IWF sieht Wachstum optimistisch - trotz Trump-Unsicherheiten

Der IWF sieht trotz Unsicherheiten über die Politik des künftigen US-Präsidenten Donald Trump Chancen für eine anziehende Weltwirtschaft.
16.01.2017 15:02
Hafen der srilankischen Hauptstadt Colombo: Der Welthandel soll 2017 wachsen.
Hafen der srilankischen Hauptstadt Colombo: Der Welthandel soll 2017 wachsen.
Bild: cash

Im Kern gehe man davon aus, dass die globale Konjunktur in diesem Jahr um 3,4 Prozent und im nächsten Jahr auf 3,6 Prozent zulegt, nach 3,1 Prozent Wachstum 2016, teilte der Internationale Währungsfonds (IWF) am Montag mit und bekräftigte seine Herbst-Prognose. IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld mahnte aber: "Die Unsicherheit hat zugenommen". Unklar sei, wie Trumps Politik aussehen werde. Sie beinhalte Chancen, aber auch massive Risiken, etwa für die Handels-, Dollar- und Schuldenentwicklung. Für wahrscheinlich hält der Fonds eine stärkere Ausgabenpolitik, die die Wachstumsaussichten in den USA etwas verbessert. Zudem dürfte die US-Notenbank ihre Abkehr von der lockeren Geldpolitik beschleunigen.

"Es gibt eine ungewöhnlich breite Palette an Aufwärts- und Abwärtsrisiken für diesen Ausblick", räumte Obstfeld in Washington mit Blick auf die USA ein. Es gebe die Chance, dass Trumps Politik für einen Wachstumsschub ohne steigende Verbraucherpreise sorge, was den Zinsanstieg verlangsamen könnte. Denkbar sei aber auch, dass seine Politik in der Wirtschaft an Kapazitätsgrenzen stosse, so die Inflation anheize und damit kräftige Zinserhöhungen auslöse. Das wiederum könnte den US-Staatshaushalt tiefer in die roten Zahlen bringen sowie das Leistungsbilanzdefizit und den Dollar nach oben treiben. Damit drohten weltweit grössere Ungleichgewichte und eine verschärfte Abschottung von Märkten. Man werde wohl erst im April besser abschätzen können, wohin die Reise mit Trump gehe.

Der IWF erwartet höhere Staatsausgaben und niedrige Steuern durch eine Trump-Regierung und rechnet deshalb mit kurzfristigen Impulsen für die US-Konjunktur. Der Fonds erhöhte daher seine US-Wachstumsprognose um 0,1 Punkte auf 2,3 Prozent für dieses Jahr und um 0,4 Punkte auf 2,5 Prozent für 2018. Auch für Deutschland ist die Institution etwas zuversichtlicher. Sie erwartet eine Wachstumsbeschleunigung gegenüber der bisherigen Schätzung von je 0,1 Prozentpunkten auf 1,5 Prozent in beiden Jahren. Für das Euro-Sorgenland Italien senkte der Fonds seine Schätzungen spürbar und rechnet dort nur noch mit 0,7 Prozent in diesem und 0,8 Prozent im nächsten Jahr. China dürfte 2017 mit 6,5 Prozent um 0,3 Punkte stärker zulegen als im Oktober vorausgesagt. Für 2018 bekräftigte der Fonds seine Prognose von plus 6,0 Prozent. Insgesamt laufe es in den Industrieländern wieder etwas besser.

IWF sieht Unsicherheiten wegen Zuwanderung, Wahlen, Brexit

An Risiko und Unsicherheit in der Weltwirtschaft gilt aber nicht nur Trump, der alles dem Wohlergehen der USA unterordnen will. Generell sieht der Fonds auch eine wachsende Ablehnung in den USA und in Europa gegen den freien Welthandel, Zuwanderung und internationale Engagements. Daneben zeigt er sich besorgt über die hohe private und öffentliche Verschuldung in vielen Teilen der Welt. Auf die Stimmung in Europa drückt nach Obstfelds Worten neben dem mauen Wachstum und den bevorstehenden Wahlen in vielen wichtigen EU-Ländern auch die unklare Situation über den angekündigten EU-Austritt der Briten.

Der Fonds erneuerte die Forderung, dass die Weltwirtschaft auf einen stabileren und dauerhaft höheren Wachstumspfad gebracht werden müsse. So solle jedes Land je nach seinen Gegebenheiten auf einen geeigneten Mix aus Impulsen von der Geldpolitik, der Finanzpolitik und Strukturreformen setzen. Für Länder wie Deutschland, die wirtschaftlich an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiteten, sollte das Schwergewicht nicht auf kurzfristigen Nachfrageimpulse durch mehr Staatsausgaben liegen. Vielmehr empfiehlt der Fonds zukunftsgerichtete Investitionen, etwa in Bildung und Infrastruktur, um das Wachstumspotential zu erhöhen. Dabei könnten auch Steuerreformen helfen. Strukturreformen blieben in allen Ländern ein Thema. 

(Reuters)