Jahresvorgaben nicht länger gültig - Anleger bei LafargeHolcim stochern nun vollends im Nebel

Die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs zwingen LafargeHolcim dazu, die Jahresvorgaben auszusetzen. Mit neuen Zielen wartet der Zementhersteller nicht auf. Zumindest aber hält er an den Dividendenplänen fest.
27.03.2020 10:02
Von Lorenz Burkhalter
Der neue LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch.
Der neue LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch.
Bild: ZVG

Wie viele andere Unternehmen ächzt auch LafargeHolcim unter den Folgen des Coronavirus-Ausbruchs. Um diese Folgen abfedern zu können, will der weltgrösste Zementhersteller die Investitionen zurückfahren und die Kosten weiter senken.

Gleichzeitig werden die Ende Februar kommunizierten Jahresvorgaben ausgesetzt. Ein Wachstum beim wiederkehrenden Nettoumsatz von 3 bis 5 Prozent scheint im aktuellen Umfeld ebenso unrealistisch wie ein Wachstum des bereinigten operativen Gewinns (EBITDA) von mindestens 7 Prozent (cash berichtete).

An der Jahresdividende soll festgehalten werden

Mit neuen Jahresvorgaben wartet das Unternehmen nicht auf. Mit anderen Worten: Die Anleger befinden sich weiterhin im Blindflug. Im frühen Handel verliert die LafargeHolcim-Aktie denn auch 2,6 Prozent auf rund 35 Franken, obwohl sie alleine seit der Veröffentlichung des letztjährigen Ergebnisses von Ende Februar bereits gut 20 Prozent eingebüsst hatte.

Punkten kann der Zementhersteller einzig mit seinen Aussagen zur Dividende in Höhe von 2 Franken je Aktie. Diese soll Mitte Mai wie ursprünglich geplant ausbezahlt werden, sofern die Generalversammlung sie durchwinkt. Zu aktuellen Kursen errechnet sich damit immerhin eine Rendite in Höhe von 5,5 Prozent.

Wie Morgan Stanley schreibt, birgt das Massnahmenpaket keine grösseren Überraschungen. Die US-Investmentbank begrüsst, dass LafargeHolcim an der Dividende festhält. Während Morgan Stanley bereits mit Einschnitten bei den Investitionen gerechnet hatte, übertreffen die angestrebten Kosteneinsparungen die bankeigenen Erwartungen. Die Aktie wird bei der US-Investmentbank mit "Overweight" und einem auf 49 (zuvor 63) Franken reduzierten Kursziel eingestuft.

Spätere Gewinnschätzungsreduktionen wahrscheinlich

Bei Vontobel zeigt man sich hingegen beeindruckt davon, mit was für einer Geschwindigkeit der Zementhersteller mit Massnahmen auf die Coronavirus-Krise antwortet. Dank der im Branchenvergleich sehr soliden Bilanz sieht die Zürcher Bank das Unternehmen gar als einer der Gewinner aus der Krise hervorgehen. Sie hält deshalb sowohl an ihrer Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 48 Franken fest.

Die Zürcher Kantonalbank hat ihre Schätzungen vorsorglich schon mal reduziert und geht seither für das laufende Jahr von einem Umsatzrückgang um 8 Prozent aus. Angesichts der geringen Vorhersehbarkeit beim Tagesgeschäft schliesst sie weitere Abwärtsrevisionen nicht aus. Angesichts der attraktiv tiefen Bewertung hält die Zürcher Kantonalbank an ihrem "Übergewichten" lautenden Anlageurteil fest.