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«Jahresendrallye ist möglich»

Das wirtschaftliche Umfeld spricht nicht für steigende Aktienmärkte. Dennoch stehen die Chancen für ein Jahresendrallye nicht schlecht. Weshalb das so ist, erklärt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk.
30.10.2015 01:02
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk vom 30. Okober 2015.
Bild: cash

Still und heimlich arbeitet sich der Swiss Market Index wieder nach oben. In den letzten sechs Handelstagen hat der Schweizer Börsen-Leitindex gegen 5 Prozent dazugewonnen, in den letzten vier Wochen fast 10 Prozent. Sorgen um die Abschwächung der chinesischen Wirtschaft und der Weltkonjunktur, welche die Märkte im September noch durchgerüttelt hatten, scheinen bereits vergessen.

"Rein wirtschaftlich gibt es nicht viele Gründe für den Anstieg an den Börsen", sagt denn auch cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk. Auch das Umfeld an der Schweizer Börse mit den Unternehmenszahlen zum dritten Quartal sprechen laut Herbert nicht für steigende Kurse. Denn viele Firmen haben in den letzten zwei Wochen enttäuschende Quartalszahlen präsentiert, einige mussten die Jahresprognose nach unten anpassen.

Aber es wiederholt sich offenbar eine Geschichte, welche seit dem Ausbruch der Finanzkrise schon etliche Male beobachtet werden konnte. "Die grosse Geldschwemme ist der Grund, weshalb die Börsen wieder angreifen", so Herbert. Letzte Woche hatte EZB-Chef Mario Draghi weitere Lockerungen im Dezember in Aussicht gestellt. Dabei hatte Draghi sowohl eine Ausweitung des milliardenschweren Anleihekaufprogramms als auch eine weitere Absenkung des derzeit negativen Einlagensatzes als Möglichkeiten ins Spiel gebracht.

Die Börsen nahmen das dankend zur Kenntnis. Die Aussagen Draghis erhöhen nun auch die Chancen auf steigende Kurse bis zum Jahresende und darüber hinaus. "Es ist gut möglich, dass wir aus technischen Gründen eine Jahresendrallye sehen. Und wenn wir die Marke von 9000 Punkten knacken, dann werden bald die ersten Optimisten kommen und einen Anstieg auf 10'000 Punkte prophezeien", sagt Herbert im Börsen-Talk. 

Rätselraten um die Fed

Spielverderberin für eine Jahresendrallye könnte allenfalls Draghis Kollegin in den USA werden. Denn Fed-Chefin Janet Yellen liess diese Woche offen, ob sie kurz vor Jahresende und damit mitten im wichtigen US-Weihnachtsgeschäft die Leitzinsen anheben wird. Am Markt wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende noch in diesem Jahr nur noch auf knapp ein Drittel geschätzt. Allerdings dürfte eine allfällige Zinsanhebung an den Märkten keine grossen Schockwellen auslösen, denn eine Verschärfung der Geldpolitik ist seit langem angekündigt.

Von den erwähnten Schweizer Unternehmen, welche mit den Zahlen zum dritten Quartal doch etwas enttäuscht hatten, gehört der Sanitärtechniker Geberit. Nach der Bekanntgabe der Zahlen am Dienstag tauchte die Aktie um 5 Prozent. Das schwierige Umfeld in der Bauindustrie führte im dritten Quartal zu einer Verlangsamung des Wachstums.

Das Unternehmen befindet sich seit der Grossübernahme von Sanitec im letzten Winter aber auch in einer Transformationsphase. Zwar sieht sich Geberit mit der Integration von Sanitec auf Kurs. Für die Integration wird mit einem Zeitrahmen von zwei bis drei Jahren gerechnet. Auch das sieht Herbert als Grund für die Verunsicherung der Investoren. "Es ist zu früh, um bei Geberit als Aktionär einzusteigen. Sanitec muss erst auf Zack gebracht werden."

Eher verhaltende Zahlen sieht Herbert auch für die UBS, welche am Dienstag die Resultate für das dritte Quartal veröffentlicht. Bereits die meisten US-Grossbanken und die Credit Suisse konnten mit ihren Leistungsausweisen die Investoren nicht überzeugen. "Ich sehe nicht, dass es ausgerechnet der UBS besser gehen soll", sagt Herbert.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert auch zu den Entlassungen bei Grossbanken und zu den Negativrenditen der zehnjährigen Staatsobligation der Eidgenossenschaft.