Ist die AFG-Aktie jetzt ein Kauf?

Arbonia verzichtet auf einen Ausblick und streicht die Dividende. Analysten halten an ihren Kaufempfehlungen fest. Dass die Aktie frühe Kursgewinne wieder abgibt, spricht eine Sprache für sich.
03.03.2015 10:55
Von Lorenz Burkhalter
Er hat es vorgemacht und ist im Dezember bei AFG eingestiegen: Der neue Grossaktionär Michael Pieper.
Er hat es vorgemacht und ist im Dezember bei AFG eingestiegen: Der neue Grossaktionär Michael Pieper.
Bild: cash

Das hatte sich der neue Grossaktionär Michael Pieper wohl anders vorgestellt: Nach der Gewinnwarnung anlässlich der Jahresumsatzpräsentation von Ende Januar stellt AFG Arbonia Forster nun auch noch die Dividendenzahlung ein. Analysten hatten mit der Möglichkeit einer Reduktion, nicht aber mit einem Verzicht gerechnet.

Dass der traditionsreiche Bauzulieferer darüber hinaus bewusst auf einen Ausblick verzichtet, lässt tief blicken. Vermutlich stellt man sich am Hauptsitz in Arbon auf ein schwieriges Jahr ein.

In der Folge gibt die Aktie von AFG Arbonia Forster an der Schweizer Börse SIX anfängliche Kursgewinne vollumfänglich wieder preis. Aktuell notiert sie bei 18,55 Franken und damit auf dem Schlussstand vom Vortag.

Gewinnentwicklung ohne grössere Überraschungen

Einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank ist zu entnehmen, dass der operative Gewinn (EBIT) zwar knapp im Rahmen der Erwartungen ausgefallen sei, die bankeigenen Schätzungen jedoch ziemlich deutlich verfehlt worden seien. Während sich im Bereich Gebäudetechnik die Rubelabwertung bemerkbar gemacht habe, sei es im Bereich Gebäudehülle zu einem enttäuschenden Margenrückgang gekommen. Nur gerade der Bereich Gebäudesicherheit habe seine Erwartungen knapp erfüllt, so der Verfasser des Kommentars.

Wie der Analyst weiter schreibt, birgt der Ergebnisausweis nach der Gewinnwarnung vom Januar aus operativer Sicht wenig Überraschendes. Die deutlich angestiegene Nettoverschuldung sowie der Verzicht auf die Ausschüttung einer Dividenden dürften zusammen mit dem Unterlassen eines kurz- oder mittelfristigen Ausblicks eher enttäuschend aufgenommen werden. Er stuft die Aktie weiterhin mit "Marktgewichten" ein.

Skeptischer äussert man sich bei Kepler Cheuvreux. In einem Kommentar stösst sich der verantwortliche Analyst sowohl am Dividendenverzicht als auch am fehlenden Ausblick. AFG Arbonia Forster habe im vergangenen Jahr einen Mittelabfluss von 52 Millionen Franken erlitten und damit selbst die negativsten Erwartungen verfehlt. Er hält deshalb sowohl an der "Reduce" lautenden Verkaufsempfehlung als auch am Kursziel von 16 Franken fest.

Werfen erste Analysten ihr Handtuch?

Gemäss seinem für Baader Helvea tätigen Berufskollegen liegt der Zahlenkranz im Rahmen der nach der Gewinnwarnung vom Januar nach unten angepassten Erwartungen. Sichtlich enttäuscht zeigt er sich darüber, dass sich das Unternehmen noch nicht zu einem konkreten Ausblick für das laufende Jahr durchringen kann. Die Dividendenaussetzung greift er in seiner Erstreaktion gar nicht auf.

Im Vorfeld der für 10 Uhr angesetzten Analystenkonferenz hält man bei Baader Helvea sowohl an der Kaufempfehlung als auch am 22 Franken lautenden Kursziel fest.

Damit spricht er dem Analysten der UBS Investmentbank vermutlich aus der Seele. Auch dieser stuft die Aktie mit "Buy" und einem 12-Monats-Kursziel von 22 Franken ein. Einem Kommentar aus seiner Feder ist zu entnehmen, dass die Gewinnentwicklung im vergangenen Jahr nur knapp im Rahmen der Erwartungen liege. Insbesondere im Bereich Gebäudehülle habe AFG Arbonia Forster mit Gegenwind zu kämpfen. In diesem Zusammenhang sei auch der Verzicht auf einen Ausblick für das neue Jahr zu verstehen. Auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes rechnet der Analyst bei den Konsensschätzungen nicht mit grösseren Anpassungen.

MainFirst Bank rät entschieden von einem Einstieg ab

Händler schliessen nicht aus, dass der eine oder andere Analyst seine bisherige Kaufempfehlung überdenken wird. Klare Worte findet der Experte der MainFirst Bank. Er hält den Dividendenverzicht und das Vertrösten beim Ausblick auf Mitte Jahr als Beweis für die schwierige und unsichere Situation in welcher sich das Unternehmen befindet. Für ein strukturell nicht wachsendes und tiefmargiges Geschäft wie das von AFG Arbonia Forster sei die Aktienbewertung schlichtweg zu hoch. Er hält deshalb an der "Underperform" lautenden Verkaufsempfehlung sowie am Kursziel von 16 Franken fest und rät der eigenen Anlagekundschaft entschieden von einem Einstieg ab.