Ivan Glasenberg - Glencore-CEO: «Die Schweiz passt zu uns»

Ivan Glasenberg - Milliardär, CEO und Miteigentümer des Rohstoffgiganten Glencore - bekannte sich an einem seiner raren öffentlichen Auftritte zum Standort Schweiz von Glencore.
23.05.2017 06:42
Von Daniel Hügli, Baar ZG
Ivan Glasenberg in einer Aufnahme aus dem letzten Jahr.
Ivan Glasenberg in einer Aufnahme aus dem letzten Jahr.
Bild: Bloomberg

Die Schweiz ist für ausländische Unternehmen unberechenbarer geworden. Das Nein zur Unternehmenssteuerreform III im Frühling war das letzte Signal eines Schweizer Stimmvolkes, das in wichtigen Urnengängen in den letzten Jahren mehr und mehr gegen die Empfehlungen der Wirtschaftsverbände entschieden hatte.

Einige ausländische Unternehmen haben aufgrund der für sie unsicherer gewordenen Situation Konsequenzen gezogen. So entschied sich der Sicherheitskonzern Tyco 2014, den globalen Hauptsitz von Neuhausen SH nach Irland zu verlegen. Die Schweiz wurde dem Management zu "unberechenbar". Auch der Ölservice-Konzern Weatherford verliess nach nur sechs Jahren die Schweiz wieder. Und Rohstoffhändler weisen immer mal wieder darauf hin, dass die Schweiz kontinuierlich an Attraktivität verliere. 

Ähnliche Gedanken und Pläne hegt man beim Rohstoffgiganten Glencore offenbar nicht. "Es gibt keinen Grund, dass wir Zug den Rücken kehren", sagte der CEO von Glencore, Ivan Glasenberg, am Montagabend an einer der ersten grösseren Schweizer Glencore-Medienveranstaltungen am Konzernsitz in Baar ZG. "Die Schweiz passt zu uns", so Glasenberg weiter, der 8,4 Prozent am Kapital des Unternehmens hält.

Der als verschwiegen bekannte Konzern, der seine Aktien seit 2011 an der Börse in London kotiert hat, beschäftigt rund 800 Angestellte in Baar, von wo der Hauptteil des weltweit tätigen Konzerns operativ und strategisch geleitet wird. Insgesamt zählt Glencore 155'000 Angestellte, wovon viele unter Tage in Minen arbeiten - "in einem potenziell gefährlichen Umfeld", wie Glasenberg anmerkt. Von den umsatzstärksten börsenkotierten Unternehmen Europas 2016 rangiert Glencore auf Platz 5, noch vor Nestlé (9. Platz) oder Roche (32. Platz). 

Giganten aus dem Rohstoffhandel

Der Südafrikaner Glasenberg findet an der Schweiz vor allem Gefallen an der geografischen Lage, an den Transportanbindungen und am hohen Ausbildungssniveau der Arbeitskräfte. Die steuerlichen Vorteile und auch die Stabilität, welche die Schweiz und insbesondere der Kanton Zug Firmen aus dem Rohstoffsektor bieten, liess Glasenberg indes unerwähnt.

Auffallend viele Giganten aus dem weltweiten Rohstoffhandel haben ihren Sitz in der Schweiz. Von den zehn umsatzstärksten Unternehmen der Schweiz sind deren sieben Rohstoffkonzerne. Sie tragen gegen 4 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei. So hat Vitol, umsatzstärkste Schweizer Firma und weltgrösster unabhängiger Erdölhändler, ihren Sitz in Genf.

Dass die Rohstoffbranche generell einen schlechten Ruf hat und auch für viele Institutionelle Anleger nicht investierbar ist, wurde auch an der Medienveranstaltung am Montag in Baar offensichtlich. Fast die Hälfte der Zeit verbrachte Glasenberg und seine Mitarbeiter mit der Beantwortung von Journalistenfragen zu Umweltverschmutzung und Arbeitsbedingungen - Themen, mit welchen Nichtregierungsorganisationen (NGO) Unternehmen wie Glencore permanent auf Trab halten. 

Egal sein können solche "issues" Glencore nicht. Zwar blieb die Schweizer Volksinitiative "Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln" im Februar 2016 an der Urne chancenlos, dennoch ist die Kritik am Rohstoffhandel in der Schweiz nicht kleiner geworden. Wohl auch deshalb ging Glencore am Montag auch in der Schweiz für einmal in die PR-Offensive. 

Mögen die Schweizer Glencore nicht?

"Auf der ganzen Welt ist man stolz, mit und für uns zu arbeiten. Überall verstehen wir uns gut mit den lokalen NGO. Nur die Schweizer sind gegen uns", klagte Glencore-Sprecher Charles Watenphul im "NZZFolio" im September 2014. Es falle ihm schwer zu begreifen, warum die Schweizer Glencore nicht mögen. Viele Missverständnisse führte er darauf zurück, dass die Schweiz keine Minen besitze und deshalb nicht wisse, wie es unter der Erde zugehe. Sein Fazit damals im "NZZFolio": "Wir müssen mehr erzählen." 

Dabei war Glencore in den letzten zwei Jahren sehr mit sich selber beschäftigt. Glasenberg, der Glencore seit 2002 führt, hatte das Unternehmen mit zahlreichen Übernahmen zu einem Giganten der Rohstoffbranche gemacht. Seine Strategie ist die Zusammenführung des klassischen Bergbaugeschäfts mit dem Rohstoffhandel. Er fädelte 2012 für 29 Milliarden Dollar auch die Übernahme von Xstrata ein.

Diese Akquisition und sinkende Rohstoffpreise brachen Glencore im Jahr 2015 aber beinahe das Genick. Im September des gleichen Jahres zog Glasenberg die Notbremse und reduzierte mit umfangreichen Verkäufen von Firmenteilen die Nettoschulden. Der Turnaround zusammen mit der Aussicht auf üppige Dividendenzahlungen liessen den Glencore-Aktienkurs im letzten Jahr wieder massiv ansteigen.