Italienisches Kaufangebot für Charles Vögele

Das seit Jahren defizitäre Bekleidungsunternehmen Charles Vögele soll nach Italien verkauft werden. Die Aktien dürften von der Schweizer Börse verschwinden.
19.09.2016 09:18
Vögele-Läden kämpfen mit sinkenden Umsätzen.
Vögele-Läden kämpfen mit sinkenden Umsätzen.
Bild: iNg

Eine Investorengruppe um den italienischen Modekonzern OVS legt ein Übernahmeangebot für alle ausstehenden Aktien der Charles Vögele Holding (VCH) vor. Der VCH-Verwaltungsrat empfiehlt den Aktionären die Annahme des Angebotes.

Die Investorengruppe Sempione Retail AG um den italienischen Modekonzern OVS offeriert einen Betrag von 6,38 CHF je Aktie. Dies entspreche dem volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten 60 Handelstage und einer Prämie von 2,1% gegenüber dem Schlusskurs vom 16. September 2016, heisst es in einer Mitteilung vom Montag. Das Angebot seht unter der Bedingung einer Mindestkontrollquote von 70%.

Der VCH-Verwaltungsrat unterstützt das Angebot und empfiehlt es einstimmig zur Annahme. Aus industrieller Sicht mache die Transaktion im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung des Textilmarktes Sinn, zeigt sich der Verwaltungsrat in der Mitteilung überzeugt. Die Übernahme und die Zusammenarbeit mit OVS werde den Turnaround und eine Rückkehr zur Profitabilität beschleunigen.

Grossaktionär Aspen bleibt beteiligt

Die Angebotsfrist wird voraussichtlich vom 26.Oktober bis zum 23.November dauern und bis Ende 2016 soll die Übernahme abgeschlossen sein. Der detaillierte Angebotsprospekt werde innerhalb der nächsten 4 Wochen veröffentlicht, heisst es. Unterstützt wird das Angebot auch vom Vögele-Grossaktionär Aspen Trust, der den Angaben zufolge aktuell 15,2% an Charles Vögele-Aktien hält und auch zu 20,5% an der Sempione AG beteiligt ist. Das Angebot bewertet den ganzen VCH-Konzern mit rund 56 Mio CHF.

OVS sieht in der Übernahme eine "einmalige Gelegenheit, die internationale Expansion der Marke zu beschleunigen", wie CEO Stefano Beraldo in der Meldung sagt. Im Geschäftsjahr 2015 erzielte das an der italienischen Börse kotierte Unternehmen einen Nettoumsatz von 1,3 Mrd EUR. Zum Vergleich: Charles Vögele erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von gut 0,8 Mrd CHF und erlitt dabei einen Verlust von 62 Mio CHF.

Nach erfolgreichem Abschluss des öffentlichen Kaufangebots sollen die VCH-Aktien von der SIX Swiss Exchange dekotiert werden. Der neue Eigentümer werde sich dann auf die strategischen Märkte Schweiz, Österreich, Ungarn und Slowenien konzentrieren. Die Vertriebsorganisation in Deutschland soll dagegen verkauft werden. Eine entsprechende Vereinbarung mit einem europäischen Detailhändler sei bereits unterzeichnet worden, heisst es weiter.

Immobilien werden an Drittpartei verkauft

Ab Vollzug des Kaufangebots wird der gesamte VCH-Verwaltungsrat zurücktreten. Anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung in der Nachfrist der Andienungsperiode soll dann ein neuer Verwaltungsrat gewählt, wofür Sempione Retail drei Vertreter vorschlagen würde. Der Hauptsitz von Charles Vögeles werde aber in der Schweiz bleiben und auch das aktuelle Management werde an der Ausarbeitung eines Transformationsplans beteiligt sein, heisst es.

Für das Liegenschaftsportfolio von Charles Vögele in der Schweiz sei eine Lösung gefunden worden. Unter der Bedingung eines erfolgreichen Ausgangs des Angebots würden die Liegenschaften an eine Drittpartei verkauft, so die Meldung. Mit dem erwarteten Bruttoerlös von 169 Mio CHF daraus soll ein "substantieller Teil" des ausstehenden Syndikatskredits zurückbezahlt werden. Ein Teil der veräusserten Liegenschaften soll dann wieder zurückgemietet werden.

(AWP)