Jahresend-Schub: Diese Aktien sind bereit

Viele Anleger hoffen darauf, dass die Kurse gegen Ende Jahr steigen. Doch welche Einzeltitel sind besonders gut positioniert? Ein Überblick.
19.10.2015 00:05
Von Marc Forster
Rasender Samichlaus, rasante Kursentwicklung? Man darf gespannt sein.

Das Zauberwort heisst Jahresend-Rallye. Die beim Einherbsten häufig gestellte Prognose, dass die Anleger auf den Abschluss des Kalenderjahres in besonders optimistisch werden, ist statistisch nicht belegt und daher umstritten. Ob sie im Oktober, November oder erst kurz vor Weihnachten einsetzt, ist ebenfalls nicht richtig erhärtbar.

Einige von cash befragte Experten gehen aber zumindest für 2015 davon aus, dass die Börsen über die nächsten zwei Monate noch ansteigen. Doch: Welche Aktien profitieren dann besonders vom Anleger-Optimismus? Branchen- und sektorenspezifisch gibt es in der Schweiz keine typischen Muster.

Allerdings lässt sich anhand des Beta-Faktors ablesen, welche Aktien stärker als der Markt schwanken. Ein Beta-Faktor von 1 bedeutet, dass sich eine Aktie genau wie der Markt auf- und abbewegt. Ein Faktor über 1 bedeutet, dass der Kurs deutlicher als der Durchschnitt ausschlägt.

Das Problem ist aber: Je höher der Beta-Faktor, desto risikoreicher ist häufig eine Aktie. Ein Titel wie Evolva hat ein überdurchschnittliches Beta, ist aber auch ein Bio-Tech-Titel mit spekulativem Ruf. In der Übersicht deswegen Aktien mit hohem Beta-Faktor, für welche die Aussichten solide und gut sind:

U-Blox: Aufgrund eines beachtlichen Kursanstiegs sind die Aktien des Chipherstellers mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 34 hoch bewertet. Seit Jahresanfang beträgt der Wertzuwachs der Aktie 40 Prozent, in den zurückliegenden sechs Monaten nur 6,8 Prozent. Eine gute Börsenstimmung dürfte den Kurs aber noch einmal antreiben. U-Blox ist in Chips und Modulen für Kommunikatonssysteme in vielen Branchen daheim, etwa Handy-Hersteller oder der Autobranche. Grösstes Risiko: Mangelnde Firmengrösse macht die U-Blox-Aktie anfällig.

Richemont: Die Panik wegen der China-Konjunkturschwäche ist mittlerweile etwas abgeklungen. Auch wenn der Exporteinbruch für Uhren nach Hongkong year-to-date ein Fünftel beträgt: Richemont-Luxusmarken wie IWC, Cartier oder Dunhill verkaufen sich auch anderswo. Die Smartwatch-Konkurrenz betrifft Richemont im Luxussegment weniger stark. Swatch ist dort mit mehr Billig- und Mittelpreismarken mehr betroffen, wobei die Analysten auch für den Hayek-Konzern wieder positiver gestimmt sind.

Autoneum: Der Kurs des Winterthurer Autoteileherstellers ist zuletzt stark unter Druck geraten. Die Sorgen der Anleger rühren allerdings eher vom hohen Europa-Exposure und dem anhaltenden Margendruck her also von der Abgasskandal-Krise beim Kunden VW oder der China-Konjunkturschwäche: In beiden Fällen ist das Exposure überschaubar. Fundamental geht es der Firma aber nicht schlecht. Für Autoneum spricht auch eine günstige Bewertung.

Novartis: Novarits haben seit Jahresanfang wie der Gesamtmarkt verloren (SMI -3,67 Prozent, SPI -0,21 Prozent). Der defensive Titel gehört aber zu den verlässlichsten Titeln an der Schweizer Börse und ist wie auch die anderen zwei Langzeit-Performer Nestlé und Roche für einen etwaigen Jahresendspurt gut gerüstet. Schliesslich ist es dieses Trio, das die Richtung des SMI massgeblich vorgibt.

UBS: Ohne überraschende Rechtsfälle geht es mit der gut kapitalisierten Grossbank bergauf. Operativ ist die UBS gut unterwegs. Der Kurs stieg von Anfang Jahr bis zu den August-Turbulenzen um fast ein Drittel und kann, wenn die gute Stimmung wieder kommt, mit einer Jahresendrallye mitschwingen. Die Aktie der Branchennachbarin Credit Suisse verfügte in den vergangenen Monaten ebenfalls über einen hohen Beta-Faktor (siehe Tabelle). Dort hängt die weitere Kursentwicklung allerdings stark vom Strategie-Update ab, das am Mittwoch vorgestellt werden soll.

Georg Fischer: Die China-Geschäfte sowie die Kundenbeziehungen zum vom Abgasskandal betroffenen Autohersteller VW haben der Aktie von Georg Fischer zugesetzt und innerhalb von drei Monaten den Kurs um fast 14 Prozent sinken lassen. Die Bewertung ist auf einem tiefen KGV von 12,9 angelangt, aber Analysten trauen dem gut aufgestellten Schaffhauser Unternehmen einiges zu. Bei einem allgemeinen Kursanstieg könnten Georg Fischer erfreulich mitlaufen.

 

Die SPI-Titel mit den höchsten Beta-Faktoren

Titel Beta 3 Monate Beta 6 Monate Performance 6 Monate Performance seit 1.1.2015
Syngenta 1,24 1,3 -11,66 Prozent -5,25 Prozent
U-Blox 1,22 1,21 +6,8 Prozent +40,68 Prozent
Richemont 1,2 1,17 -1,51 Prozent -7,88 Prozent
Autoneum 1,23 1,15 -15,96 Prozent +8,73 Prozent
Julius Bär 1,18 1,15 -11,42 Prozent +0,74 Prozent
Meyer Burger 1,26 1,15 +3,35 Prozent +14,88 Prozent
Novartis 1,15 1,15 -10,55 Prozent -4,17 Prozent
Adecco 1,06 1,11 -9,28 Prozent +5,74 Prozent
GAM 1,2 1,11 -18,31 Prozent -3,33 Prozent
LafargeHolcim 1,05 1,09 -27,95 Prozent -24,32 Prozent
Credit Suisse 1,15 1,07 -11,29 Prozent -4,78 Prozent
UBS 1,06 1,04 -0,79 Prozent +10,71 Prozent
Evolva 1,01 1,01 -28,93 Prozent -14,39 Prozent
Georg Fischer 1,03 1,01 -13,96 Prozent -5,96 Prozent

Quelle: cash.ch, Interactive Data