Ist die Flaute im Private Banking beendet?

Einst galt das Private Banking in der Schweiz als Königsdisziplin und als hochrentabel. Das war einmal. Allerdings sieht der Bankenanalyst der UBS ein Ende der Durststrecke.
01.09.2016 08:53
Von Lorenz Burkhalter
Für den UBS-Bankenanalysten der Musterknabe im Private Banking: Julius Bär.
Für den UBS-Bankenanalysten der Musterknabe im Private Banking: Julius Bär.
Bild: Bloomberg

Es gab eine Zeit, da galt das Private Banking in der Schweiz nicht nur als Königs-Disziplin, sondern auch als hochrentabel. Das Bankgeheimnis und die stabile politische Situation zogen sehr viel ausländisches Geld an. Allerdings gibt es das Bankgeheimnis in der ursprünglichen Form nicht mehr und auch andere Finanzmetropolen werben mittlerweile mit politischer Stabilität und Rechtssicherheit.

Für hiesige Banken kommen neben der immer erdrückenderen Regulierungsdichte erschwerend die Folgen der im internationalen Vergleich sehr tiefen Zinsen hinzu. Diese sorgen dafür, dass die Anlagekundschaft die Umstellungen in ihren Wertschriftendepots auf ein Minimum reduzieren.

Das alles drückt im Private Banking schon seit Jahren auf die Margen. Wie der für die UBS Investmentbank tätige Bankenanalyst schreibt, ist die Bruttomarge bei einigen Banken in diesem Geschäftszweig seit dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008 um bis zu 50 Basispunkte gefallen.

Zukünftig Margenerholung und neues Wachstum

Nun erklärt der UBS-Analyst die Flaute im Private Banking aber für ausgestanden. Das will etwas heissen, spielt sein Arbeitgeber weltweit doch ganz oben bei den führenden Vermögensverwaltern mit.

Kursentwicklung von Credit Suisse (rot) und Julius Bär (grün) im Vergleich zum SMI (violett), Quelle: www.cash.ch

Der Experte rechnet ab hier mit einer stabilen, wenn nicht gar steigenden Bruttomarge. Positive Impulse erhofft er sich von einer Verlagerung von Vermögen in Spezialmandate, steigenden Zinsen und dadurch anziehende Kundenaktivitäten sowie von wegfallenden Rabatten und vermehrter Preisdisziplin. Er sehe keinen Grund, weshalb Anlagekunden in Anbetracht der schlechten Renditemöglichkeiten nicht bereit sein sollten, eine Gebühr von 70 bis 80 Basispunkten für ein wertgenerierendes Mandat zu bezahlen, so der Analyst.

UBS nennt die möglichen Gewinner und Verlierer

Auch was die Wachstumsmöglichkeiten anbetrifft, wartet der Experte mit ermutigenden Aussagen auf. Seines Erachtens verfügen gerade die grösseren Schweizer Banken über eine starke Präsenz in den Schwellenländern. Gerade in den aufstrebenden Weltregionen verspricht er sich einen anhaltenden Zufluss neuer Kundengelder. Allerdings gibt der UBS-Analyst zu verstehen, dass längst nicht alle Banken über dieselben Wachstumsaussichten verfügen.

Der Experte zählt Credit Suisse, Julius Bär und Partners Group zu den möglichen Gewinnern. Die Aktien dieser drei Unternehmen empfiehlt er denn auch zum Kauf. Im Gegenzug rät er von den Regionalbankenaktien ab. Jene von BCV, St. Galler Kantonalbank und VZ Holding empfiehlt er sogar explizit zum Verkauf.

Viele dieser Aktien konnten sich kräftig von ihren Tiefstkursen von Anfang Juli erholen. Beim Swiss Performance Index notiert der Unterindex für Bankaktien mittlerweile gut 20 Prozent höher. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich beim Branchenbarometer seit Jahresbeginn noch immer ein Minus von knapp 24 Prozent errechnet.