Italien-Referendum lässt Schweizer Anleger kalt

Die gescheiterte Verfassungsreform in Italien hat an der Schweizer Börse am Montag nicht zu Turbulenzen geführt. Zudem ermutigten überraschend gute Konjunkturzahlen die Marktteilnehmer zu Käufen.
05.12.2016 17:50
Den ganzen Montag mit Schub unterwegs: die Schweizer Börse.
Den ganzen Montag mit Schub unterwegs: die Schweizer Börse.
Bild: cash

Der SMI legt bis Börsenschluss 0,8 Prozent auf 7846 Punkte zu. Gefragt waren vor allem Aktien zyklischer Firmen. Das Nein der Italiener sei wohl bereits in der Vorwoche in die Kurse eingearbeitet worden, erklären Händler. Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi kündigte seinen Rücktritt an, Italien droht nach der Ablehnung der Verfassungsreform eine politische Hängepartie.

"Das Erdbeben ist ausgeblieben", sagt ein Händler. Es überwiege die Erleichterung, dass ein weiterer Unsicherheitsfaktor ausgeräumt sei. "Ich würde am heutigen Tag nicht das Wort Euro-Krise in den Mund nehmen", sagt Thomas Gitzel von der VP Bank. Italien könnte nun eine Technokratenregierung erhalten, was nicht unbedingt schlecht sei. Übergangsregierungen in Europa hätten manchmal mehr hinbekommen als reguläre. Manche Analysten schliessen aber eine Phase der Unsicherheit in der hoch verschuldeten drittgrössten Volkswirtschaft der Euro-Zone nicht aus.

Die Aktien der Credit Suisse notieren um 0,4 Prozent höher und die der UBS ziehen 1,2 Prozent an. Händlern zufolge bleibt abzuwarten, was der Ausgang des Verfassungsreferendums für die Bemühungen Italiens bedeute, die Probleme bei einigen Banken in den Griff zu kriegen. Die Banken des Landes sitzen auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg von Krediten, deren Rückzahlung fraglich ist. Dies könnte sich negativ auf die Banken anderer Länder auswirken, befürchtet ein Händler. "Momentan scheint das die Anleger nicht zu kümmern. Früher oder später dürfte aber wieder die Angst aufkommen, die Geldhäuser anderer Länder könnten sich anstecken", sagt ein Börsianer.

Warten auf den Investorentag der Credit Suisse

Mit Spannung erwarten Anleger die Investorenveranstaltung der Credit Suisse am Mittwoch in London. Einem Bericht der "Schweiz am Sonntag" zufolge plant die Grossbank den Abbau von weiteren 1000 bis 1300 Stellen in der Schweiz. Die Massnahme soll auf dem Investorentag angekündigt werden. Credit Suisse wollte sich zu dem Bericht nicht äussern.

Volatil zeigten sich die Actelion-Aktien. Nach einem Auf und Ab notiert der Biotech-Wert schliesslich um 0,6 Prozent tiefer. Novartis-Chef Joseph Jimenez hat Spekulationen entkfäftet, sein Unternehmen könnte ein Angebot für die vom US-Konzern Johnson & Johnson umworbene Biotech-Firma abgeben. "Wir haben immer wieder gesagt, dass wir uns auf ergänzende Akquisitionen im Rahmen von zwei bis fünf Milliarden US-Dollar konzentrieren", sagte Jimenez dem "Sonntagsblick" auf die Frage, ob Novartis bei einer Übernahme als "weisser Ritter" auftreten könnte. Actelion ist an den Börsen derzeit mehr als 21 Milliarden Dollar wert. Die Titel von Actelion-Aktionär BB Biotech legen 3,6 Prozent zu.

Gefragt waren die Anteile der Luxusgüterhersteller. Die Titel von Richemont und Swatch legen 2,2 und 4,6 Prozent zu und setzen sich damit an die Spitze der Standardwerte. Bei ausländischen Luxusgüterherstellern zieht das Geschäft in China an. Die Reichen des Landes hätten nach dreijähriger Zurückhaltung wieder den heimischen Markt für ihre Luxuseinkäufe entdeckt. In den vergangenen drei Jahren hatte das harte Durchgreifen der Regierung gegen Korruption und das Anprangern von Prunk reiche Chinesen verschreckt. Zudem setzte die Zürcher Kantonalbank Swatch als hinterherhinkenden Titel auf die Favoritenliste für 2017 und SocGen gab eine Kaufempfehlung für den Uhrenwert ab.

Meyer Burger sacken weiter ab

Andere Zykliker wie der Elektrotechnikkonzern ABB, der Personalvermittler Adecco, der Chemikalienhersteller Clariant und der Zementproduzent Lafarge-Holcim gewinnen bis zu 2 Prozent an Wert. Givaudan büsst als einziger Bleuchip neben Actelion 1,1 Prozent an Wert ein.

Stützen des Marktes sind auch die Anteile der Index-Schwergewichte aus dem Pharma- und Lebensmittelsektor, auch wenn die Gewinne im Verlauf etwas abbröckelten. Novartis und Roche legen 1,1 und 0,7 Prozent zu, Nestlé sind gehalten.

Am breiten Markt sacken die Anteile von Meyer Burger 7,4 Prozent ab. Die Aktionäre des Solarindustrie-Ausrüsters hiessen am Freitag umfangreiche Kapitalmassnahmen gut.

(Reuters/cash)