Jan Jenisch wechselt - LafargeHolcim wirbt Sika-Chef ab - «Idealbesetzung»

Der skandalgeplagte Zementriese LafargeHolcim hat die Lücke an der Konzernspitze überraschend schnell geschlossen. Im Oktober übernimmt Sika-Chef Jan Jenisch das Steuer beim Weltmarktführer
22.05.2017 12:42
Der neue LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch.
Der neue LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch.
Bild: ZVG

Das teilte LafargeHolcim am Montag mit. Jenisch ersetzt Eric Olsen, welcher vor kurzem im Zusammenhang mit der Syrien-Affäre zurückgetreten ist, obwohl er vom Verwaltungsrat zuvor von jeglicher Verantwortung freigesprochen wurde.

Der bisherige Sika-CEO sei "weit herum respektiert für seine nachhaltig erfolgreichen Geschäftsergebnisse" und verfüge über ein tiefes Verständnis für den Baumaterialsektor, lässt sich Beat Hess, Verwaltungsratspräsident von LafargeHolcim, in einer Mitteilung vom Montag zitieren.

Die Aktie von LafargeHolcim steigt am Montag im frühen Handel um gegen 7 Prozent. Die Aktien von Sika geben bis 3 Prozent nach. 

"Was als gute Wahl für Lafarge/Holcim gelten darf, muss bei Sika wohl als herber Verlust verbucht werden", schreibt die Neue Helvetische Bank" in ein em Kommentar. Insbesondere inmitten des Kampfes gegen die feindliche Übernahme durch Saint Gobain – wo sich das Top-Management mit dem mittleren Management und den "normalen" Mitarbeitern solidarisiert hatte – komme dieser Abgang sicher nicht gelegen. 

Folgen weitere Abgänge?

Jenisch sei einer der Köpfe gewesen, die sinnbildlich für den Erfolg der Sika gestanden seien, schreibt die Bank weiter. Auch den vielbeschworenen "Sika-Spirit" habe Jenisch stets hochgehalten. Die Frage laute nun, ob noch andere Führungskräfte bei der Sika seinem Beispiel folgen werden – vor allem wenn sich die aktuelle Situation noch über zwei weitere Jahre hinziehen sollte.

Sika wiederum hat Paul Schuler per 1. Juli als Nachfolger von Jenisch ernannt, wie der Baustoffkonzern ebenfalls am Montag mitteilt. Schuler ist derzeit Regionalleiter Europa, Naher Osten, Afrika (EMEA). Gleichzeitig bestätigte Sika den Ausblick für das laufende Jahr mit einem erwarteten Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent. Damit dürfte erstmals ein Umsatz von über 6 Mrd CHF erreicht werden.

Unter Jenischs Leitung war Sika in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Der 50-jährige Deutsche hatte sich gleichzeitig stets gegen die geplante Übernahme durch die französische Saint-Gobain gewehrt. Neuer Sika-Chef werde Paul Schuler, der gegenwärtig die Geschäfte der Gesellschaft in Europa verantworte.

(Reuters/AWP/cash)