Jahrelanger Bullenmarkt? - Eine steile Prognose für US-Aktien

Die amerikanischen Börsen knacken Rekord um Rekord. Doch für viele Beobachter ist der Bullenmarkt noch lange nicht zu Ende. Sie erwarten weitere Anstiege um 30 Prozent. Was ist dran an dieser These?
15.02.2017 15:22
Von Ivo Ruch
Kaufen oder Verkaufen? Aktien sind derzeit bei Investoren gefragt.
Kaufen oder Verkaufen? Aktien sind derzeit bei Investoren gefragt.
Bild: ©hfox/Fotolia.com

Nirgends ist die Trump-Euphorie grösser als am amerikanischen Aktienmarkt. Seit den US-Präsidentschaftswahlen im November befindet sich die Wall Street auf Höhenflug. Der Dow Jones kletterte dabei genauso auf ein neues Allzeithoch wie der Technologie-Index Nasdaq oder das breite Börsen-Barometer S&P 500, wie der folgende Chart zeigt.

Rally im Gleichschritt: S&P 500 (rot) und Dow Jones (grün) in den letzten 12 Monaten (Quelle: cash.ch).

Die Hoffnung auf ein Trumpsches Wirtschaftswunder ermuntert offenbar viele Anleger zum Einstieg. So erreichte der Börsenwert des gesamten S&P 500-Index am Montag erstmals 20 Billionen Dollar – mehr als die jährliche US-Wirtschaftsleistung. Das bedeutet aber nicht, dass die Börsen-Euphorie bald zu Ende geht. Im Gegenteil: Glaubt man bestimmten Kommentatoren, liegt noch einiges an Aufwärtspotenzial drin.

Zu diesen Optimisten gehört Stephan Suttmeier, Analyst bei der Bank of America Merrill Lynch. Laut der Börsen-Plattform Marketwatch traut er dem S&P 500 einen Anstieg auf 3000 Punkte innerhalb der nächsten zwei Jahre zu. Am Dienstag ging der Index bei 2337 Punkten aus dem Handel. Das würde eine Performance von knapp 30 Prozent bedeuten. Bis 2024 soll gar die Marke von 5000 Punkten erreicht sein. Für Gesprächsstoff sorgte Ende Januar auch das US-Anlegermagazin "Barron's'", welches den Dow Jones Index bis 2025 bei 30'000 Punkten sieht, nachdem der Leitindex eben gerade 20'000 Punkte passiert hatte. 

 

Vier Gründe für eine Rally

Die Rally-These geht so: Der aktuelle Bullenmarkt befindet sich erst in einer frühen Phase, vergleichbar mit den jahrzehntelangen Kursgewinnen zwischen 1950 und Ender der 1990er Jahre. Die Rede ist von einem säkularen, also lange anhaltenden Aufwärtstrend.

Marketwatch zählt zudem noch weitere Positiv-Signale für Aktien auf. Dazu gehöre die aktuelle Stärkephase der Technologie-Börse Nasdaq, die als guter Frühindikator für andere Indizes gilt, weil die abgebildeten Technologieaktien traditionell rasch auf Stimmungswechsel unter den Anlegern reagierten.

Hinzu komme der sogenannte Januar-Effekt, wonach die Börsen ein Aktienjahr so fortsetzen, wie sie es im ersten Monat begonnen haben. Wie schon angetönt, ist allen grossen US-Indizes ein guter Jahresstart geglückt. Schliesslich zeigt ein Index für  Hochzins-Anleihen, dass der Risiko-Appetit der Anleger derzeit gross ist – ebenfalls ein gutes Zeichen für Aktien.

Zieht eine Blase auf?

Die aktuellen Börsen-Rekordstände signalisieren, dass die Finanzmärkte Trump trotz der Kontroversen, die er seit seinem Amtsantritt ausgelöst hat, weiterhin einen Vertrauensvorschuss gewähren. Die Stimmung kann aber genauso rasch, respektive mit einer einzigen Twitter-Nachricht, wieder gekippt werden.

Tragen Trumps Wahlversprechen keine Früchte, sondern enttäuschen sie die Erwartungen, kann es an den Finanzmärkten auch über längere Zeit ungemütlich werden. "Ein anhaltender zyklischer Optimismus ohne echte zyklische Verbesserung hat das Potenzial, eine Blase an den Aktienmärkten zu schaffen", schreibt Laurence Taylor vom Vermögensverwalter T. Rowe Price in einem aktuellen Kommentar. Entscheidend sei deshalb, ob Aktienbewertungen bereits eine Blase widerspiegeln.

Wie die folgende Grafik zeigt, stehen die Bewertungen sowohl der Industrie- (hellblau) als auch der Schwellenländer-Aktienmärkte (dunkelblau) derzeit nahe an ihren langfristigen Durchschnittswerten. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) können die Märkte also nicht mehr als günstig bezeichnet werden. Auch das sollten Anleger berücksichtigen, falls sie dieser Tage Aktienkäufe tätigen wollen.

Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Industrie- und Schwellenländer-Märkten

Quelle: T. Rowe Price