Ist die Swisscom-Aktie totes Geld?

Obschon die renditestarke Swisscom-Aktie im Kurs bereits stark gefallen ist, bleibt die Credit Suisse skeptisch. Ihrer Meinung nach lässt sich über die nächsten 12 Monate kein Geld damit verdienen.
20.06.2016 08:25
Von Lorenz Burkhalter
Die Aktie von Swisscom hat in diesem Jahr 10 Prozent verloren.
Die Aktie von Swisscom hat in diesem Jahr 10 Prozent verloren.
Bild: Bloomberg

Schon Wochen bevor die Schweizer Stimmbevölkerung über die "Pro Service Public"-Initiative entschied, mussten die Aktionäre des Telekommunikationskonzerns Swisscom starke Nerven beweisen. Der Kurs der Aktie bröckelte in zermürbender Art und Weise vor sich hin.

Allen Unkenrufen zum Trotz wurde die für staatsnahe Unternehmen wie die Swisscom schädliche Vorlage ziemlich deutlich abgeschmettert. Wer kurz vor dem Abstimmungswochenende auf eine deutliche Kurserholung setzte - und das waren dem Vernehmen nach nicht wenige - wurde allerdings enttäuscht. Nach einem kurzen Vorstoss bis auf 490 Franken fiel die Aktie in altes Fahrwasser zurück und büsste gut 7 Prozent ihres Werts ein.

Klare Worte findet die Credit Suisse. In einer Unternehmensstudie streicht die Schweizer Grossbank zu Wochenbeginn das Kursziel auf 450 (475) Franken zusammen. Auch wenn es der Studienautor nicht explizit schreibt, so lässt er zumindest durchblicken: Mit der beliebten, weil renditestarken Swisscom-Aktie lässt sich über die nächsten 12 Monate kein Geld verdienen. Sie ist "totes Geld".

Gegenwind dort, wo es weh tut

Das optisch tiefe Kursziel lässt sich damit erklären, dass die Schätzungen des Analysten für den zukünftigen operativen Gewinn (EBITDA) um bis zu 2 Prozent unter den Prognosen anderer Berufskollegen liegen. Er befürchtet, dass der heimische Telekommunikationsmarkt selbst dann noch schrumpft, wenn er in anderen europäischen Ländern bereits wieder wächst.

Die Swisscom-Aktie seit Anfang März, Quelle: www.cash.ch

Im Festnetzbereich erwartet die Credit Suisse eine Kanibalisierung durch den Mobilfunk. Ausserdem schliesst sie einen Vorstoss des Mitbewerbers Salt in diesen bei Swisscom rund 10 Prozent zum Jahresgewinn beitragenden Geschäftszweig nicht aus.

Auch im Mobilfunkbereich erwartet der Studienautor eine Wachstumsverlangsamung, wenn auch nur eine lineare. Das Kundeninteresse an den vor vier Jahren eingeführten Infinity-Tarifen habe spürbar nachgelassen, so schreibt er.

Analyst ist in bester Gesellschaft

Aufgrund dieses Gegenwinds in den wichtigsten Geschäftsfeldern hält der Experte den Bewertungsaufschlag der Swisscom-Aktie (EV/EBITDA von 7,4 gegenüber 6,1 für den europäischen Telekommunikationssektor) für zu hoch.

Mit seiner "Underperform" lautenden Verkaufsempfehlung steht er allerdings nicht alleine da. Gemäss Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP raten sieben weitere Experten zum Verkauf dieses Valors. Nur gerade vier empfehlen ihn hingegen zum Kauf. Das optisch hohe durchschnittliche Kursziel von 520 Franken dürfte über die nächsten Wochen wohl noch nach unten angepasst werden. Auf den diesjährigen Schätzungen errechnet sich eine Dividendenrendite von fast 5 Prozent, was im Vergleich mit anderen Aktien aus der Schweiz überdurchschnittlich attraktiv bleibt.