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Italiens unbekannte Star-Aktie

Der weltgrösste Brillenhersteller Luxottica ist eine der Überflieger-Aktien an Italiens Börse. Und doch ist sie vielen Anlegern kaum bekannt. Trotz starkem Wachstum in der Vergangenheit hat der Titel noch Potenzial.
19.08.2015 12:48
Von Ivo Ruch
Steve McQueen mit der legendären Persol-Sonnenbrille, die zum Luxottica-Imperium gehört.
Steve McQueen mit der legendären Persol-Sonnenbrille, die zum Luxottica-Imperium gehört.
Bild: eyegoodies.com

So unbekannt und doch so erfolgreich: Das italienische Unternehmen Luxottica ist der weltgrösste Hersteller von Brillen und doch den meisten seiner Kunden kein Begriff. Denn zum Imperium mit Sitz im Veneto gehören Marken wie Oakley, Persol oder Ray-Ban. Daneben stellt Luxottica auch für eine Vielzahl anderer Marken (Armani, Burberry, Chanel, Versace etc.) Brillen her. Zudem ist der Konzern weltweit mit eigenen Verkaufsläden präsent.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 32 Milliarden Euro ist Luxottica auch an der italienischen Börse ein Schwergewicht. Grösser sind nur die Banken UniCredit (35,9 Milliarden) und Intesa Sanpaolo (58,6) sowie die Energiekonzerne Enel (40,3) und Eni (57,8). Auch in Bezug auf die Performance mischt Luxottica ganz vorne mit. Im laufenden Jahr hat die Aktie mehr als 47 Prozent dazugewonnen, während der Leitindex FTSE MIB nur etwa halb so stark gewachsen ist.

Noch beeindruckender ist der Kursanstieg über einen längeren Zeitraum – auch in Anbetracht von Italiens wirtschaftlicher Stagnation in den letzten Jahren. Seit März 2009 ist die Luxottica-Aktie von 9,30 Euro auf aktuell 65,53 Euro geklettert – ein Plus von rund 600 Prozent. Damit stellt Luxottica auch internationale Star-Aktien wie Google oder Facebook in den Schatten.

Luxottica-Kursverlauf in den letzten zehn Jahren, Quelle: cash.ch

Zwar verkauft das Unternehmen einen Grossteil seiner Brillen ausserhalb Europas (58 Prozent in den USA) und hat dort unter anderem vom starken Dollar profitiert. Doch als zyklischer Konsumtitel profitiert der Konzern in jüngster Zeit auch von der anziehenden Konjunktur in Europa und speziell in Italien von den eingeleiteten Strukturreformen.

Kein Schnäppchen mehr

Auch in Zukunft dürfte Luxottica vom positiven Konsumumfeld in den USA profitieren – vor allem dank der Marke Ray Ban. Kommt hinzu, dass die Gruppe in Schwellenländern noch Wachstumspotenzial hat.

"Das Rezept ist einfach", schrieb kürzlich die einflussreiche Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" über Luxottica. Je mehr Gewinn man mache und je stärker man ihn vermehre, desto grösser die Belohnung an der Börse. "Einfach, aber vorhersehbar."

Im zweiten Quartal des laufenden Jahres wuchs der Gruppen-Umsatz um 21 Prozent auf den Rekordwert von 2,5 Milliarden Euro. "Wir blicken mit Zuversicht auf das zweite Halbjahr. Die Resultate der ersten sieben Monate sind stark und profitierten von einer guten Sonnen-Saison", kommentierte CEO Massimo Vian die Zahlen. Die Aktienhausse hat die Aktie aber schon teuer gemacht. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beläuft sich mittlerweile auf mehr als 40.

Und noch etwas könnte den Kurs treiben: Eine Strategiestudie der Anlageprofis von Exane BNP Paribas nannte Luxottica unlängst als eine der Aktien mit der höchsten Abhängigkeit von der Zinsentwicklung.

Vom Waisenhaus auf die Reichenliste

In die Schlagzeilen kam Luxottica unlängst auch dank Google. Die Italiener sollen in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Tech-Giganten an einer neuen Version der Computerbrille Google Glass arbeiten.

Der Höhenflug an der Börse hat aus dem Unternehmensgründer und Grossaktionär Leonardo del Vecchio einen vermögenden Mann gemacht. Aufsehen erregend ist auch seine persönliche Geschichte. Der Mailänder wuchs teilweise in einem Waisenhaus auf und eröffnete im Alter von 23 seine eigene Brillenwerkstätte. Heute amtiert del Vecchio noch als Präsident des Luxottica-Verwaltungsrats und gilt nach dem Tod von Michele Ferrero als reichster Italiener.