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Ist dieser gefallene Börsenliebling ein Kauf?

Geberit gilt bei Anlegern als Musterschüler. In den letzten zwei Wochen ist die Aktie jedoch weit zurückgefallen. cash geht der Frage nach, ob sich der Einstieg für Anleger nun aufdrängt.
13.05.2015 08:33
Von Lorenz Burkhalter
Die Übernahme von Sanitec durch Geberit stösst immer mehr auf Kritik.
Die Übernahme von Sanitec durch Geberit stösst immer mehr auf Kritik.
Bild: www.geberit.com

Geberit ist eine Erfolgsgeschichte - und das nicht nur für die Aktionäre. Innerhalb von gerade mal sechs Jahren hat sich der Börsenwert des Ostschweizer Sanitärtechnikkonzerns vervierfacht.

Doch seit das Unternehmen vor gut zwei Wochen mit einem ungewöhnlich schwachen Zahlenkranz aufwarten musste, bietet sich den erfolgsverwöhnten Aktionären ein ungewohntes Bild: Die Aktie hat gut 10 Prozent verloren und liegt damit sogar unter dem Stand von Anfang Jahr.

Rückblickend erwiesen sich solche Rückschläge in den letzten Jahren immer wieder als günstige Einstiegsgelegenheit. Doch diesmal könnte alles etwas anders sein.

Qualität hat seinen Preis, aber...

Denn mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 25 und einem Verhältnis vom Unternehmenswert zum operativen Gewinn (EBITDA) von 19 auf Basis der diesjährigen Konsensschätzungen, mussten Anleger noch nie zuvor so tief in die Tasche greifen für die Geberit-Aktie.

Qualität hat eben seinen Preis, so könne man jetzt argumentieren. Der Leistungsausweis des Ostschweizer Vorzeigeunternehmens kann sich jedenfalls sehen lassen. In einem schwierigen Branchenumfeld liess Geberit andere Anbieter sowohl beim organischen Umsatzwachstum als auch bei den Margen weit hinter sich zurück.

...die stolze Bewertung macht die Aktie verletzlich

Mitte Oktober legte der in Rapperswil-Jona beheimatete Sanitärtechnikkonzern den Aktionären des finnischen Rivalen Sanitec ein 1,3 Milliarden Franken schweres Übernahmeangebot vor. Am Tag der Bekanntgabe entsprach die Offerte einem Aufschlag von knapp 55 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag. Kein Wunder, dienten nahezu alle Sanitec-Aktionäre ihre Aktien an.

Nach der Quartalsergebnispräsentation von vor zwei Wochen wird die Übernahme von Sanitec allerdings sehr viel kritischer beurteilt als zuvor. Dass die Firmentransaktion bei Geberit trotz Synergien auf die Margen drücken wird, war von Anfang an klar. Doch dass die finnische Tochter in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen organischen Umsatzrückgang von 2,5 Prozent zu beklagen hatte, war neu und kam weder bei den Analysten noch bei den Anlegern an.

Die stolze Bewertung von Geberit macht die Aktie verletzlich für negative Überraschungen wie die bei Sanitec.

Geberit wird nun an Sanitec gemessen

In Analystenkreisen scheiden sich denn auch die Geister, was das Vorzeigeunternehmen anbetrifft. Von 11 Experten rät nur gerade jener von Goldman Sachs zum Kauf der Aktie. Er sieht diese innerhalb der nächsten 12 Monate auf 390 Franken steigen. Acht seiner Berufskollegen fällen ein neutrales Anlageurteil, zwei sogar ein negatives.

In einem Punkt sind sich allerdings alle Analysten einig: Geberit wird in Zukunft am Ergebnisbeitrag von Sanitec gemessen. Gelingt es dem Ostschweizer Mutterhaus, die finnische Tochter wieder auf Erfolgskurs zu bringen, sollte sich die Aktie erholen. Die Erwartungen an die Synergien sind jedoch hoch und die Integration mit Risiken verbunden.

Vermutlich wird letztere zu einer Geduldsprobe für die Aktionäre. Anders als in den letzten Jahren muss sich der jüngste Kursrückschlag deshalb nicht zwingend auch als günstige Einstiegsgelegenheit erweisen.