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Ist die Actelion-Aktie noch immer «heiss»?

Bei den SMI-Titeln steht jener von Actelion regelmässig weit oben auf der Gewinnerliste. cash geht der Frage nach, ob die Aktie den Anlegern auch in Zukunft viel Freude bereitet.
28.07.2015 02:25
Von Lorenz Burkhalter
Mitgründer und Grossaktionär Jean-Paul Clozel stellt die Entdeckung neuer und bahnbrechender Therapien über den kurzfristigen finanziellen Erfolg.
Mitgründer und Grossaktionär Jean-Paul Clozel stellt die Entdeckung neuer und bahnbrechender Therapien über den kurzfristigen finanziellen Erfolg.
Bild: cash

Mit der Aktie von Actelion liess sich in der Vergangenheit gutes Geld verdienen. Alleine seit Jahresbeginn errechnet sich ein sattes Kursplus von 24 Prozent, den Dividendenabgang von Mitte Mai noch nicht einmal eingerechnet.

Damit steht der in Allschwil beheimatete Biotechnologiekonzern bei den im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Unternehmen auf Rang drei nach der UBS Group und Syngenta. Im Jahr zuvor führte Actelion die Gewinnerliste mit einem Plus von 55 Prozent sogar unangefochten an.

Vielversprechende neue Medikamente

Das nicht ohne Grund, trifft die Aktie doch den Nerv der Zeit. Schliesslich hat sich der führende amerikanische Biotechnologieindex in den letzten fünf Jahren nahezu versiebenfacht. Anleger sind heute bereit, deutlich tiefer für Unternehmen aus der Biotechnologieindustrie in die Tasche zu greifen als noch vor wenigen Jahren - auch für jene von Actelion. Auf Basis der nächstjährigen Konsensschätzungen wird letztere mit einem stolzen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 30 bewertet.

Es gibt allerdings auch unternehmensspezifische Gründe für das gute Abschneiden der Aktie. Der Hauptumsatzträger, das Bluthochdruck-Mittel Tracleer, bei den Allschwilern noch immer für gut drei Viertel des Jahresumsatzes von knapp 2 Milliarden Franken verantwortlich, ist in einigen wenigen Jahren zwar vom Patentablauf bedroht. Schon heute vertreibt das Unternehmen mit Opsumit jedoch ein kommerziell differenzierbares Nachfolgepräparat.

Durchzogenes zweites Quartal wirft seinen Schatten

Und schon heute gilt als sicher, dass mit Uptravi auch das dritte zur Behandlung von Lungenbluthochdruck vorgesehene Medikament über die nächsten sechs Monate die Marktzulassung erhält. Alleine schon für dieses Präparat schätzen Analysten das jährliche Umsatzpotenzial auf 1,2 bis 1,8 Milliarden Franken.

In der ersten Jahreshälfte trug Uptravi hingegen noch nicht zur Umsatz- und Gewinnentwicklung bei. Der vergangene Woche veröffentlichte Zahlenkranz kam bei Analysten nicht gerade gut an, musste Actelion beim Hauptumsatzträger Tracleer doch einen deutlichen Umsatzeinbruch um rund einen Viertel hinnehmen. Dass sich das Nachfolgepräparat Opsumit besser verkaufte, tröstet nicht darüber hinweg.

Denn genau hier drückt möglicherweise der Schuh: Der Erfolg von Opsumit frisst sich in den Umsatz von Tracleer. In Branchenkreisen wird in diesem Zusammenhang auch gerne von einer "Kannibalisierung" gesprochen.

Oft genannter Übernahmekandidat

Eigentlich sollte man meinen, die mittlerweile stolze Bewertung biete Actelion einen natürlichen Schutz vor unfreundlichen Übernahmeversuchen. Erst Anfang Juni schrieb die Tagespresse in England allerdings davon, dass die britische Shire dem Allschwiler Biotechnologiekonzern ein rund 12 Milliarden Pfund schweres Angebot unterbreitet habe. Dieses sei von Actelion zurückgewiesen worden.

Schon einmal zeigte das Unternehmen einem potenziellen Interessenten die kalte Schulter. Im November 2010 wurden Spekulationen wach, der grosse amerikanische Mitbewerber Amgen sei an Actelion herangetreten. Lag das diesmal herumgereichte Angebot bei umgerechnet 160 Franken je Aktie, geisterte damals ein Betrag von 70 bis 72 Franken durch die Finanzmedien. Selbst der Einstieg des feindlich gesonnenen Hedgefonds Elliott riss das Ruder nicht herum.

Aktie ein Liebling der Analysten

Es ist kein Geheimnis, dass Jean-Paul Clozel eigenständig bleiben will. Für den Mitgründer und Grossaktionär gewichtet die Entdeckung neuer und bahnbrechender Therapien höher als der kurzfristige finanzielle Erfolg. Alleine schon deshalb ist an einen Unternehmensverkauf auch in Zukunft wohl nicht zu denken.

Dennoch wird Actelion in Analystenkreisen oft und gerne als potenzieller Übernahmekandidat gehandelt. Von 17 Experten empfehlen immerhin sechs die Aktie des Biotechnologiekonzern zum Kauf. Weitere 10 stufen diese neutral ein und nur die Citigroup empfiehlt sie seit Mitte April mit einem optisch tiefen Kursziel von 90 Franken zum Verkauf.

Ob die Aktie von Actelion den Anlegern auch in Zukunft Freude bereitet, hängt vor allem vom Erfolg zukünftiger Schlüsselmedikamente wie Opsumit oder Uptravi ab. Die Aussichten für diese Präparate sind nicht schlecht, spiegeln sich aber grösstenteils im stolzen Unternehmenswert wider. Erfährt der als überhitzt geltende amerikanische Biotechnologiesektor einen Rückschlag, wird dieser vermutlich zu uns nach Europa überschwappen und auch den hiesigen Branchenvertretern zusetzen. Das wiederum lässt günstigere Einstiegsgelegenheiten vermuten.