findet der Verfasser der Sektorenstudie auch an der hohen Dividendenrendite von rund 4 Prozent. Gleichzeitig verweist er auf die grundsolide Bilanz.

Noch wird den Aktionären zwar einiges an Geduld und guten Nerven abverlangt. Die langfristigen Wachstumsaussichten haben sich trotz der frankenbedingten Delle nur bedingt eingetrübt. Die attraktiv hohe Dividendenrendite sollte über das Warten hinwegtrösten, bis das organische Wachstum im kommenden Jahr wieder anzieht.