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Ist diese Bank-Aktie so solide wie ihr Ruf?

Die Aktie der Bank Vontobel hat innerhalb von zwölf Monaten 38 Prozent an Wert gewonnen. Trauen die Anleger dem Geldhaus besonders, weil es ein solch konservatives Image hat?
21.05.2015 12:59
Von Marc Forster
Logo am Hauptsitz der Bank Vontobel in Zürich.

Als solide beschreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) die Art und Weise, wie die Bank Vontobel geführt wird. Den Eindruck anderer Analysten, dass das 1924 gegründete Geldhaus zu behäbig oder zu vorsichtig geführt sei, teilt der Experte von der ZKB nicht. Bodenständig sei nicht gleich langweilig, hiess es in einem Kommentar von Mitte März.

Die Zeiten, in denen Vontobel über 77 Franken kosteten, waren im Sommer 2007. Das kann wiederum nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aktie der Zürcher Vermögensverwaltungsbank einen bemerkenswerten Wertzuwachs hinter sich hat. Die Vontobel-Aktie befindet sich derweil auf ihrem höchsten Stand seit der Finanzkrise: Im April erreichte das Papier mit 43,15 Franken und steht aktuell, nach einem Taucher durch den Dividendenabgang, bei 42,95 Franken immer noch so hoch wie lange nicht mehr.

Privatkundengeschäft nicht übermässig profitabel

Mit den drei Standbeinen Privatkundengeschäft, Investmentbank und Asset Management fährt Vontobel operativ derzeit gut. Das Private Banking ist nicht übermässig profitabel, doch kann die Bankengruppe mit einer starken Stellung im hart umkämpften Geschäft mit strukturierten Produkten punkten. In der Schweiz ist Vontobel dort auf Platz drei und kann die Kunden auch mit dem Argument rekordtiefer Zinsen ködern.

Zudem scheint es der Bank zu gelingen, die hohe Kapitalbindung in der Investmentsparte zu reduzieren. Verletzlich ist die rund 1600 Mitarbeiter zählende Gruppe allerdings dadurch, dass Schlüsselpersonen eine wichtige Rolle spielen: Abgänge können das Geschäft spürbar negativ beeinflussen.

Den Anlegern flösst die Bank mit ihrer soliden Kapitalposition Vertrauen ein. Zudem sind Mittel vorhanden für Zukäufe. Die Vontobel-Führung sagt, sie sei pingelig bei Zukauf-Möglichkeiten: Rechtsrisiken wolle man nicht dazukaufen und auch das Risiko eines zu grossen Geldabflusses bei der Übernahme eines Vermögensverwalters will man nicht eingehen.

Überdurchschnittliche Dividendenrendite

Generell sind die Analysten mit Empfehlungen und Kurszielen zurückhaltend: Die meisten Analysten setzen Vontobel auf Hold. Die ZKB hat ihr "Übergewichten" aber zuletzt im März bestätigt, zudem hat die Citigroup ihre Empfehlung soeben von "Neutral" auf "Buy" gestellt und gibt sich mit einem Kursziel von 47 Franken im Vergleich auch ausgesprochen optimistisch.

Was bei Vontobel noch auffällt, sind die Dividendenrendite und die Bewertung. Die Dividendenrendite von 3,7 Prozent liegt über jener der Bank Julius Bär (2 Prozent) oder der EFG-Finanzgruppe (1,9 Prozent). Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,2 ist die Aktie nicht übermässig teuer – Julius Bär kommt auf 18,3, EFG liegt dafür mit 14,1 einiges darunter.