Italienische Krisen-AirlineEtihad gibt Alitalia noch nicht auf

Die arabische Fluggesellschaft Etihad hat ihre vor vom Aus bedrohte Beteiligung Alitalia noch nicht aufgegeben. Es gebe weiterhin starke Verbindungen zwischen Alitalia und Etihad.
06.06.2017 15:35
Sucht dringend einen Käufer: die italienische Fluggesellschaft Alitalia.
Sucht dringend einen Käufer: die italienische Fluggesellschaft Alitalia.
Bild: Bloomberg

"Wir sind offen, alle Optionen zu prüfen, um diese Verbindungen beizubehalten und möglicherweise zum gemeinsamen Vorteil zu vertiefen", sagte ein Etihad-Sprecher am Dienstag.  Die einstige italienische Staatsfluglinie Alitalia sucht nach einem geplatzten Sanierungsplan dringend nach einem Käufer. Grossaktionär Etihad hatte sich geweigert, weiteres Geld zuzuschiessen, nachdem die Alitalia-Belegschaft einen Sanierungsplan inklusive herber Einschnitte abgelehnt hatte.

Alitalia fliegt seit Jahren rote Zahlen ein. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Il Sole 24 Ore" haben inzwischen etwa 30 Airlines und Finanzinvestoren unverbindlich Interesse an der einstigen Staatsfluglinie bekundet. Dem Bericht zufolge könnten darunter die Fluglinien Delta, Air France-KLM und Etihad sowie die Private-Equity-Firmen TPG und Cerberus sein.

Etihads Milliardengräber in Europa

Alitalia schleppt einen Schuldenberg von rund drei Milliarden Euro mit sich herum, dem lediglich Vermögenswerte von 921 Millionen Euro gegenüberstehen. Interessenten können Gebote für das gesamte Unternehmen oder nur für die Vermögenswerte abgeben. Zudem können sie Sanierungspläne für die Gesellschaft vorlegen. Etihad hatte sich im Jahr 2014 mit 49 Prozent an Alitalia beteiligt und wollte die Italiener wie die deutsche Fluggesellschaft Air Berlin zu einem Zubringer für ihr Drehkreuz im arabischen Emirat Abu Dhabi aufbauen. Beide Investitionen erwiesen sich für die Araber jedoch als Milliardengrab.

Die US-Fluglinie Delta liess lediglich wissen, dass sie sich die Entwicklung bei Alitalia anschaue. Die Gesellschaft arbeitet gemeinsam mit Air France-KLM mit den Italienern zusammen. Lufthansa , Ryanair und die British-Airways-Mutter IAG haben hingegen schon abgewinkt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte beim Weltluftfahrtverband IATA in Cancun, sein Konzern werde sich freiwerdende Start- und Landerechte sowie Flugzeuge ansehen, wenn diese nach einer Alitalia-Insolvenz zur Disposition stünden. Chancen in Italien sieht er vor allem für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings.

Die Alitalia-Sonderverwalter arbeiten derzeit an einem Geschäftsplan für das Unternehmen, der Ende Juli vorliegen und über 18 Monate reichen soll. Alitalia wollte sich zu dem Thema am Dienstag nicht äussern.

(AWP)